Wiener Festwochen gehen in die zweite Runde

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Wiener Festwochen gehen in die zweite Runde

„Wir haben Verantwortung übernommen und sind Risiken eingegangen. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun in den zweiten Teil dieser Wiener Festwochen starten, die ja diesmal Festmonate sind.“ Intendant Christophe Slagmuylder zeigte sich am Freitag erleichtert, dass es trotz Corona möglich gewesen sei, bisher 20 Projekte durchzuführen und gab Einblick ins kommenden Programm, das am Dienstag mit Phia Ménards Triptychon: „La Trilogie des Contes Immoraux (pour Europe)“ startet.

Die französische Performerin und Regisseurin ist sich sichtlich erfreut, das über fünf Jahre konzipierte Projekt nun endlich in Wien zur Aufführung bringen zu können. Dabei handle es sich um eine „mythologische Erzählung, philosophische Allegorie und politische Fabel, die die fragwürdigen Fundamente des geeinten Europas exponiert“, wie sie erläuterte. An jeweils drei Abenden (24. bis 26. August) sind alle drei Teile – beginnend mit „Mutterhaus“ über „Vatertempel“ hin zu „Die verbotene Begegnung“ – ihrer „Unmoralischen Erzählungen“ in der Halle E im Museumsquartier zu erleben, wobei „Maison Mère“ bereits 2019 bei den Festwochen zu Gast war.

Als weiteres Highlight präsentierte Slagmuylder mit Michikazu Matsunes „Mitsouko & Mitsuko“ (25. bis 28. August im Kasino am Schwarzenbergplatz) eine von zwei noch anstehenden Uraufführungen: Der in Wien lebende Japaner widmet sich darin einerseits der Romanfigur Mitsouko Yorisaka, die sich vor dem Hintergrund des Russisch-Japanischen Krieges 1904/05 in einen britischen Marineoffizier verliebte sowie Mitsuko Coudenhove-Kalergi, deren Sohn 1922 die Paneuropa-Union – die älteste europäische Einigungsbewegung – gründete. Damit wolle er einen „Bogen zwischen Geschichte und Fiktion, zwischen individuellen Biografien und der Konstruktion von kulturellen Identitäten schaffen“, wie er sagte. „Und über allem schwebt Mitsouko – ein 1919 lanciertes Parfüm“, lachte der Künstler.

Besonders ans Herz legte Slagmuylder dem Publikum die beiden Neuentdeckungen Gabriela Carneiro da Cunha, deren „Altamira 2042“ sich der Umweltzerstörung im Amazonas widmet (25. bis 31. August in der Halle G) und Koleka Putuma. Mit „Hullo, Bu-bye, Koko, Come In“ reflektiert die südafrikanische Autorin ihre Position als Schwarze Künstlerin in Weißen Institutionen (3. bis 5. September im brut nordwest). Das Nature Theater of Oklahoma zeigt mit „Burt Turrido“ eine „Country und Western-Oper“ im Theater Akzent (26. bis 30. August), der aufstrebende britische Regisseur Alexander Zeldin widmet sich mit „Love“ einer weiteren Arbeit aus seiner „Trilogie der Ungleichheiten“: Im Jugendstiltheater am Steinhof untersucht er eine „fragile Gemeinschaft, die verschiedenen widrigen Umständen trotzt und stabiler ist als gedacht“(2. bis 8. September). Eine allerletzte Uraufführung im Rahmen der diesjährigen Festwochen bringen schließlich Tim Etchells von Forced Entertainment und die Violinistin Aisha Orazbayeva von 23. bis 25. September mit „Heartbreaking Final“ ins Jugendstiltheater am Steinhof.

Im 70. Jahr ihres Bestehens widmen sich die Festwochen schließlich auch der direkten Begegnung zwischen Kunstschaffenden und dem Publikum, um nichts weniger als die „Zukunft des Festivals“ im Rahmen eines Labors zu verhandeln. Unter dem Titel „MITTEN“ im brut nordwest finden unter dem Titel „Predictably Unpredictable“ tagsüber von 9. bis 12. September zahlreiche Lectures und Diskussionen statt, abends stehen ab 8. September Keynotes, Performances und Musik auf dem Programm.

Auch wenn der zweite Teil der Festwochen nun in die späten Sommerferien fällt und parallel zur beginnenden Theatersaison läuft, zeigte sich Slagmuylder gegenüber der APA optimistisch, genügend Publikum anzusprechen. „Es war mir wichtig, all das, was wir teilweise schon für das Vorjahr geplant hatten, nun endlich zeigen zu können. Das bin ich auch den Künstlerinnen und Künstlers schuldig. Ich hoffe auf gute Wochen!“