Besser leben

Praktikable Quarantäne für Tourismusbetriebe

01.08.2020 • 14:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Oberösterreicher Robert Seeber steht an der Spitze der heimischen Gastronomie- und Hotelleriebetriebe: „Heuer durchtauchen“
Der Oberösterreicher Robert Seeber steht an der Spitze der heimischen Gastronomie- und Hotelleriebetriebe: „Heuer durchtauchen“ APA/JOHANNES ZINNER

WKÖ-Tourismusobmann fordert temporäre Senkung der Umsatzsteuer.

Robert Seeber (55) steht seit Juni an der Spitze der WKO-Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich – mitten in der Krise übernahm er das Steuer der Interessenvertretung der schwer gebeutelten Branche.

Der gesellige Linzer sieht sich mit seinen vier Betrieben als „Querschnitt der Branche“. Während sein Kaffeehaus „wie vor der Krise geht“, verzeichnet er im großen Promenadenhof mit 50 Mitarbeitern und bereits 440 gebuchten Weihnachtsfeiern Einbußen von 60 Prozent. „Genauso durchwachsen ist die Situation im heimischen Tourismus.“ Die Stadthotellerie sei „am Boden. Erfangen die sich in den nächsten zwei, drei Jahren nicht, zieht das eine Welle an Insolvenzen nach sich.“ Der globale Reiseverkehr werde nicht so bald anspringen: „Die extreme internationale Reisetätigkeit wird es gar nicht mehr geben.“ Das wäre das Ende des Booms der Hotellerie in der Stadt.

„Schwarze Null wäre Erfolg“

Die Maßnahmen der Regierung hätten der Branche geholfen, „durchzutauchen“, sagt Seeber, ÖVP-Mitglied des Bundesrates und im ersten Halbjahr dessen Präsident: „Eine schwarze Null wäre für mich im heurigen Jahr ein Erfolg.“ Die fehlende Planungssicherheit mache aber zu schaffen: „Das spüre ich am eigenen Körper. Ist ein Unternehmer nur mehr Passagier, , ist das für ihn psychisch sehr belastend.“

Von der Regierung erwartet er eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Herbst oder Ende 2021. Die temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer in Hotellerie und Gastronomie auf 5 Prozent soll nicht schon zu Jahresende auslaufen. Seeber schlägt dafür Ende März 2021 vor: „Du kannst am Silvestertag zu Mitternacht sowieso nicht umstellen.“

„Hochdramatische Lage“

Für Nachtclub- und Discothekenbetreiber sei die Lage „hochdramatisch“, die Politik sei gefordert: „Die können nicht das ganze Jahr null Einnahmen haben. Die Jugend braucht aber ein Ventil – besser kontrolliert im gewerblichen Bereich als unkontrolliert bei Partys“, meint Seeber, der ahnt, dass „die Geißel des Coronavirus uns auch durch den Wintertourismus begleiten wird.“ Ob es Aprés-Ski in dieser Form noch geben werde „wage ich zu bezweifeln“.

„An Cluster im Tourismus gewöhnen“

An Cluster im Tourismus werde man sich gewöhnen müssen, glaubt er: „Wenn wir bei Einzelfällen anfangen zuzusperren, gibt es die Wirtschaft nicht mehr lang.“ Diese müsse aber auch „bei Behinderungen halbwegs gut laufen“.

Seeber appelliert daher, „praktikable Quarantäne-Lösungen“ zu finden – an diesen werde bereits gearbeitet: „Wenn ein Kind eines Mitarbeiters in der Küche positiv getestet wird, müsste die ganze Küchencrew geschlossen für 14 Tage in Quarantäne gehen. Dass dann der Betrieb geschlossen wird, kann nicht sein. Das muss man anders handhaben.“

Die Teststrategie des Bundes für Hotelmitarbeiter – bis zu 65.0000 wöchentliche Tests wurden angestrebt – sei richtig. Dass sich noch wenige Mitarbeiter testen ließen, lag auch daran, dass „die Betriebe Angst hatten, ob sie geschlossen werden, wenn man jemanden finden sollte.“ Auch an der Logistik der Mitarbeitertests müsse man „noch feilen“.