Österreich

Voestalpine streicht bis zu 550 Stellen

05.08.2020 • 14:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Voestalpine streicht bis zu 550 Stellen

Dass bei der Voestalpine in der Steiermark ein Mitarbeiterabbau bevorsteht, ist schon länger bekannt.

Ändert sich die trübe Lage nicht doch noch, „werden wir in Kapfenberg und Kindberg im Herbst wahrscheinlich Kapazitätsanpassungen vornehmen müssen“, betonte Voestalpine-Vorstandschef bereits im Juni im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Auch Kündigungen seien „nicht mehr ausgeschlossen“. Zahlen konnte und wollte man nicht nennen. Bis jetzt. Denn rund um die Veröffentlichung der tiefroten Quartalszahlen wurde bekannt, dass an den beiden Standorten im Herbst (September/Oktober) bis zu 550 Mitarbeiter abgebaut werden könnten. Bei Tubulars in Kindberg geht es um rund 250 der bisher 1100 Arbeitsplätze, im Aerospace-Bereich sowie im Öl- und Gasbereich in Kapfenberg um 250 bis 300 Stellen. Verhandlungen über einen Sozialplan laufen noch.

Eibensteiner sprach zuletzt von einer „zweigeteilten Steiermark“. Während im Bereich der Bahninfrastruktur, von Weichen über Schienen bis zur Signaltechnik, „eigentlich auf vollem Niveau produziert wird“ (Standorte Zeltweg und Donawitz) und auch keine Kurzarbeit in Anspruch genommen wurde und werde, sieht es im Aerospace-Werk in Kapfenberg sowie bei Voestalpine Tubulars in Kindberg, Spezialist für Nahtlosrohre für die Öl- und Gasindustrie, anders aus. „Diese Felder sind sehr stark von der Krise betroffen“, sagte Eibensteiner.

Für die Böhler Aerospace, die zuletzt 800 Mitarbeiter hatte, erwartet der Voestalpine-Chef erst frühestens Ende 2021 oder sogar erst Mitte 2022 wieder eine Erholung der Produktion auf ein Niveau wie vor der Corona-Krise. „Das wird ein sehr langer Weg sein,“ so Eibensteiner am Mittwoch Vormittag in einer Online-Pressekonferenz. „Kurzarbeit und auch alle anderen Maßnahmen, die wir gesetzt haben, sind dafür nicht das richtige Mittel“.

Die Verhandlungen über den Sozialplan sollen im September oder spätestens im Oktober abgeschlossen sein. Wie viel er kosten könnte, wollte Eibensteiner noch nicht sagen. Möglicherweise wird die vor Jahrzehnten gegründete Stahlstiftung genutzt, um Weiterqualifizierungen oder Umschulungen anzubieten.

Landesregierung: „Werden nach Kräften unterstützen“

Die Landesregierung verspricht unterdessen, die betroffenen Mitarbeiter „nach Kräften zu unterstützen“, wie Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl und Soziallandesrätin Doris Kampus betonen. Die Nachricht vom Stellenabbau sei „schmerzhaft, aber nicht überraschend“ gekommen. „Es ist bedauerlich, dass sich das Unternehmen auf Grund der Auswirkungen der Corona-Pandemie, von denen die Luftfahrtbranche besonders betroffen ist, zu diesem Schritt gezwungen sieht. Angesichts der aktuellen Situation war diese Entwicklung leider absehbar“, so Eibinger-Miedl und Kampus. „Wir tun alles, was möglich ist, um die Betroffenen zu unterstützen, sodass sie möglichst rasch wieder einen Arbeitsplatz finden“. Dazu diene auch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Land Steiermark und dem AMS. Um die sozialen Folgen abzufedern, sei überdies ein Sozialplan, den das Unternehmen angekündigt hat, dringend notwendig. Die Landesrätinnen stehen dazu mit der Unternehmensleitung und den Betriebsräten im engen Austausch, wird in einer Aussendung betont.

Darüber hinaus verweisen Kampus und Eibinger-Miedl darauf, dass das Land für die von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie Betroffenen bereits im Mai eine eigene Stiftung mit 40 Millionen Euro eingerichtet hat.