Österreich

Wien: Mit der „Impfbim“ zur Grippeimpfung

14.09.2020 • 11:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Die Aktion soll das Gesundheitssystem in Corona-Zeiten entlasten.

In Wien startet mit Anfang Oktober eine groß angelegte Impfaktion gegen die Influenza. Rund 400.000 Dosen stehen in der Bundeshauptstadt zur Verfügung – und sie werden u.a. in Impfzentren, einer „Impfbim“ sowie im niedergelassenen Bereich kostenlos verabreicht, kündigte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Montag an. Damit will man die Impfrate gegen die saisonale Influenza verdreifachen.

Mit dem Programm will die Bundeshauptstadt die heurige
Grippewelle hintanhalten bzw. abschwächen und somit insgesamt das Gesundheitssystem vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie entlasten – noch dazu, als beide Krankheiten ähnliche Symptome aufweisen würden und schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen verursachen könnten, hieß es.

Appell zur Impfung

„Wir haben den Ehrgeiz, gemeinsam die Impfrate in Wien um das
Dreifache zu erhöhen“, sagte der Bürgermeister in einer
Pressekonferenz. Das würde eine Durchimpfungsrate von bis zu 25
Prozent bedeuten: „Lassen Sie sich bitte alle impfen“, appellierte
er an die Bevölkerung. Ziel sei, bis zu 3.000 Menschen am Tag zu
impfen.

Die Verabreichung startet mit 1. Oktober und wird auf
unterschiedlichem Wege abgewickelt. Einerseits richtet die Stadt
sieben Impfzentren mit 34 Impfstraßen in den Bezirken 2, 3, 12, 15, 18, 21 und 22 ein. Dazu kommen die vier Impfzentren der Österreichischen Gesundheitskasse (3., 7., 10. und 21. Bezirk) und
eine „Impfbim“. Dafür wird eine Straßenbahngarnitur sechs Wochen
lang jeweils eine Woche an den Stationen Karlsplatz, Schwedenplatz, Belvedere, Kennedybrücke, Westbahnhof und Schottenring als mobile Impfstation zur Verfügung stehen. Zusätzlich gibt es die Gratis-Impfung auch bei allen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die an der Aktion teilnehmen.

Philipp Saiko, Präsident der Wiener Apothekerkammer, betonte,
dass die Ärzte die Impfdosen direkt bei den Apotheken bestellen
könnten. Patientinnen und Patienten können diesmal den Impfstoff
folglich nicht selbst besorgen.

Keine langen Wartezeiten

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) erklärte das Prozedere:
All jene, die sich gegen Grippe impfen lassen wollen, können sich ab
morgen, Dienstag, über das Online-Portal www.impfservice.wien oder beim Gesundheitstelefon 1450 oder bei den teilnehmenden Ärzten einen Termin vereinbaren. Ein paar Tage vor diesem erhält man dann noch ein Erinnerungs-SMS, die Verabreichung selbst erfolgt in 15-Minuten-Slots „und das Thema ist erledigt“, freute sich der Ressortchef über die unkomplizierte Abwicklung. Stundenlange Wartezeiten hätten damit ein Ende, versprach er.

Als Zielgruppen hat die Stadt vor allem ältere und chronisch
kranke Personen, medizinisches Personal und Kinder im Visier. Für
letztere, die das Virus besonders stark verbreiten, gibt es eine
Alternative zur Nadel in Form eines Nasensprays, der ab dem zweiten Lebensjahr angewendet werden kann und ab Mitte November verfügbar sein wird. In der herkömmlichen Spritzenvariante ist eine Impfung schon ab dem sechsten Lebensmonat möglich. In Kindergärten und Schulen wird übrigens nicht geimpft. Für Senioren in Pflegeeinrichtungen oder medizinisches Personal werden mobile Impfteams direkt zu den Standorten geschickt.

Prinzipiell gilt laut Hacker das „First come, first serve“-Prinzip, wobei die Stadt eher nicht davon ausgeht, dass die Nachfrage höher sein wird als die verfügbaren Dosen. Denn eine Verdreifachung der Impfrate sei wirklich äußerst ambitioniert.

Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres berichtete, vor einigen
Jahren selbst die Influenza durchgemacht zu haben: „Glauben Sie mir, seither lasse ich mich regelmäßig impfen.“ Man schütze damit ja nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen vor einer
Ansteckung. Vize-Kammerchef Johannes Steinhart sagte, dass pro
Saison fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen und bis zu 20 Prozent der Kinder an der Grippe erkranken würden: „Impfen ist die beste Vorsorge.“

Gefragt wurde Szekeres von der APA heute auch zur – noch
ausständigen – Grippe-Impfstrategie des Bundes. Er wisse, dass es bei Kindern einen Schwerpunkt geben soll, berichtete der Ärztekammer-Chef. Näheres werde demnächst gemeinsam bei einem Medientermin mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vorgestellt.