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Djokovic rastete nach Viertelfinalsieg aus

10.06.2021 • 12:24 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Novak Djokovic übermannten die Emotionen
Novak Djokovic übermannten die Emotionen AFP

So, wie nach Sieg über Berrettini, hat man Djokovic noch nie gesehen.

Paris hat sein Traum-Halbfinale: Der 13-fache French-Open-Sieger Rafael Nadal trifft am Freitag auf den aktuellen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic. Nur ein knapper Rückstand im Ranking hinter Daniil Medwedew (ATP-2.) hat verhindert, dass es dieses Duell eventuell erst im Finale gibt. Doch es wird sich wie ein echtes Endspiel zweier „ewiger“ Tennis-Größen anfühlen. Schon zum 58. Mal stehen sich der „Djoker“ aus Serbien und der Sandplatz-König aus Mallorca gegenüber.

Djokovic führt in dieser Wertung knapp 29:28, aber Nadal hat sieben der acht Sandplatz-Begegnungen in Roland Garros für sich entschieden. Darunter auch das Vorjahrs-Finale mit 6:0,6:2,7:5 sensationell klar. Auch dieses Jahr in Rom war Nadal beim 7:5,1:6,6:3-Finalsieg der Stärkere. Sollte sich aber Djokovic durchsetzen, dann wäre er auch im Endspiel der Favorit auf seinen zweiten Roland-Garros-Titel nach 2016. Damals hatte Nadal wegen einer Handgelenksverletzung früher im Turnier aufgeben müssen.

„Die größte Herausforderung, die man haben kann“

„Das ist ein Match wie kein anderes“, meinte Djokovic am späten Mittwochabend nach seinem 6:3,6:2,6:7(5),7:5-Sieg über Matteo Berrettini (ITA). „Sind wir ehrlich, es ist die größte Herausforderung, die man haben kann, gegen Nadal auf Sand auf diesem Court zu spielen. Größer kann es nicht sein. Da gibt es besondere Anspannung und Erwartungen“, zollte Djokovic dem Spanier Tribut.

Nach dem verwandelten Matchball gegen Berrettini um 23.48 Uhr lässt der Serbe seinem Innersten freien Lauf. Unfassbar, welche Emotionen er zeigt. Djokovic reckt die Faust, stößt Urschreie aus. So hat man ihn noch nie gesehen, noch nie gehört. „Das Spiel hatte alles: Stürze, das Publikum, die Pause. Auch viel Intensität. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass ich angespannt war“, erklärte er anschließend sein Verhalten.

Apropos Publikum: Aufgrund der nächtlichen Ausgangssperre musste das Stadion um 22.45 Uhr geräumt werden – dies hatte laute Buh-Rufe der 5000 Fans zur Folge. Auch ein Grund, warum die Kritik an den heuer erstmals in Roland Garros stattfindenden Nightsessions immer lauter wird. Die Spiele würden mit 21 Uhr zu spät starten, der Platz wäre am Abend aufgrund der Temperaturen ein völlig anderer als unter Tags.

Erst zwei Niederlagen für Nadal

Und nochmals zum Duell mit Nadal: „Die Vibes sind anders, wenn man mit ihm auf den Platz geht. Aber deswegen ist unsere Rivalität auch, glaube ich, historisch für diesen Sport.“ Nadal ist und bleibt dennoch der Favorit: Nur zweimal hat er auf Pariser Sand überhaupt verloren: 2009 gegen Robin Söderling (SWE) und 2015 gegen Djokovic. Seine Bilanz steht bei unglaublichen 105 Siegen, bei erwähnten zwei Niederlagen in Roland Garros. Gegen Diego Schwartzman (ARG) gab Nadal am Mittwoch seinen ersten Satz im Turnierverlauf ab.

„Gegen ihn ist es immer eine große Herausforderung“, sagte Nadal zum Schlager gegen den Weltranglisten-Ersten. „Das ist gut, weil wir leben unseren Sport für diese Momente. Das Schlechte daran ist, es ist schwer, weil du gegen einen der Besten der Geschichte spielen musst.“

Während sich zwei der „big three“ das Gigantentreffen liefern, können zwei der „jungen Wilden“ im Schatten um ihr erstes Finale in Roland Garros kämpfen. US-Open-Finalist Alexander Zverev oder Stefanos Tsitsipas wird am Sonntag Nadal oder Djokovic fordern. Das Ranking hatte es den Youngsters ermöglicht, dass es erst im Endspiel zu einem Aufeinandertreffen mit einer der lebenden Tennis-Legenden kommt.

Thiem rutscht im Ranking ab

Einer, der diese Chance auch gehabt hätte, muss aus der Ferne zuschauen: Dominic Thiem war völlig unerwartet gleich in Runde eins am Spanier Pablo Andujar nach 2:0-Satzführung in fünf Sets gescheitert. Thiem verliert im ATP-Ranking am Montag an Boden und ist bestenfalls Fünfter. Schlägt Zverev Tsitsipas, dann überholt ihn nicht nur der Grieche, sondern auch der Deutsche und Thiem ist nicht mehr in den Top Five.

Deutschlands Tennis-Ex-Superstar Boris Becker glaubt an Zverev. „Er hat auch im Halbfinale gute Chancen“, sagte der 53-Jährige in einer Online-Medienrunde von Eurosport. Der dreifache Wimbledonsieger erwartet ein sehr enges Spiel. „Ich würde das Match als 50:50 sehen. Am Ende wird, denke ich, die Tagesform entscheiden“, meinte Becker. Er sieht Zverev und Tsitsipas „auch über die nächsten Jahre um die Krone streiten“.

Für Nadal geht es um den Grand-Slam-Rekord

Doch das Hauptaugenmerk gilt am Freitag dem Klassiker Nadal-Djokovic. Für Nadal geht es ja auch darum, in seinem 14. French-Open-Halbfinale zum 14. Mal das Endspiel zu erreichen. Anders gesagt: Jedes Mal, wenn Nadal im Semifinale im Bois de Boulogne gestanden ist, holte er danach den Titel. Gelingen ihm noch zwei Siege, dann hat er den alleinigen Grand-Slam-Rekord bei den Männern mit 21 Major-Triumphen inne. Roger Federer, der nach seinem Drittrundensieg im Hinblick auf die Rasensaison sein Turnier vorzeitig beendet hatte, hält bei 20 Grand-Slam-Siegen. Djokovic möchte mit seinem 19. Titel an das Duo anschließen.

Sowohl Zverev als auch Tsitsipas haben noch keinen Major-Titel. Während es bei den Frauen dieses Jahr sicher ein neues Siegergesicht geben wird, scheint dies bei den Männern – vorerst – noch nicht so wahrscheinlich. Aber diese Außenseiterposition des 22-jährigen Tsitsipas und des 24-jährigen Zverev nimmt ihnen zumindest viel Druck.