Szenisch minimale „Tosca“ mit Jonas Kaufmann in Graz

23.08.2021 • 08:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Szenisch minimale "Tosca" mit Jonas Kaufmann in Graz

Mit Jonas Kaufmann, Kristine Opolais und Ludovic Tezier hat am Sonntagabend eine luxuriös besetzte „Tosca“ in den Kasematten des Grazer Schoßbergs Premiere gehabt. Die Aufführung war szenisch nur angedeutet, trotzdem konnte der Opernkrimi dank der hervorragenden Sänger und der Sängerin seine Wirkung entfalten. Die Fans des Startenors jubelten, das Orchester bestehend aus Mitgliedern der Grazer Philharmonikern zeigte unter Marcus Merkels Stabführung eine solide Leistung.

Jonas Kaufmann war schon mehrere Male mit Liederabenden im Musikverein zu Gast gewesen, in einer Oper konnte man ihn in Graz erstmals erleben. Eigentlich hätte Sir Bryn Terfel seinen Gegenspieler Scarpia geben sollen, doch dieser erkrankte und sang nur die Generalprobe. Dass Ludovic Tezier einsprang, war ein Glücksfall, ist der Bariton doch derzeit sicher einer der allerbesten – und gefragtesten – weltweit.

Da die Bühne fast vollständig vom Orchester eingenommen wurde, blieb zum Spielen nur ein schmaler Streifen davor, es ging trotzdem weit über eine rein konzertante Aufführung hinaus. Das lag nicht zuletzt an der ungebremsten Spielfreude von Kaufmann, der sich im Rahmen der Möglichkeiten bemühte, der Figur des Cavaradossi Profil zu verleihen. Dabei genügt es schon, wenn er nur da ist, um viele der Zuschauer zu entzücken – wenn er dann auch noch „E lucevan le stelle“ wiederholt, kennt die Begeisterung kaum Grenzen.

Kristine Opolais konnte als dramatische, stimmsichere Tosca mithalten, ihre Stimme neigt weniger zu Lieblichkeit als zu großer Durchschlagskraft, was in diesem Raum auf jeden Fall ein Vorteil war. Der Scarpia von Tezier ist kein grober, düsterer Bösewicht, eher der perfide, intellektuell gefährliche Machtmensch mit makellos strömenden Bariton. Markus Butter, Daeho Kim und Martin Fournier ergänzten zum Teil in mehreren Rollen das prominente Trio.