Wirtschaft

Damit Coronakrise nicht zu Müllkrise wird

17.12.2020 • 14:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Plastik-Müll
Plastik-Müll vladimirzuev – stock.adobe.com

Mehr Müll von Privathaushalten durch Corona-Beschränkungen.

Das Essen zu Hause, Homeoffice, Kurzarbeit: Die österreichischen Haushalte haben laut bisherigen Schätzungen im heurigen Corona-Jahr rund sechs Prozent mehr Müll produziert. Vor allem Verpackungsmüll, von dem schon in einem „normalen“ Jahr laut Umweltbundesamt schon 1,38 Millionen Tonnen anfallen.

Denn die Nachfrage nach Einwegprodukten bleibt hoch, weil etwa Mehrweg-Kaffeebecher aus Infektionsschutzgründen nicht befüllt werden dürfen. Gleichzeitig nehmen die Onlinebestellungen sowie deren Retouren weiter zu: Wurden in Österreich 2019 rund 33 Millionen Pakete zurückgeschickt, was 3800 Paketen in der Stunde entspricht, so werden es heuer noch viel mehr sein. So steigt der Verpackungsmüll der Haushalte um bis zu zehn Prozent.

Rekordmenge an Glas

Wegen der Gastro-Sperren haben die Österreicher vermehrt zu Hause Getränke konsumiert.

Daher wurden mehr Glasverpackungen verbraucht. Austria Glas Recycling rechnet mit einer Steigerung von 1000 Sammel-LKW-Ladungen im Vergleich zu 2019.

Zwar ist im Gewerbebereich wegen der Lockdowns und des Konjunktureinbruchs weniger Müll entsorgt worden. Die Menge an Kunststoffmüll hat insgesamt aber zugenommen.
Schon die erste Jahreshälfte war außer der Norm: Vor dem Sommer standen kurzfristig 70 Prozent der Kunststoff-Recyclinganlagen still, eine Mehrmonatsmenge lag auf Halde.

Konjunktur-Auswirkungen sind spürbar

Die Auswirkungen des Konjunktureinbruchs auf die Sammelsysteme und die stark reduzierte Nachfrage nach Recyclingrohstoffen waren und sind teilweise noch immer spürbar. „Während des ersten Lockdowns ist auch das Müllaufkommen von Altholz merkbar gestiegen“, sagt Oskar Preinig, Geschäftsführer der Kühnsdorfer Entsorgungsfirma Gojer, die jährlich rund 80.000 Tonnen Müll umschlagt. „Die Menschen haben offenbar ausgeräumt, umgebaut, alte Möbel entsorgt.“ Die Ent-Sorgung gehört übrigens ebenso wie die Ver-Sorgung in Krisenzeiten zur kritischen Infrastruktur.

Die Trenn-Moral ist ungebrochen

Immerhin: Der Zuspruch der Österreicher zur getrennten Sammlung, die hohe „Trennmoral“, ist ungebrochen. 530.000 Tonnen Verpackungen und Altpapier wurden im ersten Halbjahr – getrennt – gesammelt. Neue europäische Verordnungen sind im Kommen: In Zukunft sollen noch mehr Kunststoffe recycelt werden.

Die Jahres(müll)mengen sind noch nicht ausgezählt. Aber schon zum Halbjahr zeigt sich, dass die Sammelmenge an Leichtverpackungen und auch an Glas steigt. Die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) führt das auf einen verstärkten Konsum von zuvor eingelagerten Lebensmitteln und anschließender Entsorgung der Verpackungen zurück. Die Erfassungsmenge von Metallverpackungen geht ebenfalls nach oben: Sie steigt um mehr als fünf Prozent.

ARA-Vorstand Christoph Scharff: „Jetzt gilt es, die guten Ergebnisse der Haushaltssammlung weiter auszubauen und die Kreislaufwirtschaft in diesen schwierigen Zeiten zu stärken.“

Damit die Coronakrise nicht zur „Müllkrise“ wird.