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Menschen können Haustiere anstecken

03.08.2020 • 08:58 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Menschen können Haustiere anstecken

Menschen können Hunde und Katzen anstecken. Umgekehrt eher nicht.

Haustiere wie Hunde und Katzen können von Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert werden. Diese Annahme von Wissenschaftern hat jetzt eine Studie italienischer Forscher an einer verhältnismäßig großen Zahl von Tieren bestätigt. Die Wissenschafter hatten 540 Hunde und 277 Katzen in Norditalien, vor allem in der Lombardei, untersucht.

Die Tiere lebten in Haushalten mit Corona-Patienten oder in besonders stark von Corona betroffenen Gebieten. Bei 3,4 Prozent der Hunde und 3,9 Prozent der Katzen konnten die Forscher Antikörper gegen das Virus nachweisen. Das deutet auf eine zurückliegende Infektion hin.

Die Tests auf Viren in Abstrichen aus dem Mund-, Nasen-, Rachenraum waren bei allen Tieren negativ – die Virenausscheidung endet nach zwei Wochen. Getestet wurde zwischen März und Mai 2020. Die Ergebnisse der Studie wurden im Voraus veröffentlicht und noch nicht von wissenschaftlichen Fachkollegen begutachtet.

Fälle von SARS-CoV-2 bei Katzen

  • Bei einer Katze in Belgien wurde Erbmaterial von SARS-CoV-2 nachgewiesen. Sie stammt aus einem Haushalt, in dem eine an Covid-19 erkrankte Person lebte. Eine Woche später zeigte das Tier Symptome wie Atemnot, Erbrechen und Durchfall und wurde daher untersucht. Es wurde an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lüttich untersucht, aber keine weiteren Krankheitsursachen abgeklärt. Die Katze erholte sich wieder. Die belgischen Behörden werten den Nachweis als Einzelfall und weisen darauf hin, dass die Symptome zwar auf Covid-19 hinweisen, dies aber nicht eindeutig belegt sei.
  • In Hongkong ist eine Katze positiv auf Covid-19 getestet worden. Sie zeigte keinerlei Symptome, allerdings war der Besitzer am Coronavirus erkrankt.
  • Die ersten Haustiere in den USA, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, sind nach Angaben der US-Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) zwei Katzen. Sie stammen aus Gebieten des Bundesstaates New York haben leichte Atemwegserkrankungen und sollen sich vollständig erholen. Es wird angenommen, dass sie sich bei Menschen in ihren Haushalten oder in der Nachbarschaft infiziert haben.
  • Französische Forscher haben eine Coronavirus-Infektion bei einer Katze nachgewiesen. Das Haustier aus dem Großraum Paris habe Atem- und Verdauungsbeschwerden gehabt. Die Katze habe mit einem an Covid-19 erkrankten Menschen zusammengelebt. 

Die Ergebnisse der Studie sind nach den Worten des Präsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts Greifswald, Thomas Mettenleiter, nicht überraschend. „Sie bestätigen, was wir schon wissen“, äußerte er. Es sei jedoch gut, eine Studie mit einer solchen Anzahl an Haustieren zu haben. „Es ist nicht so einfach, an Proben zu kommen.“

Der bedeutend größere Anteil der positiv getesteten Tiere stammt aus Covid-19-Haushalten. „Wir gehen davon aus, dass im Regelfall die Übertragung des Virus vom Menschen auf das Tier erfolgt“, sagte Mettenleiter. Lediglich in einer Nerzfarm in den Niederlanden sei es vielleicht umgekehrt gewesen. Aber auch dort sei der erste Eintrag in die Farm durch Menschen geschehen.

Fälle von SARS-CoV-2 bei Hunden

  • Bei zwei Hunden aus unterschiedlichen Haushalten mit SARS-CoV-2 infizierten Personen in Hongkong wurde mit hochempfindlichen Nachweismethoden genetisches Material des Erregers entdeckt. Beide Hunde zeigten keine Krankheitssymptome, einer wurde nach über zweiwöchiger Quarantäne und negativem Testergebnis entlassen, der andere befindet sich noch in Quarantäne und wird weiter untersucht.
  • Ein Mops ist in den USA mit dem Coronavirus infiziert. Das Tier sei der erste Hund in den Vereinigten Staaten, bei dem die Atemwegserkrankung Covid-19 diagnostiziert wurde, wie die American Humane Society mitteilt. Der Hund habe sich offenbar bei der Mutter, dem Vater oder dem Sohn im Haushalt angesteckt, die alle positiv auf das Virus getestet wurden.
  • Der erste Hund, bei dem in den USA eine Coronavirus-Infektion bestätigt wurde, ist am 11. Juli eingeschläfert worden. Buddy war im April erkrankt – etwa zur gleichen Zeit, als sich sein Herrchen Robert Mahoney von einer Covid-19-Erkrankung erholte. Der Schäferhund hatte eine verstopfte Nase und Schwierigkeiten zu atmen. Tierärzte fanden später zudem heraus, dass der Hund an Krebs erkrankt war. Das führt zu der Frage, ob Tiere – wie Menschen – mit Vorerkrankungen anfälliger für das Virus sind.

Die Studie bestätige die bisherige Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts, dass Hunde oder Katzen bisher keine Rolle bei der Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus spielen. Ausschlaggebend sei die Übertragung von Mensch zu Mensch. Der Kontakt gesunder Menschen zu Haustieren muss aus derzeitiger Sicht des FLI nicht eingeschränkt werden. Infizierte Menschen sollten den Kontakt zu Haustieren meiden. Auch wenn sich Haustiere infizieren, bedeutet das laut FLI nicht automatisch, dass sich das Virus in den Tieren vermehren kann und von ihnen auch wieder ausgeschieden wird, etwa mit Nasensekret, Hustenauswurf oder Kot.

Dafür, dass Tiere an einer Corona-Infektion sterben, gibt es Mettenleiter zufolge bisher keinen Nachweis. Auch in der italienischen Studie waren nur lebendige Tiere untersucht worden. In den USA sei ein vor kurzem positiv getesteter Hund gestorben, der aber auch noch an Krebs erkrankt war.

SARS-CoV-2 bei Raubkatzen

  • Im Bronx Zoo in New York sind fünf Tiger und drei Löwen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Sie sollen sich bei einem Pfleger angesteckt haben, der keine Symptome zeigte. Allen acht Großkatzen gehe es gut. Sie verhielten sich normal und bei denjenigen, die gehustet hätten, habe sich das schon deutlich reduziert. 

Laut Friedrich-Loeffler-Instituts gibt bisher keine Hinweise darauf, dass sich Schweine, Hühner und andere landwirtschaftliche Nutztiere mit SARS-CoV-2 infizieren können. Am Institut erfolgen derzeit Versuche mit mehreren Tierarten. Ersten Ergebnissen zufolge sind Frettchen und Flughunde für das Virus empfänglich, Hühner und Schweine jedoch nicht. Studien mit Rindern wurden erst begonnen.