Wirtschaft

Ford setzt auf E-Autos aus Deutschland

18.02.2021 • 13:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Köln will Ford ein Zentrum für E-Autos aufbauen
In Köln will Ford ein Zentrum für E-Autos aufbauen AFP

Autokonzern Ford stellt Fertigung in Deutschland auf E-Autos um.

Ford will sein Kölner Werk für eine Milliarde Dollar (820 Millionen Euro) zu einem europäischen Zentrum für Elektroautos umbauen. Das erste batteriegetriebene Fahrzeug soll 2023 dort vom Band rollen, wie der zweitgrößte US-Autobauer am Mittwoch ankündigte. Ein weiteres E-Auto für Köln ist bereits geplant. Details sollen in den kommenden Monaten bekanntgeben werden, wie Europachef Stuart Rowley bei einer Online-Pressekonferenz sagte.

Ford will seine Pkw-Flotte in Europa bis 2026 auf Elektroautos oder Plug-in-Hybride umstellen, um die CO2-Vorgaben zu erfüllen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll das Fahrzeugangebot komplett batteriegetrieben sein. Die Nutzfahrzeugflotte soll bis 2030 zu zwei Dritteln elektrifiziert werden.

Teure E-Offensive

Der Konzern aus Dearborn nahe der US-Autostadt Detroit hat seine Elektro-Offensive trotz hoher Verluste unlängst beschleunigt und will bis 2025 rund 22 Milliarden Dollar in neue Batterieautos und Hybrid-Fahrzeuge stecken. Nach der erfolgreichen Restrukturierung des Europageschäfts in den zurückliegenden Jahren starte Ford nun in eine vollelektrische Zukunft, sagte Rowley. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere starke Dynamik in diesem Jahr in Europa fortsetzen werden.“ Am Ziel einer operativen Rendite von sechs Prozent halte der Konzern fest. Rowley sagte, für die Ertragsziele habe das Nutzfahrzeuggeschäft, in dem sich Ford in Europa in führender Position sieht, eine Schlüsselrolle.

Der deutsche Wirtschaftminister Peter Altmaier würdigte die Entscheidung für die E-Autoproduktion in Köln als Signal der Zuversicht. Ford werde wertvolle Beiträge zur klimafreundlichen Transformation der Autoindustrie leisten und damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland verankern. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sagte, die Investition sei ein Vertrauensbeweis für den Standort.

Aus für Fiesta

Der Fiesta mit Verbrennungsmotor soll in Köln zunächst parallel mit dem neuen E-Auto weiter gebaut werden. Mit der Umstellung auf elektrische Modelle sind die Tage des einstigen Bestsellers jedoch gezählt. Zu einem möglichen weiteren Personalabbau machte Ford keine Angaben.

Volkswagen und Ford hatten im Rahmen einer vor eineinhalb Jahren vereinbarten Allianz bereits Gespräche über einen Liefervertrag für die Architektur eines zweiten E-Fahrzeugs angekündigt. Der nun für 2023 beschlossene erste Wagen soll bereits auf der Architektur für das VW-Modell ID.3 gebaut werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass Ford nach einem kompakten E-Auto nach dem Vorbild des ID.3 einen Elektro-SUV bauen wird, der dem VW ID.4 entsprechen könnte. Stadtgeländewagen sind europaweit stark gefragt. An ihnen verdienen die Autobauer zudem mehr als an kleineren Autos.

Volkswagen und Ford hatten vor eineinhalb Jahren eine milliardenschwere Allianz für E-Autos und autonomes Fahren vereinbart. Der Pakt sieht vor, dass der US-Konzern den von Volkswagen entwickelten Elektrobaukasten MEB nutzt. Binnen sechs Jahren sollen nach früheren Angaben in Europa mehr als 600.000 Einheiten vom Band rollen. Den erwarteten zusätzlichen Umsatz dadurch hatten die Wolfsburger auf zehn bis 20 Milliarden Dollar beziffert. Darüber hinaus liefen damals schon Gespräche über einen Liefervertrag für ein zweites Fahrzeug. Dann könnte sich die Lieferung an MEB-Plattformen an Ford fast verdoppeln.