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Reaktionen auf die Super League

19.04.2021 • 18:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Fans von Arsenal waren empört
Die Fans von Arsenal waren empört AFP

Viele Regierungen sprachen sich gegen die Super League aus.

Nach dem Bekanntwerden der konkreten Pläne rund um eine Super League ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Die UEFA drohte Spielen mit dem Ausschluss von internationalen Bewerben im Kader des Nationalteams und nun auch Real Madrid, Manchester City und Chelsea mit dem Rauswurf aus der laufenden Champions League.

Hier finden Sie die ersten Reaktionen aus den europäischen Topländern im Fußball:

Deutschland

„Mit großer Erschütterung“ haben die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund auf die Gründung einer europäischen Super League reagiert. „Wir stehen in Solidarität zur UEFA und Präsident Aleksander Ceferin. Gleichzeitig unterstützen wir sämtliche angekündigten Gegen-Maßnahmen von FIFA und UEFA, aber auch der betroffenen nationalen Ligen und Verbände„, teilten DFL und DFB in einer gemeinsamen Erklärung am Montag in Frankfurt/Main mit und ergänzten: „Dass hiervon auch die Berufung deutscher, bei Super-League-Clubs unter Vertrag stehender Nationalspieler betroffen sein kann, ist uns bewusst.“

Man dürfe nicht zulassen, so die DFL als Dachorganisation der 36 deutschen Proficlubs und der DFB, dass die finanziellen Interessen einiger weniger Topvereine aus England, Italien und Spanien die Abschaffung bewährter Strukturen bewirken. „Es geht um die Zukunft des Volkssports Fußball – und um eine Weichenstellung, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, heißt es in der Stellungnahme weiter. „Es ist verantwortungslos und nicht hinnehmbar, das gewachsene Miteinander aufs Spiel zu setzen.“

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge glaubt nicht an einen wirtschaftlichen Erfolg der Super League. „Ich glaube nicht, dass die Super League die finanziellen Probleme der europäischen Klubs lösen wird, die durch Corona entstanden sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Montag in einer Mitteilung. „Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt“, stellte Rummenigge klar. „Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert.“

Italien

Italiens Regierung unterstützt den nationalen (FIGC) und europäischen Verband (UEFA) gegen die Super League, wie Premierminister Mario Draghi am Montag in einer Stellungnahme betonte: „Die Regierung verfolgt die Debatte um das Fußball-Super-League-Projekt aufmerksam und unterstützt nachdrücklich die Positionen der italienischen und europäischen Fußballbehörden zur Wahrung nationaler Bewerbe, der meritokratischen Werte und sozialen Funktion des Sports.“

Spanien

Die spanische Liga verurteilte das Projekt „aufs Schärfste“. Das Vorhaben sei elitär und egoistisch und werde „die Reichen noch reicher machen“. Zahlreiche Vereine kritisierten das Vorhaben, darunter Valencia CF, Europa-League-Halbfinalist Villarreal und Betis Sevilla. Und die TV-Stationen werden ihre Verträge mit der UEFA und den nationalen Ligen nicht brechen, versicherte das spanische Medienunternehmen Mediapro der Nachrichtenagentur Reuters. Laut dessen Chef Jaume Roures werde der neue Bewerb keinen Erfolg haben. „Internationale TV-Sender haben Verträge (mit der UEFA) bis 2024, niemand wird diese Verträge nun brechen. Das einzige, was der jetzige Schritt (der Super-League-Gründung, Anm.) bewirkt, ist Unbehagen“, betonte Mediapro-Boss Roures. „Es (die Super League, Anm.) wird nicht gelingen. (…) Sie (die Super-League-Clubs) versuchen den größten Teil des Geldes, das auf dem Markt ist, auf 20 zu verteilen.“

Auch die spanische Regierung ist gegen die Super League und verwies auf laufende Gespräche, um eine Lösung zu finden. „Um uns eine fundierte Meinung bilden zu können, ist es glaube ich wichtig, dass wir zunächst alle Seiten hören“, sagte der Kultur- und Sportminister der linken Regierungskoalition, Manuel Rodriguez Uribes, am Montag vor Journalisten in Madrid, nachdem er bereits mit den Präsidenten der spanischen Profi-Liga und des nationalen Verbandes (RFEF) über das umstrittene Projekt gesprochen hatte. Als nächstes seien nun persönliche Gespräche mit den spanischen Super-League-Mitgliedern Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid geplant.

England

Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnete die Pläne als „schädlich“. „Wir werden uns alles genau ansehen, was wir gemeinsam mit den Fußballbehörden tun können, um sicherzustellen, dass dies (die Super League, Anm.) nicht so umgesetzt wird, wie es derzeit geplant ist“, betonte Johnson am Montag.

Der zuständige Sportminister Oliver Dowden versicherte wenige Stunden später, dass die britische Regierung die Pläne für eine europäische Super League mit allen Mitteln stoppen wolle. „Dieser Vorstoß läuft dem Geist des Spiels zuwider“, sagte Dowden im britischen Unterhaus und bezeichnete den Fußball als „eine der größten nationalen Institutionen“ des Landes, die geschützt werden müsse.

Zunächst sei es Sache der Fußball-Verbände, zu reagieren. Er habe sich daher mit Vertretern des Football Association (FA), der Premier League und der UEFA getroffen, berichtete der konservative Politiker. Es gebe robuste Regeln auf Verbandsebene und diese würden nun zu Recht in Erwägung gezogen. „Sie haben unsere volle Rückendeckung“, betonte Dowden.

Sollten die Pläne für die Super League jedoch nicht durch die Verbände zu Fall gebracht werden können, werde die Regierung handeln. „Alle Optionen sind auf dem Tisch, wir werden jede Möglichkeit ausloten“, drohte Dowden. Das könne sich beispielsweise auf Regelungen zu den Führungsstrukturen und dem Wettbewerbsrecht beziehen.

Der britische Pay-TV-Sender BT Sport, der jährlich Hunderte Millionen Pfund bezahlt, um die Champions League zu übertragen, sagte ebenfalls, das Spiel müsse geschützt werden: „BT kennt die Bedenken vieler führender Stimmen und Fans im Fußball und glaubt, dass die Bildung einer europäischen Super League die langfristige Gesundheit des Fußball in diesem Land schädigen könnte.“

Seltene Einigkeit gab es auch unter den Anhängern der englischen Top-Clubs: Die Fan-Verbände der sechs Premier-League-Clubs, die sich an einer neuen europäischen Super League beteiligen wollen, haben sich am Montag in einem gemeinsamen Statement gegen die Pläne ausgesprochen. „Trotz des Verhaltens unserer Vereine sind wir geeint in der Opposition gegen sie und werden weiterhin alles tun, was wir können, um diese Pläne gemeinsam zu stoppen“, hieß es in einer Mitteilung im Namen der Fan-Vereinigungen von Liverpool, Manchester City, Manchester United, Chelsea, Arsenal und Tottenham.