Österreich

Tiroler Ort mutiert zum Fall für Behörden

15.01.2021 • 10:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tiroler Ort mutiert zum Fall für Behörden

Neue Corona-Causa: wie werden Behörden jetzt durchgreifen?

Was ist aktueller Stein des Anstoßes in Tirol?
Im Tiroler Jochberg gibt es 17 Verdachtsfälle der britischen Coronavirus-Mutation. Nun wird ermittelt, ob der Skiausbildungskurs, den die meist britischen Staatsbürger absolviert hatten, rechtens war.

Wie fielen die Tests in dem Ort Jochberg aus?
In Jochberg (Bezirk Kitzbühel) verzeichnete man mit Stand Dienstag 24 aktiv Corona-Erkrankte. Beim aktuellen PCR-Testangebot gab es regen Zustrom: 1058 der 1562 Jochberger ließen sich bis Mittwochabend bereits testen – dvon laut Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes, nur vier positiv. Die Proben werden nun von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht, um zu bestimmen, ob es sich dabei um diese Mutation handelt. Was die 17 Verdachtsfälle betrifft, sagt er: „Laborauswertungen haben ergeben, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Virusmutation B.1.1.7 handelt.“ Die finale Auswertung sei aber noch offen.

Hätten die Briten denn überhaupt in Österreich sein dürfen?
Das ist derzeit noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen: Der letzte Brite war am 18. Dezember über München nach Österreich eingereist. Wissensstand der Tiroler Behörden ist, dass sich die Personen rechtmäßig in Österreich aufhalten, zumal Briten damals noch EU-Bürger waren. Auch das Landeverbot wurde erst später ausgesprochen, ein bestehendes Einreiseverbot habe es damals noch nicht gegeben.

Warum waren die Briten wirklich in Tirol?
Der Skilehrerverband betont, dass die Betroffenen, die zwischen Oktober und Mitte Dezember einreisten, an keinem Ausbildungskurs des Verbandes teilnahmen. Die Tiroler Tageszeitung berichtet, dass die Briten, die sich mit Hauptwohnsitz in Jochberg anmeldeten, einen Vorbereitungskurs der „Ski Instructor Academy“, einer Privatfirma in Taxenbach (Salzburg), belegten. Dieser Anwärter-Kurs habe nichts mit dem Tiroler Skischulgesetz zu tun, sagt Landesamtsdirektor Herbert Forster. 40 Personen waren zwei Monate zum Nichtstun verdammt – die „Sun“ berichtet gar, dass sie in dieser Zeit durchgehend Partys gefeiert hätten. Der Jochberger Bürgermeister Günter Resch (FPÖ) weiß davon nichts, hält dieser fest.

Wie beurteilen Juristen den Fall Jochberg?
Arbeitsrechtsexperte Martin Gruber-Risak von der Universität Wien stuft das rechtliche Problem nach den bisherigen Informationen als „überschaubar“ ein. Es handle sich um Arbeitskräfte, die zum Zweck der Ausbildung und der Aussicht auf eine nachfolgende Anstellung in der Unterländer Gemeinde seien. Ähnlich hat dies das Land Tirol formuliert.

Was sagt Tirols Landeshauptmann Günther Platter zu den Ereignissen in seinem nach der Causa Ischgl ohnehin kritisierten Bundeslandes?
Es sei „entbehrlich, dass solche angeblichen Ausbildungen derzeit stattfinden“, hielt der ÖVP-Politiker fest – zudem sei es möglich, dass der Kurs als Deckmantel für andere Aktivitäten genutzt wurde. Man werde „mit aller Schärfe“ vorgehen, wenn die Umstände nicht rechtens gewesen sind. Auch eine Änderung der Gesetzeslage wird dazu vom Tiroler Landeshauptmann Günther Platter angedacht.

Wie geht es im Bezirk Kitzbühel nun weiter?
„Auch bei vereinzelten weiteren PCR-Profilen im Bezirk Kitzbühel wurden Auffälligkeiten gemeldet“, betonte Platter gestern. Deshalb sind dort 62.000 Menschen aufgerufen, sich von morgen bis Montag kostenlos testen zu lassen.