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Die Taliban-Regierungsspitze

04.09.2021 • 11:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Taliban-Regierungsspitze
AP (Li Ran)

Einstiger Taliban-Kämpfer fordert wieder ein „echtes islamisches System“.

Seit einigen Wochen wurde bereits mit ihm in dieser Position gerechnet, nun scheint es gewiss: Abdul Ghani Baradar, Mitbegründer der Terrormiliz, soll die neue Taliban-Regierung in Afghanistan anführen.

Als ein Mitbegründer ist er seit Langem einer ihrer bekanntesten Köpfe und – wenn man so will – ihr „Chefdiplomat“. Der 53-Jährige hat eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich, die untrennbar mit den Radikalislamisten verbunden ist: Er gilt als politischer Führer der 1994 in Kandahar gegründeten Bewegung und war maßgeblich an der Machtübernahme in den Jahren danach beteiligt.

Nach dem Einmarsch der USA 2001 in Afghanistan war Baradar Teil der „Quetta Shura“, also der Exilführung der Taliban in Pakistan. Er flüchtete angeblich per Motorrad in das benachbarte Pakistan. Baradar tauchte unter und lebte dort relativ unbehelligt – bis 2010: Damals wurde er in Karatschi in einer Operation der amerikanischen und pakistanischen Geheimdienste verhaftet.

Gesprächsbereitschaft

In Gefangenschaft wandte sich das Blatt für ihn: Baradar wurde für die USA zum Ansprechpartner und 2018 schließlich freigelassen. 2020 soll er ein Abkommen über den Abzug der amerikanischen Truppen ausgehandelt haben. Im Gegenzug versprachen die Taliban Gesprächsbereitschaft und Unterstützung des „afghanischen Versöhnungsprozesses“ – ungeachtet dessen, dass diese nun das gebeutelte Land im Sturm nahmen.

Das „Gesicht nach außen“, das jetzt wieder in Kabul ist, reiste bereits um die Welt, traf etwa im Juli Chinas Außenminister Wang Yi im ostchinesischen Tianjin. Der einstige Kämpfer fordert die Wiedereinführung eines „echten islamischen Systems“ und ließ zuletzt wissen: „Jetzt ist es an der Zeit zu beweisen, dass wir unserer Nation dienen und für Sicherheit und ein angenehmes Leben sorgen können.“

Angesichts der Gräueltaten, für die Taliban in der Hauptsache stehen, bleibt abzuwarten, wie „angenehm“ das Leben für das afghanische Volk denn werden kann.