Österreich

„Haben Virus völlig unterschätzt“

20.02.2021 • 11:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Epidemiologe Gerald Gartlehner (Donauuniversität Krems)
Epidemiologe Gerald Gartlehner (Donauuniversität Krems) APA/Herbert Neubauer

Epidemiologe Gartlehner zieht nach einem Jahr Pandemie Bilanz.

Am 25. Februar 2020 – also vor fast einem Jahr – sind in Österreich die ersten bestätigten Coronafälle aufgetreten. Es folgten beispiellose Maßnahmen-Bündel, die in drei harten Lockdowns gipfelten. Gerald Gartlehner, Epidemiologe an der Donau-Universität Krems, zog gestern in der ZiB 2 im ORF Bilanz über das erste Jahr der Corona-Pandemie und gibt offen zu: „Wir haben das Virus völlig unterschätzt. Wir haben Ende Jänner geglaubt, es sei eine lokale Epidemie. Dass es uns mit dieser Heftigkeit treffen wird, das haben glaube ich die meisten in den europäischen Ländern am Beginn unterschätzt. Auch wir haben es wahrscheinlich erst Ende Februar, Anfang März erkannt, wie heftig es werden kann, an den Bildern, die wir dann aus Italien hatten.“

Lockdown-Auswirkungen nicht untersucht

Wie steht Österreich in der Pandemie da? „Wir hätten einiges besser machen können.“ Das größte Versäumnis der Politik sieht er darin, dass die Auswirkungen von Lockdowns und Lockerungsmaßnahmen nie wirklich evaluiert wurden. Dieses Fehlen an Daten erinnert an ein Vorgehen von Versuch und Wirkung. „Mit den Impfungen haben wir die Hoffnung, dass es in naher Zukunft im nächsten Halbjahr besser wird“, so Gartlehner.

Kommt eine dritte Welle?

Zehn Tage nach der leichten Öffnung gehen die Zahlen nach oben, könnte das ein Indiz für eine dritte Welle sein? Dazu Gartlehner: „In diesen Zahlen, die wir derzeit sehen, sind auch viele Tests dabei. Wir testen derzeit sehr viel, die Österreicherinnen und Österreicher haben ihre Begeisterung für das Testen entdeckt, das könnte uns helfen.“

Urlaub? Nur mit Storno-Versicherung!

Wird es heuer einen Sommerurlaub geben? „Das ist eine wirklich schwere Frage. Ich würde wenn, dann mit einer Storno-Versicherung buchen.“