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Pöltl: „Spiele nicht für das Rampenlicht“

19.05.2021 • 18:01 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jakob Pöltl überragt in dieser Saison viele seiner Gegenspieler und befindet sich mitten in seinem stärksten Jahr
Jakob Pöltl überragt in dieser Saison viele seiner Gegenspieler und befindet sich mitten in seinem stärksten Jahr NBAE via Getty Images

Österreichs einziger NBA-Akteur Jakob Pöltl spielt stärkste Saison.

„Bescheidenheit ist der Anfang der Vernunft“, meinte Ludwig Anzengruber schon im 19. Jahrhundert. Dass Jakob Pöltl wie der Schriftsteller aus Wien stammt, mag Zufall sein. Österreichs Basketball-Aushängeschild verkörpert aber die Antithese des Superstars, der die Glitzer- und Glamourwelt in vollen Zügen genießt wie kein anderer. Und das trotz eines Vertrags in der besten Liga der Welt, der NBA, bis 2023, der ihm in dann insgesamt sieben NBA-Jahren ein Bruttoeinkommen von rund 31 Millionen Euro bescheren wird. Ein nettes Nebengeräusch, aber keineswegs Hauptmotiv für einen Jungen, der bis heute mit voller Leidenschaft „einfach nur Basketball spielen“ will. Zur leichteren Einordnung: 31 Millionen Euro kassieren Granden wie LeBron James oder Steph Curry in einem Jahr.

Ein Blick auf die Statistiken, die Pöltl nach Ende des Grunddurchgangs in mehreren Kategorien in den Top zehn der NBA ausweisen (siehe Info-Box), unterstreicht, wie wertvoll er in seinem ersten Jahr als Stammspieler für die San Antonio Spurs ist. Anerkannte Basketball-Experten betonen, dass der Center zu einem der meistunterschätzten Spielern der gesamten Liga gehört. Vor allem die Defensive der Texaner erhält mit dem 2,13 Meter großen Hünen, der unter dem Korb seine Stärken perfekt zur Geltung bringen kann, Stabilität.Ich spiele nicht für das Rampenlicht. Dem Erfolg des Teams ordne ich alles unter“, sagt der 2016 als Nummer neun von den Toronto Raptors Gedraftete und 2018 zu den Spurs Getradete. San Antonio passt vom Profil ideal zum Wiener. Im Gegensatz zu Teams wie den Brooklyn Nets, die für den kurzfristigen Erfolg die besten Spieler zusammenkaufen, setzt der fünffache NBA-Champion auf konsequenten Aufbau, Nachhaltigkeit und Team-Basketball.

Die eindrucksvollen Statistiken von Jakob Pöltl im NBA-Grunddurchgang

  • 8,6 Punkte pro Spiel steuerte Jakob Pöltl in dieser Saison für die San Antonio Spurs bei. Das sind um 1,7 Zähler mehr als sein bisheriger Rekord.
  • 26:42 Minuten stand Pöltl im Schnitt pro Partie am Feld. Bislang stand sein Rekord bei 18:36 Minuten. 
  • 1,8 Blocks gelangen Pöltl im Schnitt pro Partie. Damit gibt es nur fünf NBA-Spieler mit einem höheren Wert.
  • 61,6 Prozent seiner Würfe versenkte Pöltl im Korb. Das bedeutet Rang sieben für Pöltl in der NBA. LeBron James traf etwa nur 51,3 Prozent. 
  • 7,9 Rebounds pro Partie bedeuten Rang 22 in der NBA. 3,2 offensive Rebounds im Schnitt weisen Pöltl sogar auf Platz sieben über die gesamte Saison aus. 

Pöltl bringt sich im familiären Ambiente auch in der Offensive mit mehr Aktivität und Aggressivität ein. In 15 Begegnungen schaffte er ein Double Double (jeweils mindestens zehn Punkte und Rebounds). Nach 33 Siegen und 39 Niederlagen wartet in der Nacht auf Donnerstag (1.30 Uhr, DAZN live) Teil eins des Play-in. Bei den Memphis Grizzlies muss San Antonio gewinnen, um in ein Entscheidungsspiel gegen den Verlierer der Partie Los Angeles Lakers gegen Golden State Warriors zu gehen, in dem das letzte Play-off-Ticket vergeben wird.

Es gilt, noch einmal alle Kräfte zu bündeln, damit das Saisonende noch hinausgezögert werden kann. „Der Grunddurchgang ist zwar um zehn Spiele verkürzt worden, aber wegen einer Pause aufgrund einiger Coronafälle in unserem Team hat es für uns in der zweiten Saisonhälfte fast keine Zeit zum Durchschnaufen gegeben. Vor allem für mich, dessen Spiel auf Einsatz und Energie aufbaut, war das brutal. Ich habe das schon gespürt. Deshalb waren auch einige Leistungen nicht so zufriedenstellend“, sagt Pöltl, der mittlerweile schon eine Corona-Schutzimpfung erhalten hat.Einige Teamkollegen und ich hatten das Glück, dass ein Impfstoff zur Verfügung gestanden ist. Für mich war klar, dass ich die Chance nutze. Zwar sind die Vorsichtsmaßnahmen in der NBA noch immer streng, obwohl bei 21 Teams inklusive uns schon einige Fans erlaubt sind (in San Antonio kamen im Schnitt 2433 Zuseher zu den Heimspielen, Utah Jazz begrüßte mit 3675 die meisten Fans, Anm.), aber das Leben in Texas entspannt sich zunehmend.“

Auch der Abgang von Donald Trump und die damit verbundene Amtsübernahme von Joe Biden als US-amerikanischer Präsident hat für Pöltl eine entscheidende Änderung mit sich gebracht. „Es ist um einiges ruhiger geworden. Das allein ist schon positiv.“ In aller Ruhe und Bescheidenheit wird auch die Rückennummer 25 der San Antonio Spurs weiter die Rolle genießen. Klar ist: Mit Pöltl wird Österreich noch über Jahre einen absoluten Leistungsträger in der NBA haben.