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Fachkräfte: Motivation und Bereitschaft fehlen

08.04.2021 • 16:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verstärkt hat sich Bedarf  in den Bereichen Technik &amp; Produktion, Informationstechnologie und Forschung &amp; Entwicklung. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Verstärkt hat sich Bedarf in den Bereichen Technik & Produktion, Informationstechnologie und Forschung & Entwicklung. Klaus Hartinger

IV führte Fachkräfteumfrage bei 27 Betrieben durch.

Die Industriellenvereinigung hat österreichweit eine Fachkräfteumfrage durchgeführt. In Vorarlberg haben 27 Betriebe mit rund 15.000 Mitarbeitern teilgenommen.
Demnach gibt es ein zunehmendes Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt und daher eine Notwendigkeit für mehr Weiter- und Umqualifizierungen. Entscheidend dabei ist aber die Bereitschaft und Motivation der Arbeitskräfte, besagte Maßnahmen auch tatsächlich anzunehmen. Hier bestehen Defizite, die Gründe sind dabei vielfältig.

Bedarf in einigen Bereichen

„Der Fachkräftemangel war vor Corona ein Thema und wird es auch nach Corona sein, aber nicht mehr in der drastischen Form“, meint IV-Vorarlberg Präsident Martin Ohneberg. Eine erhöhte Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel sind Ohneberg zufolge kein Widerspruch. Verstärkt habe sich nochmals der Bedarf nach Fachkräften im Bereich Technik und Produktion, Informationstechnologie und Forschung und Entwicklung.

Technik und Produktion

Während 44 Prozent die Verfügbarkeit von Fachkräften im Februar gleich wie vor einem Jahr beurteilen, sagen 37 Prozent der Betriebe, dass sich die Situation verbessert habe. Trotzdem gibt fast jedes fünfte Unternehmen an, dass sich die Situation verschlechtert hat, Tendenz steigend. Verschärft haben sich laut Umfrage die Anforderungsprofile: Am gefragtesten sind Fachkräfte im Bereich Technik und Produktion (82 Prozent), Informationstechnologie (44 Prozent), Forschung und Entwicklung (37 Prozent) sowie Verkauf und Marketing (37 Prozent).

Bereitschaft und Motivation

Die Frage, was es jetzt besonders brauche, um Weiter- und Umqualifizierung von Arbeitskräften in den Unternehmen voranzutreiben, ergab für Ohneberg ein überraschendes Ergebnis. An dritter Stelle stehe der Wunsch nach zusätzlichen öffentlichen finanziellen Mitteln (37 Prozent) und an zweiter Stelle zusätzliche physische Aus- und Weiterbildungsangebote (44 Prozent). Als wichtigste Maßnahme sehen die Betriebe, dass von Arbeitskräften mehr Bereitschaft und Motivation für Weiter- und Umqualifizierungsmaßnahmen (78 Prozent) an den Tag gelegt werden müssen.

Vollkasko-Mentalität

„Wir unterschätzen oft, dass Corona neben all den negativen Auswirkungen auf alle Lebensbereiche auch auf die Motivation am Arbeitsmarkt sehr negative Auswirkungen haben kann. Diesen müssen wir nun wieder stärker begegnen, um im Aufschwung nach der Krise vorbereitet zu sein“, sagt der IV-Chef.

Es gehe dabei nicht um jene, die voller Tatendrang wieder durchstarten möchten oder jene, die während Corona besonders gefragt und engagiert waren. Es gehe vielmehr um jene, die den Freizeitaspekt beim Homeoffice zu sehr ins Zentrum stellen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt zu wenig Anreize vorfinden, um aus der Arbeitslosigkeit zu kommen und auch „jene, die die Vollkasko-Mentalität zu sehr schätzen gelernt haben“.

Frage der Fairness

Für Ohneberg sind die nächsten Monate des hoffentlich beginnenden Aufschwungs entscheidend. Das System müsse so umgebaut werden, dass wieder mehr Anreize für eine Übernahme einer neuen Erwerbstätigkeit und für Umqualifizierungen bestehen. „Auch wenn es unangenehm klingt, am Ende des Tages ist es gesamtgesellschaftlich eine Frage der Fairness, dass es sich lohnt, zu arbeiten“, betont Ohneberg.