ORF-Stiftungsrat bestellte zentrale und Landesdirektoren

16.09.2021 • 14:35 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
ORF-Stiftungsrat bestellte zentrale und Landesdirektoren

Der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat hat am Donnerstag die vier zentralen und neun ORF-Landesdirektorinnen und Direktoren bestellt. Unter dem designierten ORF-Generaldirektor Roland Weißmann wird ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer Finanzdirektorin, ORF III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher Radiodirektorin, Puls 4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz Programmdirektorin und GIS-Chef Harald Kräuter zum Technikdirektor. Alle fünfjährigen Funktionsperioden beginnen am 1. Jänner.

Die vier zentralen Direktoren kamen auf 32 von 35 Stimmen. Das entspricht über 90 Prozent Zustimmung. Dabei gab es keine Gegenstimme, nur drei Enthaltungen aus dem FPÖ-Freundeskreis. Damit stimmten weit mehr Stiftungsräte für das Personalpaket als im August für Weißmann. Er kam mit türkis-grüner Unterstützung auf 24 von 35 Stimmen, wobei ihm auch mehrere Unabhängige und Stiftungsratsvorsitzender Norbert Steger ihre Stimme gaben.

Weißmann betonte bei einer Pressekonferenz, dass er sein Team „selbst ausgewählt“ habe, es sei ihm nicht von Parteien diktiert worden. Entscheidend seien Professionalität und fachliche Kompetenz, Erfahrung in verschiedenen Bereichen des Hauses sowie die große Teamfähigkeit und Führungskompetenz jeder und jedes Einzelnen gewesen. „Ich bin damit angetreten, dass der ORF weiblicher und jünger werden muss, und das ist mit diesem Team gewährleistet.“

In den Landesdirektionen kam es zu vier Verlängerungen und fünf Neubestellungen. So beziehen Werner Herics im Burgenland, Gerhard Koch in der Steiermark, Karin Bernhard in Kärnten und Markus Klement in Vorarlberg erneut die ORF-Landeschefsessel. An der Wiederbestellung Bernhards und Klements hat auch unlängst laut gewordene Kritik an deren Führungsstil nichts geändert. Neu an der Spitze eines Landesstudios sind mit 1. Jänner 2022 Edgar Weinzettl in Wien, Robert Ziegler in Niederösterreich, Klaus Obereder in Oberösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol und Waltraud Langer in Salzburg. Damit kommt es zur einer Erhöhung des Frauenanteils von derzeit zwei auf drei Landesdirektorinnen. Das Paket der Landesdirektoren kam im Stiftungsrat auf 34 von 35 Stimmen, es gab eine Enthaltung von der vom ORF-Zentralbetriebsrat entsandten unabhängigen Stiftungsrätin Christiana Jankovics.

In Richtung der Landesstudios unterstrich Weißmann, dass diese „wichtige dezentrale Botschafter des ORF“ und somit „wichtig für die Region und die Menschen dort“ seien. Bezugnehmend auf die im Vorfeld diskutierte Kritik am Führungsstil des wiederbestellten Vorarlberger Landesdirektors Markus Klement meinte Weißmann: „Führungskompetenz hat für mich und mein Team einen ganz hohen Stellenwert. Nur wenn wir alle Vorbilder sind, können wir das auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umlegen.“ Der ORF solle ein „best place to work“ sein.

Die designierte Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz will auf eine Contentstrategie setzen, um die Reichweiten des Hauses abzusichern und in manchen Zielgruppen hinzuzugewinnen. Zu ihrem Ausflug in die Welt des Privatfernsehens hielt sie fest: „Ich bin eine große Verfechterin eines dualen Systems.“ Künftig müsse es „mehr Miteinander als Nebeneinander“ geben. Die künftige Radiodirektorin Ingrid Thurnher hat unterdessen „genug Zeit vor den Kameras verbracht“ und wolle sich nun aufs Radio konzentrieren. In Bezug auf die Übersiedelung auf den Küniglberg sagte sie: „Es wird unglaublich viel an Energie abverlangen, einen smoothen Übergang hinzubekommen und das trimediale Arbeiten in Fleisch und Blut übergehen zu lassen.“ Über die Zukunft von FM4 wollte Thurnher heute nicht sprechen. Andeutungen betreffend einer möglichen Einstellung von FM4 als linearen Radiosender machte sie jedenfalls nicht.

Die neue kaufmännische Direktorin Eva Schindlauer unterstrich, dass programmlicher Erfolg und technologische Weiterentwicklung ohne eine solide wirtschaftliche Basis nicht möglich seien. „In diesem Sinn verstehe ich mich als leidenschaftliche Ermöglicherin des Programms.“ Der neue Technische Direktor Harald Kräuter freute sich sehr, nach acht Jahren wieder im ORF-Zentrum zu sein. Er gab das „klare Bekenntnis“ aus, „dass dieses Unternehmen ein Technologieunternehmen ist. Die digitale Transformation werden wir konsequent weiterführen.“

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises, reagierte gegenüber der APA: „Mehr als 90 Prozent Zustimmung im Stiftungsrat für das neue ORF-Team sprechen für sich.“ Lothar Lockl, der für die Grün-nahen Stiftungsräte spricht, zeigte sich erfreut, dass der ORF in der Führungsspitze nun „weiblicher, im Schnitt jünger und diverser“ wird. Das neue Team vereine „Kompetenz, Zukunftsorientierung und auch Erfahrung“. SPÖ-Freundeskreisleiter Heinz Lederer sprach weiterhin von einer „Zäsur“. Der Freundeskreis verständige sich nun auf eine „konstruktive, aber sehr harte Kontrolle“. Den neuen Direktoren attestierte er „extreme Motivation“ und „inhaltliches Engagement“.

„Nachdem die Bestellung von Generaldirektor Weißmann leider nach dem bekannten Muster türkiser Hinterzimmer-Politik abgelaufen ist, muss der designierte Generaldirektor mit seinem Team jetzt beweisen, dass für ihn die journalistische Unabhängigkeit des ORF an erster Stelle steht“, meinte SPÖ-Mediensprecher Jörg Leichtfried in einer Aussendung. Kritik am Bestellungsvorgang kam auch von den NEOS. „Die Art und Weise, wie die neuen Direktorinnen und Direktoren ernannt werden, bleibt weiterhin höchst kritikwürdig, intransparent und von parteipolitischen Interessen geprägt“, wurde NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung zitiert.

Weißmann behält die unter dem amtierenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingeführte Direktionsstruktur bei. Eine Anpassung hat er in den Raum gestellt. Ausschlag könnte etwa der Abschluss der Besiedelung des derzeit in Bau befindlichen multimedialen Newsrooms geben. Im Zuge dessen übersiedeln auch die für das Radio beschäftigten ORF-Mitarbeitenden auf den Küniglberg.