Politik

Erfolge und Fehlschläge der WHO

30.05.2020 • 11:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erfolge und Fehlschläge der WHO

Der wichtige Geldgeber USA steigt in Streit um Anti-Corona-Kampf aus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde bereits 1948 gegründet, um Gesundheit als ein Menschenrecht durchzusetzen. Von ihren mehr als 190 Mitgliedstaaten verliert die UNO-Unterorganisation nun einen ihrer wichtigsten: die USA.

Die WHO habe es versäumt, die nötigen und geforderten Reformen umzusetzen, sagte Präsident Donald Trump. Im Streit um den Umgang mit der Corona-Pandemie hatte Trump bereits Mitte Mai mit einem dauerhaften Stopp der US-Beitragszahlungen an die WHO und einem Austritt seines Landes aus der Organisation gedroht.

Die von den USA der WHO bisher zur Verfügung gestellten Finanzmittel würden für andere globale Gesundheitsprojekte zur Verfügung gestellt, die dies verdienten.

Trump warf der WHO erneut vor, unter der Kontrolle der Regierung in Peking zu stehen, obwohl die USA ein Vielfaches der Beiträge Chinas bezahlten. Die UN-Sonderorganisation habe sich notwendigen Reformen verschlossen. Die chinesische Regierung beschuldigte der US-Präsident, die Verbreitung des Coronavirus nicht verhindert zu haben. Das habe zu der Corona-Pandemie geführt, die inzwischen mehr als 100.000 Menschen in den USA das Leben gekostet hat.

Die Verkündung des Ausstiegs durch US-Präsident Donald Trump trifft die WHO umso härter, als sie gerade im Kampf gegen die Corona-Pandemie an vorderster Front steht. Doch auch im Kampf gegen andere Krankheiten spielt die in aller Welt vertretene Organisation eine wichtige Rolle:

Aufgaben

Die WHO, deren Hauptsitz sich in Genf befindet, ist in rund 150 Ländern vertreten. Mit Kampagnen und Beratung versucht sie, die Gesundheitssysteme einzelner Länder zu verbessern. Außerdem koordiniert sie den Umgang mit Epidemien.

Finanzierung

Die Pflichtbeiträge der Mitgliedstaaten orientieren sich an ihrer Wirtschaftskraft und ihrer Bevölkerungsgröße. Doch diese Zahlungen machen nur ein Viertel des Budgets aus. Der größte Teil stammt aus freiwilligen Zahlungen von Regierungen und privaten Organisationen. Die WHO gilt als unterfinanziert.

Der Finanzrahmen 2018/2019 betrug 5,6 Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro), von denen 4,3 Milliarden Dollar freiwillig einbezahlt wurden. Die Hauptbeitragszahler waren die USA (15,9 Prozent) gefolgt von der Bill und Melinda Gates Stiftung (9,4 Prozent).

Erfolge

Die WHO trug maßgeblich dazu bei, dass mehrere schwere Krankheiten ausgerottet oder eingedämmt wurden. Nach einer groß angelegten Impfkampagne verkündete die Organisation im Mai 1980, dass die Pocken vollständig besiegt sind. 2016 waren fünf der acht Tropenkrankheiten, gegen die seit 1975 ein Forschungsprogramm läuft, so gut wie ausgerottet.

In Europa ist die Malaria seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr aufgetreten. Die Fälle von Kinderlähmung sind seit 1988 um 99 Prozent zurückgegangen. Im Dezember 2003 startete die WHO zusammen mit der Organisation UNAIDS ein ehrgeiziges Programm, um Millionen Menschen vor allem in Afrika mit Medikamenten gegen HIV/Aids zu versorgen.

Fehlschläge

Der Umgang mit dem Ebola-Ausbruch in Westafrika 2013 bis 2016 gilt als größtes Versagen der WHO. Die Organisation habe das Ausmaß unterschätzt und viel zu spät reagiert, so dass die Epidemie außer Kontrolle geriet, lautet der Vorwurf. Mehr als 11.000 Menschen starben.

Einige Jahre zuvor, bei der Schweinegrippe-Pandemie 2009, war die WHO als zu alarmistisch kritisiert worden. Die Organisation rief die höchste Alarmstufe aus, doch wenig später erwies sich das Virus H1N1 als weit weniger gefährlich als befürchtet. Die Regierungen blieben auf Millionen Impfdosen sitzen.