Besser leben

Wohin mit der überflüssigen Erde?

05.04.2021 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Franz Kopf betreibt das Altacher Kieswerk neben der Deponie und kennt die Problematik. <span class="copyright">Hartinger</span>
Franz Kopf betreibt das Altacher Kieswerk neben der Deponie und kennt die Problematik. Hartinger

Erdaushub ist wirklich ungern gesehen. Nun reagiert das Land.

In Vorarlberg gibt es zu viele Bodenaushubmaterialien. Sie werden die Kapazitäten in Zukunft um bis zu 30 Prozent übersteigen, sofern nicht gegengesteuert wird. Das besagt eine von Land und Wirtschaftskammer finanzierte Studie.
Die freien Plätze werden schneller als geplant verfüllt. Die Konsequenzen könnten etwa Bauvorhaben für Schulen und damit alle Vorarlberger betreffen, mahnt die WKV. Seit 2018 engagiert sie sich in der Sache. „Die Problematik ist vielschichtig und nur gemeinsam zu lösen, weshalb wir uns freuen, dass das Thema nun auch auf landespolitischer Ebene hohe Priorität hat“, betont Lukas Fleisch von der WKV.
Die Studienverfasser schreiben: „Es werden steigende Mengen sowie massive Preissteigerungen in den nächsten Jahren erwartet.“ Die Preise fürs Deponieren im Rheintal und in Feldkirch haben sich seit 2018 verdoppelt und seit 2010 verdreifacht.
„Das Thema wird uns die nächsten Jahre verfolgen“, prophezeit auch Franz Kopf, Innungsmeister des Baunebengewerbes und Betreiber des Altacher Kieswerks in Nachbarschaft zur dortigen Deponie.
Betroffen sind unter anderem Häuslebauer, die die Zeche zahlen – zwei bis drei Prozent der Errichtungskosten seien das bei einem Einfamilienhaus inzwischen, also immerhin 20.000 bis 30.000 Euro, rechnet Fleisch vor. Eine Herausforderung für leistbares Wohnen. Ihre Interessen haben auch Anwohner, die nicht Dutzende Lkw vor ihrer Haustüre vorbeifahren hören möchten. Und Umweltschützer mit häufig eigenen Vorstellungen.

Kurzfristige Maßnahmen

Neue Deponien zu genehmigen, wird wegen Widerständen und Auflagen immer schwieriger. Das verschärft die Situation, und die Betreiber müssen mit ihren Flächen haushalten. Das wiederum wirkt sich auf den Preis aus. „Rechtlich gesehen ist Bodenaushub Abfall. Damit verbunden sind umfangreiche Dokumentations- und Prüfpflichten mit enormem bürokratischem Aufwand und hohen Strafen. Das löst viel Unsicherheit, Bürokratie und Kosten aus. Gerade für Kleinmengen gibt es zu wenige gewidmete Räume und rechtliche Erleichterungen. Hier müssen wir ansetzen“, sagt Fleisch.

Lukas Fleisch von der WKV bezeichnet das Problem als vielschichtig. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Lukas Fleisch von der WKV bezeichnet das Problem als vielschichtig. Rhomberg

Reinhard Brunner, Innungsmeister der Gärtner und Floristen, ergänzt: „Nachdem mit der Präsentation der Studie der Ball politisch aufgegriffen wurde, erwarten wir nun kurzfristige Maßnahmen zur Entspannung der Situation. Gerade kleinere Betriebe im Bereich Gartenbau, Erdbewegung und Transport haben derzeit massive Probleme, den anfallenden Bodenaushub zu deponieren. Wir brauchen rasch Lösungen für Kleinmengen.“

Lösungsmöglichkeiten

In Deponien, in denen erst Material aus den jeweiligen Steinbrüchen abgetragen oder Kies rausgebaggert werden muss, dauert es naturgemäß länger, bis neue Kapazitäten geschaffen werden können. Diese Mengen sind zwar genehmigt und statistisch verfügbar, aber eben nicht de facto.
Das Land prüft aktuell die Möglichkeit, Deponien als Public-private-Partnership zu betreiben, also ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. „Darauf wird es hinauslaufen“, prophezeit Fleisch.
„Wir wollen der Aufbereitung und Wiederverwertung, der Kreislaufwirtschaft sowie der Verringerung der Exporte und der Berücksichtigung des Natur- und Umweltschutzes besonderes Augenmerk schenken“, erläutert der zuständige Landesrat Johannes Rauch. Das klingt gut. Ob es auch gut wird?