Wirtschaft

„Eigentlich müsste ich heute zusperren…“

16.01.2021 • 15:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Winter, blaue Stunde in Schladming
Winter, blaue Stunde in Schladming Martin Huber

… aber wegen Mitarbeiter will Georg Bliem weitermachen.

Der nächste D-Day, der nächste Tag der Entscheidung naht. Und die Stimmung in Teilen der steirischen Unternehmerschaft hat vielerorts einen Tiefpunkt erreicht. Es zeichnet sich immer stärker ab, dass die Verlängerung des Lockdowns für Hotellerie und Gastronomie eine Fortsetzung findet. „Natürlich ist es unsere Hoffnung, so schnell wie möglich aufsperren zu dürfen, aber wir sind auch Realisten“, sagt Alfred Grabner, Obmann der Fachgruppe Hotellerie und Eigentümer des Sporthotels Grabner in Kapfenberg.

Wir sind die ersten, die schließen mussten und wohl die letzten, die öffnen dürfen.“ Das Infektionsgeschehen spreche leider weiterhin gegen umfassende Öffnungsschritte. Er habe das Gefühl, „dass die politischen Entscheidungsträger nach den vielen Terminen, die alle nicht gehalten haben, gar keine Idee mehr haben, was sie uns sagen sollen.“ Es sei eine „unangenehme Zeit, man kann aber nicht ewig zusperren.“ Für ihn ist klar: „Wenn Hotels nicht öffnen dürfen, brauchen wir Hilfen, der Fixkostenzuschuss alleine ist zu wenig.“ Auch der bundesweite Hotelsverband drängt auf einen Umsatz-Ersatz nach November-Vorbild. Das ständige Verschieben zehre nicht nur an den Nerven, sondern sorge auch für Existenzsorgen.

Wirte wollen nicht „Sheriffs oder Hilfspolizisten sein“

Darauf verweist auch Wirte-Obmann Klaus Friedl. Sollte sich die Öffnung nach hinten verschieben, fordere man zumindest klare Regeln. „Wir müssen wissen, wann und unter welchen Bedingungen wir aufsperren können, von der Sperrstunde über Tischbelegungen bis hin zur Maskenpflicht.“ Man hätte kein Problem damit, wenn Gäste beim Lokaleintritt eine FFP2-Maske tragen müssen, „wir sind aber keine Sheriffs oder Hilfspolizisten, es kann nicht sein, dass Wirte Coronatests kontrollieren müssen“.

Tourismusmonat Februar

1,55 Millionen Gästenächtigungen gab es in der Steiermark im Februar 2020, fast die Hälfte davon in der Region Schladming-Dachstein.

63 Prozent der Feber-Nächtigungen in der Region Schladming entfielen 2020 auf Ausländer, die Deutschen sorgten für 206.000 Nächtigungen.

„Aus Deutschland und Benelux wird niemand mehr kommen“

Für den Tourismus zeichnet sich in der Steiermark auch ungeachtet von Lockdownverlängerungen ab, dass die Wintersaison vorbei ist, noch ehe sie richtig begonnen hat. „Aus Deutschland, Benelux, Skandinavien wird in diesem Winter niemand mehr kommen, das haben wir abgeschrieben“, Georg Bliem, Boss der Planai-Gruppe, sonst daueroptimistisch, nun zusehends zerknirscht. Immerhin entfallen in seiner Region um den Dachstein fast zwei Drittel aller Februar-Nächtigungen auf Auslandsgäste. Sollten die Hotels nicht öffnen können und der Semesterferienurlaub der Österreicher ausfallen, „müsste ich eigentlich heute zusperren“, so Bliem. Wirtschaftlich sei der aktuelle Skibetrieb nicht.

Aber im Gegensatz zu Skigebieten in Westösterreich, die immer lauter übers Dichtmachen nachdenken, will Bliem weitermachen. „Ich bin ja den Mitarbeitern verpflichtet. Das wird in der Skidebatte oft übersehen. Da stehen ja Menschen dahinter und nicht nur Liftstützen.“ In der Planai-Gruppe seien aktuell 290 Mitarbeiter im Dienst, 80 in Kurzarbeit. „Wir setzen Busfahrer als Stauberater ein, die Leute vom gesperrten Dachstein am Galsterberg, die Menschen wollen ja arbeiten.“

„Es geht um Schadensbegrenzung“

Weiter im Osten des Landes, wo die Skigebiete tagesgastlastiger sind, hat man laut Seilbahnerobmann Fabrice Girardoni den Februar noch nicht abgeschrieben. „Aber auch hier geht es um Schadensbegrenzung, die meisten dürfen ja höchstens mit 50 Prozent Auslastung fahren.“ Immer mehr (Stuhleck, Veitsch, Mariazell, Kreischberg, Lachtal) setzen nunmehr auf reinen Online-Skiticketverkauf, um Mengen besser steuern zu können