Tiroler „Sprachsalz“-Literaturfestival heuer erneut online

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Tiroler "Sprachsalz"-Literaturfestival heuer erneut online

Das Tiroler Literaturfestival „Sprachsalz“, das normalerweise in Hall über die Bühne geht, findet vom 10. bis 12. September nach 2020 bereits zum zweiten Mal rein digital statt. Diese durch Corona bedingte Entscheidung sieht man im Sprachsalz-Team aber nicht nur vorrangig pragmatisch, sondern auch als Anlass sich mit den Möglichkeiten des digitalen Raumes auseinanderzusetzen.

Nicht nur Erfahrung auf strikt technischer Ebene hat das Sprachsalz-Team durch das Digital-Format gemacht. Auch ein wenig ins Träumen ist man dadurch gekommen. „Ein Hybridfestival, also eine Mischung aus analog und digital, wäre für 2022 natürlich das höchste der Gefühle“, sagte Magdalena Kauz, die beim Festival für Programmierung und Organisation zuständig ist, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Hall.

Bereits 2020 hat man durch das neue und ungewohnte Digital-Setting des Festivals jedenfalls definitiv neue Publikumsschichten ansprechen können. „Wir hatten insgesamt weit über 8.000 Zuschauer“, betonte Sprachsalz-Mastermind Heinz D. Heisl. Zudem habe man auch Autoren gewinnen können, die sonst wohl nicht nach Hall gekommen wären, merkte er an. „Literaturfans aus ganz Europa haben außerdem uns und Hall entdeckt“, fügte Kauz in diesem Kontext noch hinzu.

Auf dieser Publikumsbasis und den verfestigten digitalen Kenntnissen des Festival-Teams will man heuer aufbauen. „Wir wissen mittlerweile sehr viel über den richtigen Winkel der Kamera, Mikrofone und wie der Autor am besten wirkt“, strich Heisl beispielsweise heraus. „Wir wollen auch die technischen Möglichkeiten vom Online-Format, etwa die Integration von Bildern in die Lesungen, voll nutzen“, erwähnte Boris Schön, ebenfalls Teil des Organisations-Teams, ergänzend.

Noch einen weiteren Vorteil des Online-Festivals sahen die Festival-Akteure einhellig. „Einige Autoren sind einfach sonst menschenscheu und bevorzugen dieses Format“, meinte Kauz ein wenig scherzhaft. Auch die große geografische Distanz werde dadurch aufgelöst, so Kauz. So konnte man heuer beispielsweise, ganz egal ob menschenscheu oder nicht oder wie und wo beheimatet, Autorinnen und Autoren wie die New Yorkerin Jenny Offill, Michael Chabon aus Berkeley, die Japanerin Yōko Ogawa, den US-Amerikaner Scott McClanahan oder den Norweger Jon Fosse für eine Teilnahme am Festival gewinnen.

Trotz aller genannten Möglichkeiten und Vorteile des Digitalen wünscht man sich für 2022 aber dennoch wieder ein analoges Zusammentreffen von Autoren und Literaturbegeisterten. „Danach sehnen wir uns alle“, betonte Elias Schneitter, bei Sprachsalz zuständig für Finanzen und Organisation. Zudem wolle man sich für 2022, jenseits der Frage ob digital, analog oder doch hybrid, zum 20-Jahres-Jubiläum etwas besonders einfallen lassen, sagte Kauz verheißungsvoll.