Österreich

Laudamotion: Keiner will schuld sein

29.05.2020 • 19:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Keine guten Aussichten für die Beschäftigten der Laudamotion in Wien
Keine guten Aussichten für die Beschäftigten der Laudamotion in Wien APA/HELMUT FOHRINGER

Ryanair besserte ihr Angebot nach. Das Gehalt sei weiter unter Armutsgrenze, kritisiert die Gewerkschaft.

Bis zuletzt haben die Mitarbeiter der Laudamotion gehofft, dass die Heimatbasis in Wien doch bestehen bleibt. Obwohl die Gewerkschaft ein Ultimatum der Ryanair am Montag auslaufen ließ und die irische Laudamotion-Mutter daraufhin das Ende des Standorts in Wien angekündigt hat, wurde noch bis in die Nacht auf Freitag weiterverhandelt. Und tatsächlich: Der als mehr als sparsam bekannte Ryanair-Chef Michael O’Leary hat seine Zustimmung zu einem höheren Angebot gegeben.

Formal bleibt das von der Gewerkschaft kritisierte geringe monatliche Fixum. Doch sollte ein Kabinen-Mitarbeiter durch die variablen Gehaltsbestandteile nicht über 19.200 Euro kommen, wird der Fehlbetrag nachgezahlt. Das entspräche einem Monatsgehalt von brutto 1600 Euro, rechnet die Ryanair vor.

Schichtdienst mit Verantwortung

Der Gewerkschaft war das nicht genug. Netto liege das Einkommen damit weiterhin unter der Armutsgrenze von 1300 Euro im Monat, betont Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrsgewerkschaft Vida. „Wir reden hier von einem Schichtdienst mit Verantwortung für Menschenleben“, begründet er die Gewerkschaftslinie. 300 Euro mehr Fixgehalt bei den Flugbegleitern, 500 Euro mehr für Co-Piloten war das Gegenangebot der Arbeitnehmervertreter. Am Ende gab es keine Einigung, die Vida betont aber, weiter verhandeln zu wollen.

Das bedeutet das Aus für die Basis Wien. 300 Menschen verlieren ihren Job. Das Management ging sogar soweit, ein Machtwort von Bundeskanzler Sebastian Kurz zu fordern. Die Gewerkschaft wolle hier die unliebsame Konkurrenz für die AUA aus dem Weg schaffen, lautet der latente Vorwurf an die Vida.

Lange Kündigungsfristen für Piloten

Darüber hinaus sind es die vor allem die besser bezahlten Piloten, welche die Vida scharf kritisieren. Zwei Vertreter aus dem Cockpit saßen auch am Verhandlungstisch. Vor allem das Erscheinen zweier Betriebsräte der Level und der AUA würden laut den beiden Piloten die Theorie untermauern, dass die AUA geschützt werden solle. Hier relativiert Hebenstreit. Es handle sich um Mitglieder des Fachbereichsvorstands in der Vida. „Die sind demokratisch gewählt und sitzen auch bei den Gehaltsverhandlungen mit anderen Airlines am Tisch.“

Ein Hauptkritikpunkt der Piloten ist auch die aktuelle Jobsituation. Durch die Coronakrise gäbe es für das Flugpersonal derzeit kaum Jobperspektiven. Wobei gerade die Piloten dank längerer Kündigungsfristen bessergestellt sind als die Flugbegleiter. Das könnte noch zum Problem werden, erklärt Jan Gruber vom Luftfahrt-Portal austrianaviation.net: „Es ist fraglich, ob O’Leary Piloten wirklich mehrer Monate fürs Nicht-Fliegen bezahlen wird. Der Konkurs wäre für die Ryanair billiger.“