Wirtschaft

„Wollen nicht länger duldsame Esel sein“

16.02.2021 • 14:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Leere Hotels und Restaurants durch Corona
Leere Hotels und Restaurants durch Corona Jordan Feeg – stock.adobe.com

Lockdown für Hotels und Gastronomie wird bis Ostern verlängert.

Wer am Montag auf das Buchungssystem vom Hotel Hochschober auf der Turrach klickte, konnte ab Sonntag, den 28. Februar, wieder ein Zimmer reservieren. Zweckoptimismus. Seit Montagabend ist klar: Der Lockdown für Gastronomie, Tourismus und Kulturbereich wird bis „rund um Ostern“ verlängert. Seit 2. November, also seit 15 Wochen, sind Hotels und Restaurants geschlossen. Jetzt zerrinnt gar die Hoffnung, wenigstens mit der Osterwoche in die verfrühte Sommersaison zu starten. „Wir müssen froh sein, wenn wir zu Ostern aufmachen dürfen“ – so sieht es Hubert Koller, Landesvorsitzer der Hoteliersvereinigung ÖHV.

Auch für Tourismus-Spartenobmann Josef Petritsch bleibt „Ostern ein großes Fragezeichen. Mir schwant Übles“. Bei der Kärnten Werbung laufen die Telefone heiß. „Wir bereiten unsere Impulskampagnen für die Sommersaison vor“, sagt Geschäftsführer Christian Kresse. „Aber wir wissen nicht, wann wir sie ausspielen können.“ Die Öffnungs-Perspektive fehlt. Ein konkretes Datum, wann die betroffenen Branchen aufsperren dürfen, gibt es nicht. Am 1. März wolle man „erneut beraten“.

Kärnten mit höchster Inzidenzzahl

Das Problem: Die Corona-Mutationen breiten sich aus. Gleichzeitig geht die Inzidenzzahl, also die Neu-Ansteckungen gerechnet auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche, nicht hinunter. Kärnten hat derzeit mit 132 die höchste aller Bundesländer, Tirol die niedrigste von rund 75.

Die Tourismusbranche ihrerseits kann nichts für oder gegen die Inzidenz tun, muss sie aber ausbaden, indem sie im Lockdown verharren muss bzw. hinter Mitbewerbern zurückbleibt. Koller: „Nehmen wir an, Deutschland würde eine Reisewarnung aussprechen für Gegenden mit Inzidenzzahlen über 35. Wenn es für Kärnten schlecht läuft, bleiben wir weiter Schlusslicht, aber Salzburg, Tirol und Vorarlberg drücken ihre Inzidenz.“ Was das für Kärnten bedeuten könnte – nicht auszudenken. Auch bei eventuellen regionalen Öffnungsszenarien, wäre Kärnten womöglich hintendran.

„Wir wollen zu Ostern aufsperren“

„Ja, wir sind zweckoptimistisch“, sagt Hotelierin Karin Leeb vom Hochschober auf der Turrach. „Aber wir wollen auch nicht länger die duldsamen Esel sein. Tourismus und Gastronomie dürfen nicht die vergessenen Branchen werden. Wir wollen zu Ostern aufsperren.“ An Hygiene-Strategien mangelt es nicht: Eintrittstests, Mitarbeitertests, die Branche ist gerüstet. „Wir lassen sogar drei Mitarbeiter am Wifi zu Testprofis ausbilden“, so Leeb. Auch Christina Brandstätter vom Seehotel Jägerwirt auf der Turrach sagt: „Wir sind für Ostern gut gebucht.“ Uni-Wirt Alexander Präsent aus Klagenfurt zeigt sich auf seiner Homepage heute zu Fasching als Pirat mit Augenbinde. „Ich würde gern meutern“, sagt er. „Aber ich muss mich fügen.“ Sein Bauchgefühl sage ihm, „dass wir bis nach Ostern im Lockdown sind“.

Ob alle Kärntner Skigebiete bis Saisonende offenhalten werden, ist noch nicht klar. Manuel Kapeller-Hopfgartner, Fachgruppenobmann der Kärntner Seilbahnen, kann nur für „seine“ Gerlitzen Bergbahnen sprechen: „Wir halten die Lifte auf jeden Fall bis 5. April in Betrieb. Wir sehen uns als Freizeit-Nahversorger. Aber die Stimmung ist natürlich getrübt.“ Auf dem Nassfeld bleiben die Pisten laut Christopher Gruber bis April offen, „weil wir das den Einheimischen schuldig sind“. Die Situation beschreibt Gruber als „bitter“.

Wettbewerb der Reiseziele

Und dann? Hotelier Petritsch sagt: „Zu Ostern muss geöffnet werden. Die Betriebe und ihre Mitarbeiter halten das sonst nicht mehr durch, finanziell und vor allem emotional. Es braucht jetzt in Kärnten einen gemeinsamen Schulterschluss und Kraftakt, um die Inzidenzzahl zu senken.“ Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (VP): „Wenn wir in Kärnten die Inzidenz jetzt nicht deutlich senken, laufen wir Gefahr, im Wettbewerb der Reiseziele und Bundesländer nachhaltig an Boden zu verlieren.“