Österreich

Im Herzen der Hölle von Auschwitz

27.01.2021 • 16:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Selektion an der Rampe: Wer nicht arbeiten konnte, besonders alte Menschen, wurde sofort in die Gaskammer getrieben
Selektion an der Rampe: Wer nicht arbeiten konnte, besonders alte Menschen, wurde sofort in die Gaskammer getrieben akg-images / picturedesk.com

Heute ist Holocaust-Gedenktag. Auszug aus gefundenen Tagebüchern.

Es war Anfang 1943. Der Bunker war mit Juden vollgepfercht. Ein jüdischer Junge war draußen geblieben. Der Unterscharführer trat an ihn heran und wollte ihn mit einem Knüppel totschlagen. Er schlug ihn schrecklich zusammen, und Blut strömte von allen Seiten. Plötzlich erhob sich der verprügelte Junge, der schon regungslos dagelegen hatte, und schaute den grausamen Mörder mit seinen Kinderaugen schweigend an. Der Unterscharführer brach in zynisches Gelächter aus, zog den Revolver und erschoss ihn.

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Es kam vor, dass Hauptscharführer Moll vier Männer gleichzeitig in einer Reihe hintereinander aufstellte und mit einem Schuss alle durchschoss. Wer den Kopf zur Seite schob, denn stieß er lebend in die lodernde Leichengrube.

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Mütter mit Säuglingen auf den Armen gehen vorbei. Die Kinder werden unentwegt geküsst. Geduld ist dem Mutterherzen fremd. Siehe nur, da gehen in fester Umarmung die Schwestern, ohne sich voneinander zu trennen, als wären sie zu einem Ganzen verschmolzen. Sie wollen zusammen in den Tod gehen. Alle sehen die aufgereihten Offiziere an – die aber vermeiden es, ihren Opfern in die Augen zu schauen. Die Frauen bitten um nichts, flehen nicht um Erbarmen. Sie wissen, dass es sinnlos ist, diese Menschen zu bitten, dass es keinen Tropfen Mitleid oder Menschlichkeit in ihren Herzen gibt.

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Sobald wir unser neues Heim erblickten, sobald wir etwas Luft schnappten, wurden wir mit Knüppeln auf den Kopf geschlagen. Aus einem eingeschlagenen Kopf, einem aufgeschlagenen Gesicht strömt Blut. So sieht der Erstempfang der Neuankömmlinge aus. Sie sind betäubt, schauen sich verstört um, gucken, wohin sie geraten sind. Jeder überlegt, wie er sich vor Schlägen schützen kann. Man sagt uns, dies sei das Leichteste im Lagerleben. Hier herrscht eiserne Disziplin. Hier ist ein Vernichtungslager, eine Todesinsel. Man kommt hierhin nicht, um weiterzuleben, sondern nur, um den eigenen Tod zu finden – die einen früher, die anderen später. Das Leben hat sich an diesem Ort nicht eingenistet. Hier ist die Residenz des Todes.

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Unsere Arbeit bestand erstens darin, sie im Entkleidungsraum in Empfang zu nehmen. Mit Gewalt, mit Peitschen in der Hand zwangen die Deutschen die Menschen in die Kammer, sie füllten sie so, dass möglichst viele hineinpassen – danach haben sie die Tür hermetisch verschlossen. Die Gasbüchsen kamen immer mit dem Auto des Deutschen Roten Kreuzes mit zwei SS-Leuten. Das waren die Gasleute, die dann das Gas durch die Öffnungen hineingeschüttet haben. Nach einer halben Stunde öffneten wir die Türen und unsere Arbeit begann. Wir trugen die Leichen dieser Frauen und Kinder zum Aufzug, der sie in den Raum mit den Öfen beförderte, und dort steckten sie sie in die Öfen, wo sie verbrannten ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial.

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