Sport

Rasenfirma boykottiert Fußball-WM 2022

13.03.2021 • 14:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen Katars werden vielerorts als sehr problematisch eingestuft.
Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen Katars werden vielerorts als sehr problematisch eingestuft. AP

6500 Tote: Rasenfirma hätte Stadien beliefern sollen, boykottiert aber.

Seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland versorgte der niederländische Rasenproduzent Hendriks Gras regelmäßig Fußball-Großereignisse, so auch die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz und jene acht Jahre später in Frankreich. Ursprünglich hätte das Unternehmen aus der südholländischen Provinz Limburg auch 2022 die neu entstehenden Stadien in Katar beliefern sollen. Daraus wird nun nichts.

Nachdem der britische Guardian vor einigen Tagen veröffentlicht hatte, dass seit der Vergabe an das Emirat vor zehn Jahren über 6500 Gastarbeiter gestorben waren, zog sich das Unternehmen zurück. Bereits zuvor gab es aufseiten von Hendriks Gras Bedenken, nachdem Verantwortliche für Vertragsverhandlungen nach Katar geflogen waren und sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten gemacht hatten. „Wir sahen, wie die Stadien dort gebaut werden“, sagte Sprecherin Gerdien Vloet gegenüber dem niederländischen Nachrichtensender 1Limburg. „Nicht alle Arbeiter trugen Schutzkleidung.“

Auch abseits der Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter gab es Ungereimtheiten mit den Veranstaltern der erstmals im Winter durchgeführten WM. „Unser Rasen hätte per Flugzeug transportiert werden sollen“, so Vloet weiter. „Das war aufgrund der hohen Kosten nicht unsere Präferenz. Die Alternative war, mit lokalen Unternehmen vor Ort das Gras wachsen zu lassen. Aber wir haben früh bemerkt, dass ihre Qualitätsstandards nicht mit unseren übereinstimmen.“

Gerdien Vloet: „Das schockte mich enorm“

Ausschlaggebender Grund für den Rückzug waren dennoch die schockierenden Zahlen zu den Todesfällen. Ein Großteil der verstorbenen Arbeiter kommt aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, zu den Philippinen und Kenia, die ebenfalls viele Gastarbeiter stellen, gibt es keine Angaben. Insgesamt sind in etwa 2,3 Millionen Arbeitsmigranten in Katar tätig, davon sollen etwa 30.000 mit dem Bau der WM-Stadien beschäftigt und 37 Todesfälle direkt darauf zurückzuführen sein.

„Wir wussten, dass es Tote während der Arbeiten gab“, sagt Vloet. „Aber wir wussten nicht, dass es über 6.500 waren. Das schockte mich enorm.“ Hendriks Gras zeigte sich zudem „sehr überrascht“, dass die FIFA nicht interveniert. Der Welt-Fußballverband äußerte sich gegenüber dem Guardian wie folgt: „Die Häufigkeit der Unfälle auf den Baustellen der FIFA-WM war bis jetzt niedrig im Vergleich zu anderen großen Bauprojekten der Welt.“

Hendriks Gras erhielt in den Sozialen Netzwerken für die Entscheidung großen Zuspruch. Bislang hat noch keine Nationalmannschaft angekündigt, die WM, zu der die Qualifikation in wenigen Tagen beginnt, boykottieren zu wollen. Der Druck von außen wächst jedoch stetig.