Österreich

Starkes Zeckenjahr wird erwartet

08.04.2021 • 10:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Starkes Zeckenjahr wird erwartet

Heuer rechnen Experten mit bis zu 20 Prozent mehr Fällen als sonst.

„Schau nach, ob du ja keinen Zecken hast!“ Wie oft hören Kinder diese Worte nach dem Spielen im Garten oder Wald. Diese Warnung ist jedoch für jeden wichtig, denn mit dem FSME-Virus ist nicht zu spaßen. Die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ wird durch das Milbentier übertragen, der Krankheitsverlauf kann schwerwiegende Folgen haben.

Die Saison hat begonnen, Erkrankung kann jeden treffen

Die Expertin rät daher, im Impfpass zu kontrollieren, wie lange die letzte Zeckenschutzimpfung zurückliegt. Sind es mehr als fünf Jahre, dann ist eine Auffrischung notwendig. Personen ab 60 Jahren sollten sich alle drei Jahre impfen lassen. „Eine Zecken-Erkrankung verläuft im Erwachsenenalter schwerer, es kann aber auch Kinder treffen„, mahnt die Infektionsspezialistin. „Ab dem 1. Lebensjahr ist eine Impfung möglich“. Da es bisher keine Therapie für FSME gibt, rät die Expertin unbedingt zu einer Zeckenschutzimpfung.

Wie entfernt man Zecken richtig?

Zecken solllte man mit einer Pinzette ganz vorne, wo sie sich angesaugt haben, entfernen und dabei nicht quetschen. Achtung: Nicht mit Uhu oder Öl betäufeln – die Tiere geraten in Stress und geben so die Erreger erst recht ins Blutsystem ab.

Prognose für 2021 höher als sonst

Die Prognose für FSME-Erkrankungen liegt heuer laut Franz Rubel von der Medizinischen Universität Wien um zehn bis 20 Prozent höher als normal. Er rechnet mit etwa 160 Fällen. Grund sei eben das veränderte Freizeitverhalten durch Corona. Der Experte betont: „2020 war ein hohes Jahr, aber die Rekordjahre waren vor allem am Anfang der Aufzeichnungen, Ende der 1970er Jahre.“ Damals wurden laut Rubel rund 600 Fälle pro Jahr gemeldet. Da es besonders in Österreich zu vielen Erkrankungen kam, begann man hierzulande mit der Entwicklung des Impfstoffs. Seitdem sind die Zahlen zurückgegangen. „In den letzten Jahren stagniert die Durchimpfung der Bevölkerung, dadurch gibt es wieder einen leichten Anstieg„, sagt Rubel.

Wie schützt man sich?

Andrea Grisold: „Wenn man in den Wald geht, sollte man lange Kleidung tragen. Insekten-Repellent schützen nur kurzfristig. Nach der Gartenarbeit oder dem Wandern sollte man den Körper nach Zecken absuchen.“

Impfaktion geht bis 31. August

Die Zeckenschutz-Impfaktion in den Apotheken hat bereits im Februar begonnen und geht bis Ende August. Der Impfstoff für Erwachsene kostet 35,80 Euro, für Kinder 31,30 Euro. „Ich empfehle dringend, zu impfen. Die Saison geht teilweise bis in den November hinein“, sagt Gerhard Kobinger von der Apothekerkammer. Übrigens: Eine Corona-Impfung und Zeckenschutzimpfung könnte am selben Tag gegeben werden, aber da man die Nebenwirkungen der neuen Covid-Impfung genau dokumentieren will, ist empfohlen 14 Tage zwischen den Impfungen zu warten.

Auswirkungen des Klimawandels

Auch der Klimawandel spielt seine Rolle. Da die Temperaturen immer milder werden, finden sich Zecken inzwischen in immer höheren Lagen, also auch über 1000 Meter. Die Milbentiere sind übrigens bis zu einem Meter hoch in Gräsern zu finden, „sie fallen nicht vom Baum“, so Grisold.