Kärnten

Große Lawinengefahr in Kärnten und Osttirol

03.01.2021 • 15:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In Lienz wurde nach dem Einsturz einer Halle am Sonntag aufgeräumt
In Lienz wurde nach dem Einsturz einer Halle am Sonntag aufgeräumt Brunner Images

Für einige Bereiche wurde Lawinenwarnstufe vier ausgerufen.

Die starken Schneefälle vom Samstag haben zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Laut Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) wurden von Samstag bis einschließlich Sonntagfrüh, 9 Uhr, 129 Einsätze registriert. 71 Feuerwehren rückten aus. Betroffen waren die Bezirke Villach-Land, Villach-Stadt, Feldkirchen, Klagenfurt-Land, Hermagor und Spittal.

70 Prozent der Einsätze seien auf die Auswirkungen der Niederschläge zurückzuführen. Es galt unter anderem umgestürzte Bäume von Fahrbahnen zu entfernen und Fahrzeuge, die hängen geblieben waren, zu bergen. Die Neuschneemengen machten, so Hans-Jörg Rossbacher von der LAWZ, auch Straßen teilweise unpassierbar. Im Bleiberger Hochtal fielen fast 90 Zentimeter Schnee.

Im Ortsgebiet von Bad Bleiberg kam es zu Straßensperren. Die Landesstraße L 35 wurde im Bereich Hüttendorf und Ortszentrum Bleiberg laut Lawinenalarmplan Stufe 2 gesperrt. Bürgermeister Christian Hecher gab auf seiner Facebook-Seite bekannt, dass drei Wohnhäuser evakuiert wurden und die Bewohner im Kurzentrum Vivea untergebracht wurden. Die Häuser befinden sich im Auslauf des Lawinenkegels am Nordhang des Dobratsch.

Bewohner können in Häuser zurück

Um 14 Uhr hatte die Lawinenkommission getagt. Im Anschluss wurde bekannt gegeben, dass die Lawinenwarnstufe 2 auf 1 herabgesetzt wurde. Die Landesstraße L 35 wurde um 15 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. Die Bewohner der evakuierten Häuser können wieder in diese zurückkehren. Die Lawinenwarnstufe am Dobratsch ist weiterhin erheblich. Es gilt Warnstufe 3. Die Bürger sind aufgerufen, den Nordhang zu meiden.

In Lienz ist Samstagabend eine alte Versteigerungshalle aufgrund der Schneelast eingestürzt. Laut Polizei wurde das Gebäude bis auf eine Wohnung ausschließlich als Lagerhalle genutzt. Der einzige Bewohner befand sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht im Gebäude.

Pkw teilweise verschüttet

Samstagabend kurz vor 18.30 Uhr ereignete sich auf der Felbertauernstraße, zwischen 1. und 2. Lublasstunnel, ein Lawinenabgang, bei dem die Straße komplett verschüttet wurde. Bei dem Lawinenabgang wurde ein Pkw mit einem Lenker teilverschüttet. Der Lenker wurde von Einsatzkräften der Bergrettung Matrei, die zufällig hier unterwegs waren, befreit. Es wurden keine Personen verletzt und auch der Pkw nicht beschädigt. Die Felbertauernstraße bleibt vorläufig zwischen Matrei-Hinterburg und dem Felbertauern-Südportal gesperrt.

Sieben Fahrzeuge schwer beschädigt

Die Freiwilligen Feuerwehren Villach-Perau und Maria Gail sowie die Hauptfeuerwache Villach wurden Sonntagfrüh zu einem technischen Einsatz alarmiert. Auf dem Areal eines Freizeitartikelhändlers in Villach stürzte ein Planenvordach unter der Schneelast ein. Laut Polizei wurden zumindest sieben darunter geparkte Fahrzeuge schwer beschädigt.

Baum stürzte auf Garage

In Ortschaft Serai-Gratschach in Villach stürzte Sonntagmittag eine rund 20 Meter hohe Waldkiefer auf die Garage eines Wohnhauses. Kameraden der FF Drobollach entfernten den Baum und zerschnitten ihn. „Glücklicherweise blieb ein in der Garage abgestelltes Auto unbeschädigt“, sagt Einsatzleiter Alexander Gasperschitz.

Kameraden der FF Drobollach entfernten einen umgestürzten Baum
Kameraden der FF Drobollach entfernten einen umgestürzten BaumSonstiges

Große Lawinengefahr in Osttirol und Kärnten

In Osttirol hat sich die Lage Sonntagfrüh leicht entspannt, teilt die Austria Presse Agentur mit. Die heftigen Schneefälle haben aufgehört. Für Sonntag und Montag sind keine weiteren Niederschläge vorhergesagt. Kleinere, örtliche Straßenverbindungen wie etwa in Innervillgraten konnten Sonntagfrüh wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Im südlichen Teil Osttirols bleibt vorläufig bis Montag Stufe 4 und damit große Lawinengefahr aufrecht. Am Samstag waren 60 Zentimeter und mehr Neuschnee gefallen, in allen Höhenlagen seien vermehrt kleine und mittlere trockene Lockerschneelawinen zu erwarten, so der Lawinenwarndienst.

Im Kärntner Lawinenbericht vom Sonntag wird die Lawinengefahr im Westen und Süden des Landes mit „groß“ angegeben. Der Grund dafür sind die großen Neuschneemengen und der Wind in höheren Lagen. Stufe 4 gilt für die Lienzer Dolomiten, die Kreuzeckgruppe, die Gailtaler Alpen West, die Karnischen Alpen West und für die Karnischen Alpen Mitte, sowie oberhalb der Waldgrenze in den Karnische Alpen Ost, den Karawanken West und in den Karawanken Mitte.

B 111 weiterhin gesperrt

Am Samstag musste die B 111 ins Lesachtal von Kötschach bis zur Landesgrenze für den Verkehr gesperrt werden. Kleinere Lawinen waren abgegangen. Laut Antenne Kärnten bleibt die Sperre voraussichtlich bis Sonntagabend aufrecht. Gesperrt sind auch die L6 Zwickenberger Straße im gesamten Verlauf sowie die Alpenstraße auf den Dobratsch.

Kettenpflicht für Lkw über 7,5 Tonnen gilt auf der B 100 zwischen Lurnfeld und Oberdrauburg. Schneekettenpflicht gilt auf der B 87 Weissensee Straße zwischen Hermagor und Greifenburg, dem Nassfeld, aufs Dreiländereck, den Kreuzberg und auf den Gailberg. Die B 109 Wurzenpass Straße ist in beiden Fahrtrichtungen wegen Arbeiten bis Montag 12 Uhr gesperrt.

Schnee zum Verschenken

Mit Humor nimmt Musikerin und Sängerin Melissa Naschenweng den satten Zuwachs der Schneedecke. Vor ihrer Haustüre liegt der Schnee zwei Meter hoch. „Wohin soll ich euch den Schnee schicken?“, fragt sie ihre Facebook-Freunde in einem Posting.