Wirtschaft

Tiefrote Bilanz für Modehandel

19.02.2021 • 11:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die massivsten Einbrüche erlebte 2020 der Modehandel. Mehrere Ketten gingen pleite, zuletzt Pimkie Wien
Die massivsten Einbrüche erlebte 2020 der Modehandel. Mehrere Ketten gingen pleite, zuletzt Pimkie Wien APA/HERBERT NEUBAUER

Modebereich erlebt mit Umsatzminus von 23,7 Prozent stärksten Einbruch.

Eine tiefrote Bilanz über das Jahr 2020 zieht der österreichische Handel. Von Jänner bis November kam es in der gesamten Branche zu einem Umsatzrückgang von 5,6 Prozent, errechneten die Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer und das Economica Institut für Wirtschaftsforschung. „Die Krise hat mit wenigen Ausnahmen alle Handelssektoren schwer getroffen“, erläuterte Rainer Trefelik, Spartenchef des Handels.

Am stärksten den Modebereich: Hier betrug der nominelle Umsatzrückgang minus 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Auswirkungen der Lockdowns zeigen sich überdeutlich in den Zahlen: So führte der erste Lockdown im März im Modebereich zu einem Umsatzeinbruch von minus 56,8 Prozent und im April waren es sogar minus 76,4 Prozent. Im Modebereich gab es bereits eine Reihe von Insolvenzen – zuletzt der Kette Pimkie in Wien – und Schließungen. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde auch die Kfz-Wirtschaft mit einem Umsatzminus von 11,6 Prozent.

Starkes Plus bei Nahrungsmitteln

Peter Voithofer vom Economica Institut betont, dass die Handelsergebnisse je nach Bereich stark divergieren: „Die Trennlinie verläuft insbesondere zwischen dem Food- und dem Non-Food-Einzelhandel.“ Während das Food-Segment ein Plus von 8,9 Prozent verzeichnete, mussten die Non-Food-Branchen – nicht zuletzt durch die Geschäftsschließungen – ein Umsatzminus in der Höhe von 3,6 Prozent hinnehmen. In Summe ging sich für den Einzelhandel ein knappes Plus von 0,1 Prozent aus.

Zu den großen Gewinnern zählte 2020 der Onlinehandel. „Der österreichische Internet- und Versandhandel kann sich über ein Plus von 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr freuen“, sagt Iris Thalbauer, die Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. Der Wermutstropfen dabei: Die Ausgaben der Österreicher und Österreicherinnen bei ausländischen Anbietern nehme ebenfalls stark zu. In diesem Bereich sei es dringend notwendig, faire Wettbewerbsbedingungen für den heimischen Handel zu schaffen. „Es geht uns hier um eine faire Besteuerung und gleiche Bedingungen im Abgabenrecht“, so Thalbauer.

„Wie schnell sich der Handel im laufenden Jahr erholen wird, hängt maßgeblich auch vom weiteren Verlauf der Covid-19-Infektionen und den damit verbundenen Maßnahmen ab“, betont Handelsobmann Trefelik. Die Öffnung der Handelsgeschäfte mit 8. Februar sei für die Unternehmen enorm wichtig gewesen, um die Liquidität zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten.

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Handel „kein Infektionsherd“

„Auch wenn die Umstände nach wie vor außergewöhnlich und herausfordernd sind, war die Wiedereröffnung ein erster, unbedingt notwendiger Schritt in Richtung Normalität“, meint auch der Obmann der Sparte Handel in der WKO Steiermark, Gerhard Wohlmuth. „Obwohl jetzt viel mehr getestet wird, ist die von manchen prophezeite Explosion der Fallzahlen durch die Öffnung des Handels nicht eingetreten. Das bestätigt einmal mehr ganz deutlich, was wir eigentlich immer schon wussten: Der Handel war und ist in keiner Weise ein Infektionsherd.“