Wirtschaft

Wintertourismus so rasch wie möglich

01.12.2020 • 15:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Finanzminister Gernot Blümel
Finanzminister Gernot Blümel APA/Herbert Pfarrhofer

Blümel: „Wintertourismus existenziell für Volkswirtschaft“.

Finanzminister Gernot Blümel hat sich am Dienstag vor der Abstimmung der Regierung über die Lockerungsschritte ab dem 7. Dezember für eine möglichst rasche Öffnung des Wintertourismus ausgesprochen, wenn die Infektionszahlen das zulassen. Der Wintertourismus sei „existenziell für die österreichische Volkswirtschaft“, sagte Blümel in einem Skypegespräch mit Journalisten.

Der Tourismus trage in Österreich mit 15 Prozent zum BIP bei, ein gleich hoher Anteil wie in Spanien und höher als in Italien. Der Wintertourismus allein erlöse in Österreich 14 Milliarden Euro Umsatz und trage in Tirol zehn Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei. Einen Zeitpunkt der Öffnung vor Weihnachten oder noch eher wollte Blümel nicht nennen, aber er sehe beim Skifahren „kein größeres Risiko, als im Sommer beim Baden oder Surfen. Und warum soll es in einer Gondel mehr oder weniger Risiko geben, als in der U-Bahn. Aprés Ski wie man es von früher gewohnt ist, darf es natürlich nicht mehr geben.“ Wer Österreich von außen zurufe, den Wintertourismus zu schließen, kenne die Fakten nicht. Als Finanzminister vertrete er ausschließlich eine volkswirtschaftliche Sicht, natürlich seien aber auch Infektionszahlen und die Auslastung von Spitalsbetten in die Gesamtbetrachtung miteinzubeziehen, sagte er im Hinblick auf die Beratung mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober. „

Umsatzersatz: Anträge für 1,6 Milliarden

Zugleich muss der Finanzminister zunehmend an die Grenzen des Budgets für Ausfallshilfen denken. Für den Lockdown im November haben bisher 71.800 Unternehmen Anträge auf bis zu 80 Prozent Umsatzersatz gestellt im Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro. „800 Millionen Euro sind davon bereits auf die Konten der Unternehmen geflossen, rund 500 Millionen sollten diese Woche bei den Betrieben landen“, sagte Blümel. Dabei hätten über 200 Antragsteller einen Umsatzausfall von über 800.000 Euro gemeldet, die allerdings der Deckel dieser Hilfe sind. Rund 45.000 kleinere Unternehmen hätten Umsatzersatz bis zu einer Höhe von 10.000 Euro gestellt. In Deutschland, wo die Regierung den Umsatzersatz eine Woche vor Österreich abgekündigt hatte, sei bisher noch kein Geld geflossen.

Berechnung im Dezember offen

Die Frage der Kleinen Zeitung nach Höhe und Berechnung des Umsatzersatzes im Monat Dezember ließ Blümel offen: „Darüber wird noch verhandelt.“ Auch zu einem Ende des Fixkostenzuschusses im Jänner oder Februar wollte er sich nicht äußern: „Klar ist, dass der Umsatzersatz eine kurzfristige Überbrückung ist und nicht bis Juni 2021 laufen kann.“ Hingegen stellte der Finanzminister abermals eine Erhöhung der Grenze des Fixkostenzuschusses 2 von 800.000 auf drei Millionen Euro in Aussicht. Beim Fixkostenzuschuss 1 seien über 600 Millionen Euro an Hilfe beantragt worden, knapp 400 Millionen seien bisher genehmigt. Den Vorhalt, mit den Corona-Hilfen würden Zombiebetriebe gerettet werden, wies Blümel zurück: „Ja, wir sind großzügig, aber absichtlich großzügig, um rasch wieder durchstarten zu können.“