Österreich

Drei kleine Kinder getötet: Mutter verhaftet

18.10.2020 • 10:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Tat ereignete sich in Wien-Donaustadt
Die Tat ereignete sich in Wien-Donaustadt APA/HERBERT NEUBAUER

Die Beschuldigte wählte nach gescheitertem Suizidversuch Notruf.

Eine 31-Jährige soll in Wien-Donaustadt ihre drei kleinen Kinder getötet haben. Nach einem Suizidversuch, der laut Polizei leichte Verletzungen verursachte, meldete sich die Frau über den Notruf, wo sie das Tötungsdelikt gestanden habe. Der acht Monate alte Bub, und die drei und neun Jahre alten Mädchen starben laut vorläufigen Angaben der Gerichtsmedizin durch Ersticken. Um das Leben der Ältesten kämpften Ärzte noch rund eine Stunde. Am Nachmittag sollten beide Elternteile befragt werden.

Die Mutter hatte den Notruf gegen 5.20 Uhr abgesetzt. Polizisten rasten zu dem einstöckigen Mehrparteienwohnhaus in der Nähe des Kagraner Platzes. Weil die aus Nepal stammende Frau bei ihrem Anruf angekündigt hatte, sich auch selbst töten zu wollen, sei sie zunächst von den ersten Einsatzkräften fixiert worden. „Bei einer sofortigen Durchsuchung der Wohnstätte fanden die Polizeibeamten zwei Mädchen vor, bei denen eindeutige Todeszeichen vorhanden waren. Ein drittes Mädchen wurde hospitalisiert, die Reanimation blieb jedoch erfolglos“, berichtete Polizeisprecher Paul Eidenberger. Die beiden jüngeren Kinder waren in einem Zimmer der Wohnung entdeckt worden, die ältere Schwester in einem Nebenraum.

Die Frau selbst wies laut Eidenberger Verletzungen im Handbereich auf, die nicht so schwerwiegend waren, dass sie ins Spital gebracht hätte werden müssen. Es habe sich um oberflächliche Schnitte durch ein Messer gehandelt. Ein Amtsarzt beurteilte die 31-Jährige mittlerweile als einvernahme- und haftfähig. Sie sollte im Laufe des Nachmittags unter Beiziehung eines Dolmetschs befragt werden, ebenso der getrennt von Frau und Kindern lebende Familienvater.

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Dem Vater überbrachten Ermittler die Schreckensnachricht an seinem Arbeitsplatz in einem Lokal im Bezirk Alsergrund. Er wird, ebenfalls mit Hilfe eines nepalesischen Übersetzers, als Zeuge vernommen werden, sagte Eidenberger.

Obduktion am Samstagnachmittag

In der Familie, die offenbar schon jahrelang in Österreich lebte, war es vor einigen Wochen zu einem heftigen Streit mit gegenseitiger Körperverletzung gekommen, der mit einer Wegweisung des 44-Jährigen endete. „Es wurde ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt, das mit Ende September vorbei war und nicht zu einer einstweiligen Verfügung verlängert worden ist“, was die 31-Jährige hätte beantragen können, sagte der Polizeisprecher.

Die Obduktionen der Töchter dürften am Samstagabend stattfinden. Die vorläufige Diagnose der Gerichtsmedizin lautete Tod durch Ersticken. Für die beiden jüngeren Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Die Neunjährige war von den Rettungskräften leblos vorgefunden worden, es bestand aber offenbar Hoffnung, sie wiederzubeleben. Rund eine Stunde bemühten sich die Helfer, das Kind zu reanimieren, letztlich erfolglos.

Rätselraten und Fassungslosigkeit

Eine Kerze vor der Eingangstür, eine Handvoll Medienvertreter vor dem einstöckigen Wohnbau in Wien-Donaustadt, unweit des Kagraner Platzes – nur wenig deutete gegen Samstagmittag darauf hin, dass wenige Stunden zuvor eine Mutter hier in einer Wohnung im Obergeschoß ihre drei kleinen Töchter umgebracht haben dürfte. In der Straße hier herrschte wie immer reger Verkehr, viele Autofahrer nützen sie, um den Kagraner Platz zu umgehen. Passanten gab es dagegen kaum.

Lediglich eine Frau führte mit ihrer erwachsenen Tochter ihre beiden kleinen Hunde aus. Sie wohnt in der unmittelbaren Nachbarschaft, sagte sie. Über die Mutter und ihre Kinder wusste sie nichts, sagte sie, zeigte sich aber über das Verbrechen betroffen. Welche Verzweiflung eine Frau fühlen müsse, um vermutlich ihre drei Kinder umzubringen, das fragten sich alle am Ort des Geschehens.

Die Polizei hatte ihre Arbeit am Tatort bereits beendet. Nur ein Siegel an der Wohnungstür deutete darauf hin, dass hier ein Verbrechen verübt wurde. Der Nachbar zeigte sich von den Medienvertretern im Stiegenhaus genervt. „Wir haben heute schon genug Scherereien gehabt“, meinte er und drohte, die Polizei zu rufen, falls das Stiegenhaus nicht geräumt werde.