Politik

„Ohne FPÖ könnten wir jetzt Dänemark sein“

13.09.2021 • 18:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Herbert Kickl, jetzt FPÖ-Parteichef, bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen im März 2021.
Herbert Kickl, jetzt FPÖ-Parteichef, bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen im März 2021. (c) EXPA Pictures (EXPA/ Florian Schroetter)

Forschung sieht für diesen Unterschied auch die FPÖ verantwortlich.

Keine Masken mehr, kein Test- oder Impfnachweis, keine Covid-Maßnahmen: In Dänemark wurden mit vergangenem Freitag alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Wenn Österreich wie Dänemark eine Impfquote von mehr als 80 Prozent erreicht, könnten wir auch auf alle Einschränkungen verzichten, versprach Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kürzlich. Doch davon sind wir weit entfernt.

Mitverantwortlich dafür ist laut kurz die FPÖ, die „viele Gerüchte streut und Unsicherheit schürt“, so der Kanzler im ORF-Sommergespräch. Der Wiener Politikwissenschafter Jakob-Moritz Eber, der an der Universität Wien zu Corona forscht, bestätigt nun aus der Forschung: „Ohne ServusTV und die FPÖ könnten wir jetzt Dänemark sein“, schreibt er am Montag auf Twitter.

Die Analysen des Corona Panels zeigen: Unter den Wählerinnen und Wählern keiner Partei ist die Unterstützung für Corona-Demonstrationen so hoch, wie bei der FPÖ: 38 Prozent von ihnen finden Protest gegen Maßnahmen gut. Bei ÖVP- und Grünen-Wählern sind es jeweils nur 9 Prozent, bei Neos-Anhängern 11 Prozent und bei SPÖ-Wählern 15 Prozent.

Bei einer Auswertung im Juni war der Anteil an bereits geimpften Personen unter FPÖ-Wählerinnen und Wählern am größten. Dafür gaben insgesamt 36 Prozent von ihnen an, dass sie nicht vorhaben, sich bald impfen zu lassen.

"Ohne FPÖ könnten wir jetzt Dänemark sein"
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In der FPÖ sieht Generalsekretär Michael Schnedlitz die Verantwortung dafür bei der Impfkampagne der Regierung, die nicht auf die Gesundheit der Bevölkerung, sondern „auf den Profit der Pharmaindustrie“ schaue. „Wir spielen das Spiel nicht mit, etwas als Allheilmittel anzupreisen, obwohl es das nicht ist und nach wie vor Risken birgt“, sagt Schnedlitz auf Anfrage. Österreich solle „unabhängig von der Impfrate, es Dänemark bereits jetzt nachmachen und die unsinnigen, evidenzbefreiten Maßnahmen auch sofort abschaffen.“

Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, der im Frühling selbst so schwer an Corona erkrankte, dass er eine Woche im künstlichen Tiefschlaf auf der Intensivstation lag, sagte am Montag im Interview mit dem Standard: „Die Impfung ist sicher nicht der Gamechanger“. Dass Politiker zum Impfen aufrufen, halte er für den „absolut dümmsten Moralismus von Superintellektuellen.“

Parteichef Herbert Kickl gab im August eine Pressekonferenz, auf der er verkündete, dass er nicht vorhabe, sich impfen zu lassen, und zweifelte vergangene Woche öffentlich an der Wirksamkeit der Impfung. Geimpfte bezeichnete er als „Stealth Bomber der Infektion“ (Anm.: Tarnkappenbomber, die der Radar nicht sichten kann), weil es manchmal zu Impfdurchbrüchen kommt.

Schwere Krankheitsverläufe verhindert die Impfung aber auch, wenn es zu einer Infektion kommt: Nur 0,001 Prozent der Doppelt-Geimpften landen im Spital, wenn sie sich trotzdem infizieren.