Österreich

Regierung diskutiert weitere Maßnahmen

13.10.2020 • 11:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Regierung diskutiert weitere Maßnahmen

Angesichts der Zahl an Neuinfektionen wird Lage in der Regierung evaluiert.

„Zusätzliche Maßnahmen werden in der Bundesregierung aktuell diskutiert. Der Fokus liegt dabei vor allem auf gezielten regionalen Maßnahmen„, hieß es am Montag aus dem Gesundheitsressort. Auf Spekulationen, welche Maßnahmen konkret verschärft werden könnten, wollte man sich nicht einlassen, hieß es. Bundesweit wurden 979 Neuerkrankungen vermeldet.

Im Kanzleramt wurde der APA bestätigt, dass man die Lage jeden Tag neu beurteile. Verwiesen wurde auch darauf, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in den vergangenen Wochen immer wieder auf schärfere Maßnahmen gedrängt habe. Sowohl im Gesundheitsministerium als auch im Kanzleramt wurde darauf hingewiesen, dass regional bereits schärfere Maßnahmen umgesetzt wurden, wie jetzt erst am Wochenende im Salzburger Tennengau.

Spekulationen und Gerüchte

Spekuliert wurde zuletzt in den Medien, dass zumindest in orangen Regionen auf der Corona-Ampel die Zehn-Personen-Beschränkung für private Feiern auf fünf Personen reduziert werden könnte und die derzeit in Vorarlberg, Tirol und Salzburg auf 22.00 Uhr vorgelegte Sperrstunde in Lokalen österreichweit kommen könnte. Außerdem könnten die Regeln für Pflegeheime verschärft und die Maskenpflicht ausgeweitet werden, berichtete die Tageszeitung „Österreich“. Diese Einzelmaßnahmen wurden von Regierungsseite aber ebenso wenig bestätigt, wie das schon in der Vorwoche aufgekommene Gerücht über verlängerte Herbstferien in den orangen Bezirken.

Bestätigt hat Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) aber bereits am vergangenen Freitag, dass er zusätzliche Maßnahmen „in der Schublade“ habe, ohne aber konkret darauf einzugehen. Dass die Behörden entsprechende Überlegungen anstellten, verteidigte er als „höchst professionell“. Einen möglicherweise bevorstehenden zweiten Lockdown schloss er jedoch de facto aus und betonte, dass dies gesetzlich nur vor einem flächendeckenden Zusammenbruch des Gesundheitssystems möglich wäre, wovon man aber „meilenweit entfernt“ sei.

979 positive Testungen am Montag

Mit insgesamt 979 positiven Testungen österreichweit innerhalb von 24 Stunden war die Zahl der Neuerkrankungen abermals bedenklich: Das ist der bisher höchste von Innen- und Gesundheitsministerium vermeldete Wert an einem Montag. 13.668 Tests wurden dabei innerhalb eines Tages ausgewertet. Vier weitere Menschen starben in Österreich mit dem Virus, womit bisher 855 Tote zu beklagen sind. Die Zahl der aktiven Fälle stieg um 358 auf 11.378 Betroffene.

Der Schnitt der täglichen Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen lag am Montag bei 1.057. Die meisten neuen positiven Tests innerhalb der vergangenen 24 Stunden gab es mit 327 in Wien, gefolgt von 170 in Nieder- und 130 in Oberösterreich. Ebenfalls dreistellig waren die Fallzahlen mit 124 in Tirol, darunter lagen sie in Vorarlberg (72 Neuinfektionen), in der Steiermark (49), in Salzburg (48), in Kärnten (30) sowie im Burgenland (29).

Bisher gab es in Österreich 56.298 positive Testergebnisse bei 1.822.931 Testungen. Am Montagvormittag galten 44.065 wieder als genesen. 561 Covid-19-Kranke befanden sich in krankenhäuslicher Behandlung, 34 mehr als am Vortag. 97 der Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt, am Sonntag waren es 96 gewesen.

Cluster in Wohnheimen

In zwei Innsbrucker Alten- und Pflegeheime haben sich Coronavirus-Cluster gebildet. Im Wohnheim Saggen waren mit Stand Montagnachmittag mehr als 60 Personen – darunter Senioren und Mitarbeiter – betroffen. Einige Testergebnisse waren noch ausständig, teilte die Stadt in einer Aussendung mit. Im Wohnheim Olympisches Dorf wurden vier Bewohner positiv auf Covid-19 getestet.

Drei Senioren des Wohnheim Saggen mussten in der Innsbrucker Klinik behandelt werden. Bisher sei es aber zu keinen dramatischen Krankheitsverläufen gekommen. Der Hauptteil der positiv Getesteten sei symptomfrei bzw. leide an leichten grippeähnlichen Symptomen.

Impfstoff-Erwartungen zu optimistisch

Mit SARS-Cov-2 und Covid-19 wird die Gesellschaft zumindest bis ins Jahr 2021 hinein leben lernen, erklärten am Montag Experten bei einer Online-Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG). Die Impfstoff-Erwartungen seien bisher deutlich zu optimistisch gewesen. Kinder sind jedenfalls keine „Virusschleudern“, wurde betont. „Die Schulinfektionsrate liegt bei 0,5 Prozent, in Kindergärten bei einem Prozent“, sagte ÖGP-Präsident Ernst Eber von der Universitäts-Kinderklinik Graz.