Wirtschaft

Im Home Office weniger produktiv

25.09.2020 • 12:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild olezzo – stock.adobe.com

Die Coronakrise hat Home Office salonfähig gemacht.

Home Office scheint in der Coronakrise die Rettung, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und die Gesundheit der Menschen zu sichern. Aber das Arbeiten von zu Hause ist deutlich weniger produktiv, warnt Andreas Kreutzer vom Beraternetzwerk Kreutzer Fischer und Partner. Das haben Studien in Vor-Corona Zeiten ergeben. Auch wenn mit der Gewöhnung der Effizienzverlust geringer sein dürfte, bleibt er bestehen, sagt Kreutzer. Das werde sich in den Lohnstückkosten niederschlagen.

Ganz aktuelle Studien liegen noch nicht vor, aber frühere Untersuchungen haben ergeben, dass die Produktivität im Home Office im Schnitt um etwa 30 Prozent niedriger ist als im Büro. Bei dauerhafter Umsetzung kommt es zu Gewöhnungseffekten und besserer Organisation, trotzdem wird der Leistungsabfall nicht unter 20 Prozent liegen, schätzt Kreutzer.

Gut für Einzelkämpfer

Das betreffe ganz besonders kleine und mittelgroße Unternehmen, die noch nicht so gut digitalisiert sind. Sie machen aber den Großteil der Beschäftigung und der Wertschöpfung aus. „Koordinationsprozesse dauern länger, das ist halt einmal so“, sagte Kreutzer im Gespräch mit der APA. Aber oft seien Unterlagen noch nicht digitalisiert, an diese von zu Hause aus zuzugreifen entsprechend mühsam. Auch wenn der Chef selber kopieren muss an Stelle der Assistenz, sei das meist weniger effizient. Manche Bereiche, etwa „kreative Prozesse“ oder Schreibarbeit seien deutlich weniger betroffen.

Kreutzer rechnet auch mit einem Kulturwandel: Waren bisher bei Mitarbeitern vor allem Teamfähigkeiten gesucht, verlangen Unternehmen jetzt plötzlich Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Denn im Home Office haben Einzelkämpfer Aufwind.

In etwa zwei Jahren, wenn die Statistik Austria die Lohnstückkosten für die Coronazeit veröffentlicht, werde dieser Rückgang in der Effizienz seinen Niederschlag findet, erwartet Kreutzer. Auch wenn man dann wohl nicht gerne darüber reden werde. Einziger Trost: Praktisch die ganze westliche Welt sei davon betroffen, Österreich müsse also nicht einen Wettbewerbsnachteil befürchten.