Österreich

Meinungsforscherin festgenommen

12.10.2021 • 10:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sabine Beinschab produzierte Umfragen für das Medienhaus "Österreich".
Sabine Beinschab produzierte Umfragen für das Medienhaus „Österreich“. Screenshot/OE24

Beinschab soll vor Hausdurchsuchung Daten gelöscht haben.

Die Meinungsforscherin Sabine Beinschab wurde offenbar festgenommen, berichten der Standard und die Presse. Sie soll kurz vor der Hausdurchsuchung die Festplatte ihres Computers gelöscht haben. Wenn das stimmt, wäre Verdunkelungsgefahr wohl der Festnahmegrund. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) will die aktuellen Entwicklungen auf Anfrage nicht kommentieren. Die Anwältin der Beschuldigten dementiert die Festnahme nicht.

Beinschab ist Gründerin des Marktforschungsinstituts „Research Affairs“, das seit vielen Jahren die Umfragen für die „Österreich“-Mediengruppe durchführt. Sie arbeitete im Meinungsforschugsunternehmen der späteren Familienministerin Sophie Karmasin, bevor sie sich selbst selbstständig machte.

Grund für die Verschwiegenheit der WKStA könnte sein, dass die Befragungen Beinschabs zur angeblichen Festplatten-Löschung noch im Gang sind und die Verdachtslage somit noch nicht abschließend geklärt ist. In diesem Fall wäre derzeit noch offen, ob Beinschab nach dem Ende ihrer Einvernahme wieder auf freien Fuß gesetzt wird.

Beschuldigt wegen Beteiligung an Untreue und Bestechlichkeit

Beinschab wird Untreue und Bestechlichkeit als Beteiligte vorgeworfen. Ihr Name taucht in Zusammenhang mit der Inseraten- und Korruptionsaffäre der ÖVP auf. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft ihr vor, Umfragen frisiert zu haben, die dann in der Tageszeitung Österreich veröffentlicht wurden. Abgerechnet haben soll sie mittels Scheinrechnungen an das Finanzministerium. So wurde etwa eine „Betrugsbekämpfungsstudie“ in Rechnung gestellt, die aber nie erschienen sein dürfte.

Die Umfragen sollen – so der Verdacht der Staatsanwälte – den Zweck gehabt haben, den Obmannwechsel in der ÖVP von Reinhold Mitterlehner zu Sebastian Kurz zu beschleunigen. So sahen die Umfragen von „Research Affair“ die ÖVP konstant unter dem Wert, den andere Umfrageergebnisse erbrachten – bis Sebastian Kurz übernahm.

Bei den Umfragen zur SPÖ verhielt es sich umgekehrt: Mit dem Obmannwechsel in der ÖVP stürzte die SPÖ laut den – womöglich von Beinschab manipulierten Daten – massiv ab. Andere Institute bestätigten diesen Trend nicht.