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Knie bei Sturz zerstört

21.12.2020 • 19:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nicole Schmidhofer
Nicole Schmidhofer (c) GEPA pictures/ Johannes Friedl

Verletzung von Schmidhofer ist weit schwerer als angenommen.

Der schreckliche Sturz von Nicole Schmidhofer in Val d’Isère hatte weit schlimmere Folgen als zunächst angenommen: Die Steirerin erlitt einen Verrenkungsbruch im linken Knie, zudem rissen alle Bänder. Aufgrund der Schwere der Verletzung wurde Schmidhofer nach Graz überstellt, wird dort intensivmedizinisch betreut.

„Ich wurde am Samstag von Professor Fink aus Hochrum kontaktiert“, erklärt Jürgen Mandl, der behandelnde Arzt von Schmidhofer in Graz, „da stand die Schwere der Verletzung bereits fest. Und der Leiter des AUVA UKH Steiermark, Standort Graz, Michael Plecko, hat zugestimmt, dass wir Nici herholen und behandeln dürfen.“ Der erste Schritt, der vollzogen wurde: „Wir haben das Kniegelenk stabilisiert, mit einem äußeren Spanner.“

Jetzt heißt es zu warten, bis die Schwellungen abgeklungen sind, dann gehen die Operationen weiter. Die Schritte: Zunächst wird der Knochen remodelliert, dann, in acht bis zehn Wochen, kann man daran gehen, den Bandapparat wieder herzustellen – dann aber nur im Team, Günter Korgruber und Johann Steinböck werden für die folgenden Operationen zugezogen. Wie es zu der schweren Verletzung kam, ist klar: „Nici ist mit rund 114 km/h in das Netz gekracht, der Impact ist enorm. Das Knie wurde dabei nach hinten und außen durchgedrückt, das kommt nicht oft vor, dabei sind alle Bänder gerissen und auch der Knochen wurde verletzt. Das große Glück war, dass es zu keinen Verletzungen der Nerven und der Gefäße gekommen ist.“

Schmidhofer: „Schmerzen waren zu Beginn furchtbar“

Nicole Schmidhofer selbst war nach der ersten OP schon wieder optimistisch und gut gestimmt. „Mir geht es sehr gut, weil ich jetzt einen Plan habe und weiß, was wir wie tun.“ Doch der Weg bis dahin war lang – und schmerzhaft. „Schon, weil der Weg bis nach Hochrum so lange gedauert hat.“ Die Verletzung sei „sehr schmerzhaft“ gewesen, kein Vergleich mit dem schon einmal erlittenen Kreuzbandriss, erzählt sie. „Zum Glück haben mir die Serviceleute im Ziel den Skischuh vom Fuß geschraubt. Weil ausziehen hätte man den wohl nicht können.“

Allerdings half das bei den Schmerzen nicht, wie Schmidhofer erklärt: „Ich kann das gar nicht beschreiben, wir haben lange verhandelt, bis der französische Arzt bereit war, ein Schmerzmittel zu spritzen. Davor haben alle gedacht, dass es wohl o.k. ist, wenn ich im Rettungsauto bin. Aber es hat so weh getan, der ganze Körper“, sagt Schmidhofer.

Die nächste Enttäuschung: „In Frankreich sagte man mir nach dem Röntgen, es sei nichts gebrochen. Aber in Innsbruck hat mich Christian Fink sehr lange im MR-Gerät gelassen. Da habe ich schon befürchtet, dass das kein gutes Zeichen ist.“ Die böse Vorahnung bewahrheitete sich, Schmidhofer wurde nach Graz verlegt, „weil das näher der Heimat ist“, wie Arzt Mandl erklärt.

Der Sturz: „Es war wie bei Copperfield“

Die Erinnerungen an den Sturz sind vage. „Ich weiß nur noch, dass ich dachte, ich habe es gut erwischt, dann war das Netz da. Im Video war es zunächst auch nicht zu sehen. Das war wie bei David Copperfield: Da fuhr die Nici, dann kam der Schnitt und die Nici war weg.“ Sie sei kopfüber nach dem ersten Netz im zweiten Netz hängen geblieben. Und genau da, gesteht sie, kam das erste und bisher einzige Mal der Gedanke ans Ende: „Da hab‘ ich mir kurz gedacht: Warum tue ich mir das mit 31 noch an…“

Sie selbst habe nur schnell versucht, zu kommunizieren, dass es ihr so weit gut gehe. „Ich hab‘ unserem Trainer gesagt, er soll nach oben funken, dass es super zum Fahren ist. Und dass er meine Mama anrufen soll, dass es mir gut geht.“ Denn, sagt Schmidhofer: „Das Gute ist, dass weder Nacken, noch Kopf, noch Wirbelsäule etwas haben. Ich habe im Moment des Unfalls nicht daran gedacht, aber mir ist klar, warum viele andere an den Sturz von Silvano Beltrametti dachten. Aber da ist bei mir alles in Ordnung. Und das Knie, das haben andere auch geschafft. Ich will jedenfalls zurückkommen, weil einen schnellen Schwung zu fahren, das ist das Größte.“