Sport

Kapitän verlässt Rapid Wien

29.07.2020 • 18:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Schwab
Stefan Schwab

Stefan Schwab ist vom gebotenem Rapid-Paket nicht überzeugt und geht.

Die Spatzen pfiffen es schon von den Dächern, doch nun ist es Gewissheit: Nach sechs Jahren ist für Stefan Schwab Schluss bei Rapid. Der bisherige Kapitän konnte sich mit dem Rekordmeister nicht über eine Verlängerung des mit Saisonende ausgelaufenen Vertrages einigen. Den 29-jährigen Mittelfeldspieler dürfte es ins Ausland zum griechischen Vizemeister PAOK Saloniki ziehen, außer das italienische Sehnsuchtsziel US Lecce steigt doch nicht ab.

Schwab bedankte sich „bei der gesamten Rapid-Familie“ für eine unvergessliche Zeit. „Es waren sechs unvergleichliche Jahre, in denen ich mich zuerst als neuer Spieler etablieren musste und es mit der Kraft der Gemeinschaft sogar bis zum Kapitän des SK Rapid geschafft habe“, sagte Schwab in einer Rapid-Aussendung. „Es war mir nie eine Aufgabe, sondern immer eine Ehre, bei Rapid zu sein und ich bin sicher, dass sich in der Zukunft unsere Wege, in welcher Form auch immer, wieder kreuzen werden.“

Schwab trug das Trikot der Grün-Weißen seit der Saison 2014/15. In 241 Pflichtspielen stehen 51 Tore und 51 Assists zu Buche, er war auch im Corona-Jahr 2020 unumstrittener Stammspieler (acht Tore/acht Vorlagen) unter Trainer Dietmar Kühbauer. Einen Titel mit Rapid holte er nicht. Die riesigen Fußstapfen des Vorgänger-Kapitäns Steffen Hofmann schienen ihm auf dem Platz manchmal zu groß, die integrative Wirkung Schwabs im Tagesgeschäft wurde in Hütteldorf aber stets gepriesen.

Sport-Geschäftsführer Zoran Barisisc verhandelte bis zuletzt vergebens. „Wir haben alles wirtschaftlich Mögliche versucht, um ihn bei Rapid zu halten und sind auch unter den aktuellen Corona-Rahmenbedingungen soweit gegangen, wie es für uns als Verein unter Maßgabe der Vernunft noch möglich war“, sagte Barisic. Schwab habe aufgrund seiner Klasse Begehrlichkeiten geweckt und sich für das beste Gesamtpaket aus seiner Sicht entschieden, meinte Barisic. „Wir akzeptieren seine Entscheidung natürlich, bedanken uns bei ihm auf das Herzlichste und werden ihn immer in Hütteldorf gerne willkommen heißen.“

Mündliche Übereinkunft

Griechische Medien berichteten von einer mündlichen Übereinkunft mit PAOK. Schwab werde demnach am Donnerstag in Saloniki erwartet, um abschließende Gespräche und einen Medizincheck zu absolvieren. Dem Jungvater soll beim griechischen Vizemeister, einem möglichen Kontrahenten Rapids in der anstehenden Champions-League-Qualifikation, ein Dreijahresvertrag zur Unterschrift vorgelegt werden.

Sein Bruder und Berater wollte dieses Szenario nicht gänzlich ausschließen. „Es ist aber auch nicht beschlossen. Wir wollen den heutigen Tag abwarten, wie sich der entwickelt“, erklärte Roland Schwab. Die Situation bei US Lecce spielt dabei eine Rolle. Schwab liegt ein Angebot von den Süditalienern vor, diese könnten bei vier Punkten Rückstand auf Genoa aber bereits am Mittwochabend in die Serie B absteigen. Holen sie zumindest zwei Zähler auf, fällt die Entscheidung über Lecces Ligazugehörigkeit erst in der letzten Serie-A-Runde am Sonntag.

Ein Wechsel des Kurzzeit-Teamspielers (1 Minute gegen Uruguay/2017) zu PAOK scheint deswegen aktuell naheliegender – und brisanter: Vor acht Jahren kam es zwischen Rapid und PAOK in der Europa-League-Qualifikation zu Ausschreitungen der beiden Fan-Lager. Seither ist der griechische Club für die Rapid-Fans, die eine Fanfreundschaft zum PAOK-Rivalen Panathinaikos Athen pflegen, ein rotes Tuch.