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Salzburg tritt heute mit „breiter Brust“ an

14.09.2021 • 11:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Können die Salzburger auch heute jubeln?
Können die Salzburger auch heute jubeln? APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Heute startet Salzburg beim Sevilla zum dritten Mal en suite in die Gruppenphase.

Der Bruchpilot ist flügge geworden. Lange Jahre lief Red Bull Salzburg der Fußball-Champions-League erfolglos nach, nun wird die „Königsklasse“ fast schon zur Gewohnheit. Am heutigen Dienstag (18.45 Uhr/live Sky) startet man beim FC Sevilla zum dritten Mal en suite in die Gruppenphase, die Truppe von Matthias Jaissle darf mit dem erstmaligen Aufstieg in die K.o.-Phase spekulieren. Das Selbstvertrauen ist jedenfalls groß. „Wir sind in Sevilla für eine Überraschung gut“, sagte Jaissle.

Der Auftakt beim sechsfachen Rekordgewinner der Europa League bzw. des UEFA-Cups (zuletzt 2020) hat es in sich. Trainer Julen Lopetegui, der zwischen 2016 und 2018 Spaniens Nationalteam coachte, weiß, wie es geht: Der 55-Jährige führte Sevilla in den vergangenen beiden Saisonen zu den Plätzen drei und vier, dem EL-Gewinn 2020 und erreichte im Frühjahr zumindest das CL-Achtelfinale, wo man dem BVB unterlag. Sechs Treffer erzielte damals Mittelstürmer Youssef En-Nesyri, der schnelle, kraftvolle Marokkaner wird auch Salzburgs Defensive vor eine knifflige Aufgabe stellen. Dazu kommen u.a. Flügelakteur Jesus Navas, Ex-Barca-Routinier Ivan Rakitic, Neuverpflichtung Erik Lamela oder der junge Mittelfeldmann Oscar Rodriguez.

„Eine typische spanische Mannschaft, die sich über den Ballbesitz definiert. Sie haben nicht nur individuell richtig Qualität, sondern auch – angeführt vom Trainer – klare Muster; speziell offensiv, aber auch gegen den Ball“, befand Jaissle, dessen Team in Gruppe G zudem auf OSC Lille und VfL Wolfsburg trifft. „Wir müssen mit dem Ball gute Lösungen finden, um der Physis, die sie doch auch haben, möglichst aus dem Weg zu gehen.“

Dass sich um die individuelle Qualität beim einfachen spanischen Meister (1946) niemand sorgen muss, wusste auch Nicolas Seiwald. „Ein spielerisch richtig starker Gegner“, meinte der Mittelfeldakteur, mit seinen 20 Jahren sinnbildlich für das junge Jaissle-Team steht, dessen CL-Kader dank eines Altersdurchschnitts von 22,07 laut Club-Angaben der jüngste aller 32 Mannschaften ist. Das hat die Mannschaft freilich nicht davon abgehalten, in bisher zehn Saisonpflichtspielen ebenso viele Siege zu holen – zwei davon im CL-Play-off gegen Bröndby. Jaissle ist damit auf Profiebene als Trainer mit blütenweißer Weste unterwegs.

Und diese Weste droht zu platzen. „Wir kommen mit einer ganz breiten Brust nach Sevilla“, bestätigte Jaissle vor dem Abflug am Montag. „Wir haben eine super Serie gestartet, die Jungs machen das richtig gut. Ich hoffe, dass sie morgen mit dieser Unbekümmertheit, mit dieser Frechheit auf den Platz gehen.“ Für einige seiner Kicker wie Seiwald („Es ist geil“) wird es die CL-Premiere und ein klarer Rollenwechsel im Vergleich zur Liga. „Da sind wir der Favorit, machen das Spiel“, betonte Seiwald. „Auf CL-Niveau ist das schon etwas Neues. Ich habe heute schon einmal an die Jungs appelliert, dass sie mutig und mit großer Freude auftreten sollen“, meinte Jaissle.

Man könne jedenfalls „mit einem breiten Grinsen nach Sevilla fliegen und dann die Bude rocken“, wie Jaissle feststellte. Die „Bude“ ist das rund 40.000 Zuschauer fassenden Estadio Ramon Sanchez-Pizjuan, in dem Salzburg bereits 2008 gastierte. Damals unterlag man unter Co Adriaanse in der 1. UEFA-Cup-Runde auswärts 0:2, auch zuhause gab es für die „Bullen“ ein 0:2. Für Jaissle steht am Dienstag nicht zuletzt der Lernfaktor im Mittelpunkt: „Aus jeder Situation müssen sie lernen, einzeln wie als Team. Speziell auf diesem Niveau entwickeln sich Jungs weiter.“

Dass Valencias Ligapartie gegen den FC Barcelona am vergangenen Wochenende nach einem Abstellungsstreit mit der FIFA über die südamerikanischen La-Liga-Kicker verschoben wurde, darüber mache man sich „keinen Kopf. Sie werden sicher frische Beine haben, das ist uns bewusst“, sagte Jaissle, der auf die Langzeitabsenten Sekou Koita (Knie) und Albert Vallci (Achillessehne) fix verzichten, sowie um Zlatko Junuzovic bangen muss. Der Routinier fehlte am Wochenende mit einer Fersenprellung und könnt auch in Sevilla zusehen müssen.