Wirtschaft

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

03.12.2020 • 11:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Kaufhaus Österreich startete mit technischen Problemen
Das Kaufhaus Österreich startete mit technischen Problemen Screenshot

Vorgestellte Plattform „Kaufhaus Österreich“ scheint falsche Instrument.

Die Erregung auf digitalen Plattformen kommt meist geballt und ungeschönt, kennt für gewöhnlich aber kürzere Halbwertszeiten. Im Falle des „Kaufhaus Österreich“ scheint das anders zu sein. Seit die Plattform für heimische Online-Händler am Montag von der Wirtschaftsministerin und dem Wirtschaftskammer-Präsidenten präsentiert wurde, flaut die Kritik nicht ab. Im Gegenteil.

Tatsächlich ist es in diesem Fall kompliziert, ohne den rhetorischen Vorschlaghammer auszukommen. Bereits im Sommer angekündigt und mehr als 620.000 Euro teuer, fehlt der Plattform aus Nutzersicht – und damit in Wahrheit auch aus der Perspektive der Händler – nun so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Der Versuch, nach Produkten zu suchen, führt konstant in die Irre, scheint so auch gar nie vorgesehen gewesen zu sein.

Die Kategorisierung „hatscht“, ein direkter Kauf über die Plattform ist nicht möglich, optisches Anlocken scheitert durch die gelisteten – eigentlich bloß aus einer anderen Datenbank herausgefischten – Online-Shops meist schon am Fehlen eines passenden Bilds zum Shop. In Wahrheit ist das als „Meta-Plattform“ titulierte Kaufhaus heute eine Anhäufung von Links. Viel zu wenig, bei einer solchen Vorlaufzeit und solchen Kosten.

Sinnbildlich ist auch die Diskussion um das Betreiben der Plattform. Wurde bei der Präsentation am Montag noch recht deutlich die Wirtschaftskammer in diesbezüglicher Funktion präsentiert, will diese jetzt selbst nur mehr bedingt davon wissen. Gespräche über den Betrieb würden erst laufen, richtete die Kammer aus.

Digitaler Aufholbedarf in Österreichs Handel

Summa summarum bleibt festzuhalten, dass die Idee mit Sicherheit eine hehre ist, Österreichs Händlern in diesen besonders herausfordernden Zeiten unter die digitalen Arme zu greifen. Vor allem kleine und mittlere Betriebe haben noch immer Aufholbedarf. Aktuell sind, laut Zahlen des Wirtschaftsministeriums, erst 20 Prozent der österreichischen Händler im E-Commerce tätig. Andere Erhebungen gehen sogar von noch weniger gelebtem Interesse am digitalen Handel aus.

Einzig scheint die Medizin von Politik und der mit ihr besonders eng verwobenen Kammer diesmal die falsche zu sein. Geld und Aufmerksamkeit hätten heimische Händler anderswo besser brauchen können.