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Reisebranche schaut mit Sorge nach Kroatien

04.05.2021 • 14:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Reisebranche schaut mit Sorge nach Kroatien

Sommersaison soll nicht gefährdet wird. So appelliert Österreich.

Viel spricht dafür, dass im Sommer 2021 Urlaub am Meer möglich sein wird. Die Sehnsucht nach den Mittelmeerstränden ist groß, weiß Max Schlögl, Geschäftsführer von Gruber Reisen, dem größten Reiseanbieter für Kroatien in Südösterreich. „Die Buchungen steigen, aber es ist noch ein Rest Unsicherheit spürbar“, sagt er der Kleinen Zeitung.

„Niemand will bei einer Rückkehr in Quarantäne gehen müssen“, bei einer entsprechend hohen Inzidenz in einem Urlaubsland ist das aus heutiger Sicht nicht auszuschließen. Konkret hängt es auch davon ab, wie die EU den Grünen Pass ausgestaltet. Und davon, ob Covid in den Urlaubsdestinationen im Griff ist.

Vor diesem Hintergrund ist ein Brief zu sehen, den mehrere Reiseanbieter, darunter Gruber, in der Vorwoche unter anderem an das kroatische Tourismusministerium gerichtet haben. Steigende Covid-19-Zahlen just in Kroatien hatten die Unternehmen alarmiert. Und wegen des Umstandes, dass in wenigen Wochen Kommunalwahlen abgehalten werden, „haben wir befürchtet, dass die Politik vor unpopulären Entscheidungen wie einem Lockdown zurückschreckt, und appelliert, Maßnahmen zu setzen“, so Schlögl.

Kurve zeigt nach unten

„Wir haben uns Sorgen um die Sommersaison gemacht.“ Bleiben die Zahlen so hoch wie jetzt – aktuell gilt Kroatien als Hochinzidenzland –, wäre das nicht nur für den kroatischen Tourismus verheerend, sondern ein neuer herber Rückschlag für österreichische Reiseanbieter.

Mittlerweile stünden die Zeichen aber wieder auf Entspannung. „Die Kurve geht nach unten, die Tendenz ist fallend“, verweist der Gruber-Chef auf aktuelle Zahlen des Complexity Science Hub Vienna. Auch ohne Lockdown in Kroatien „bin ich sehr zuversichtlich für den Sommer“. Ein Grund seien das „hohe Impftempo“ in der Tourismusbranche und andere Maßnahmen wie etwa ein Gütesiegel für Beherbergungsbetriebe, die ein Sicherheitskonzept vorweisen. „Das haben wir auch – zusätzlich zu unseren eigenen Maßnahmen.“

Kampagne „Safe Stay“

Kroatien habe im letzten Jahr stark auf Verständnis und Aufklärung der breiten Bevölkerung gesetzt, so Claudia Apel, Sprecherin der Falkensteiner Hotels. Die Maßnahmen hätten aber nicht die gleiche Akzeptanz erfahren wie in Österreich. Die kroatische Regierung habe erkannt, „wie wichtig ein ernsthafter Umgang mit der Pandemie für die Tourismuswirtschaft des Landes“ sei „und aus den Fehlern des Vorjahres gelernt.“

Unter dem Motto „Safe Stay in Croatia“ wurde ein landesweites Sicherheitskonzept entwickelt. Ein sehr wichtiger Schritt für die Sommersaison sei, dass alle Tourismus-Mitarbeiter noch im Mai eine Impfung erhalten sollen. Eintrittstests würden in Kroatien noch auf Freiwilligkeit basieren. Bei Falkensteiner geht man davon aus, dass sich die Maßnahmen an die Standards anderer EU-Länder anpassen würden. „Wir haben beschlossen, dass wir in Kroatien auf denselben Maßnahmenstandard wie in Österreich setzen.“

Strengere Hotels

Falkensteiner rechnet mit dem „offiziellen“ Start der Tourismussaison in Kroatien Ende Mai oder Anfang Juni. „Wir erwarten eine gute Sommersaison mit vielen österreichischen Gästen.“ Einige Hotels und Campingplätze sind bereits geöffnet, vorwiegend für lokale Gäste, ein Anstieg an internationalen Gästen sei bereits bemerkbar. Falkensteiner setzt in Kroatien seit Mitte April verpflichtende Eingangstests für Gäste um – „als das derzeit einzige Unternehmen in Kroatien, das solch umfassende Maßnahmen setzt“, erklärt Apel.

Auch Andrea Springer vom gleichnamigen Reisebüro mit Standorten in Kärnten und der Steiermark macht sich für den Sommer „in Bezug auf Kroatien keine Sorgen“. Sie glaubt, dass „man problemlos wird Urlaub machen können“. Wie es allerdings jetzt im Mai und dann auch in den Juni hinein aufgrund der aktuell hohen Infektionszahlen in Kroatien aussehen wird, sei schwer zu sagen. Vor allem der Mai sei sehr fraglich. Die Hotels seien jedenfalls bis 14 Tage vor Reiseantritt stornierbar. Viele würden auch einfach auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. „Die Leute wollen ja auf Urlaub fahren“, sagt Springer.

Camping stärker gefragt als 2019

In eine ähnliche Kerbe schlägt Franz Lanschützer, Großaktionär und Vizeaufsichtsratschef von Valamar, Kroatiens größtem Tourismusunternehmen. Dort liegen die Buchungen im Camping-Bereich zurzeit sogar „um fünf Prozent über jenen von 2019“, wie Lanschützer erzählt. „Wenn die Leute reisen dürfen, dann machen sie das auch“, sagt der Unternehmer. Um schnell zu ergänzen „Zumindest, wenn es nicht zu viele Einschränkungen gibt“.

Und diesbezüglich gäbe es natürlich vor allem in Bezug auf die nächsten beiden Monate einige Fragezeichen. Lanschützer hofft auf den „grünen Pass“, zugleich nimmt Valamar selbst das Heft in die Hand. „700 Mitarbeiter“ seien bereits geimpft, bei jenen, die noch keine Impfung bekommen haben, werde häufig getestet.

Im Vorjahr verzeichnete die Valamar-Gruppe übrigens 300.000 Gäste in Kroatien. Um 700.000 weniger als geplant.