Jubel um Thielemann und Garanca in Salzburg

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Jubel um Thielemann und Garanca in Salzburg

Mit Elina Garanca und Christian Thielemann hat am Sonntagabend das vielleicht eleganteste Duo des Salzburger Festspielsommers ins Große Festspielhaus geladen. Das Wochenende endete dort zusammen mit den Wiener Philharmonikern bei Mahler-Liedern und Bruckners 7. Symphonie unter großem Jubel.

Würde man den Vergleich mit anderen, traditionellen Konstellationen der sonntagabendlichen Unterhaltung wagen, wären Garanca und Thielemann ein „Tatort“-Ermittlerduo wie Eisner und Fellner in Wien, oder Thiel und Boerne in Münster: gut aufeinander eingespielt, jeder seines Platzes sicher und garantiert ein Publikumsmagnet. Bereits im vergangenen Jahr traten die lettische Sopranistin und der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden mit den Wiener Philharmonikern und einer ähnlichen Programmkonstellation, Liedern und einer Bruckner-Symphonie, unter großem Jubel bei den Festspielen auf. Nach diesem großen Erfolg wurden die beiden heuer also zu Wiederholungstätern.

Während man sich 2020 auf Thielemanns Spezialgebiet, bei Wagner und dessen „Wesendonck-Liedern“ traf, zeigte sich Garanca dieses Jahr mit Mahlers „Rückert-Liedern“ eine Spur intimer. „Ich leb‘ allein in meinem Himmel (…) in meinem Lied“, den Abschluss des letzten Liedes machte sie zum Credo. Die erste halbe Stunde des Konzertabends hätte eigentlich auch die letzte sein können, so wohlig warm packte Garanca mit ihrem dunkelsamtigen Timbre das Publikum wie in eine Gute-Nacht-Geschichte ein. Und Thielemann, ganz Gentleman, nahm sich und die „Wiener“ mit der nötigen Distanz in den Hintergrund, um seiner Sängerin den weichen Teppich auszulegen, über den sie anmutig schreiten konnte. Der verhältnismäßig ruhig ausfallende Applaus dürfte daher eher Garancas beruhigender Darbietung geschuldet sein.

So verlässlich unterhaltend eine Tatortfolge am Sonntag im TV ist, so verlässlich unterhaltend ist auch Christian Thielemann mit Bruckner. Die Wiener Philharmoniker sind dem Komponisten sowieso traditionell und geschichtlich verbunden und nicht nur deswegen eines der besten Bruckner-Orchester. Auch Thielemann ist der Komponist in Fleisch und Blut über gegangen, was sich nicht nur visuell äußert – er dirigiert die Symphonien meist auswendig – sondern auch auditiv.

Wie beim „Tatort“ war also bekannt, was passiert, nur nicht, auf welchem Weg die Ermittler dieses Mal zum Ziel kommen. Denn Thielemann machte sich einen sichtlichen Spaß daraus, immer wieder neue Details zu entdecken und an die Klangoberfläche zu schürfen. Noch ganz in der Melancholie der „Rückert-Lieder“ schwelgend, legte er die ersten beiden Sätze eher introvertierter an, ganz wie Bruckner es in seiner zweiten Satzbezeichnung „sehr feierlich und sehr langsam“ wünschte, und ließ dann ab dem Scherzo all die angesammelte Energie mit strahlendem Blech und warmem Streicherton über das Publikum hereinbrechen.

Thielemanns Eleganz äußerte sich nicht nur in seinem Dirigat, sondern auch in seiner verlässlichen Pünktlichkeit. Nach genau zwei Stunden winkte er zufrieden ab und das Publikum bejubelte ihn mit Bravo-Rufen und klatschte ihn sogar mehrmals auf die Bühne des Großen Festspielhauses zurück. Ob sich aus dieser Konstellation eine ähnlich erfolgreiche Tradition wie der „Tatort“ am Sonntag ergeben wird? Da Anton Bruckner im Laufe seines Lebens insgesamt neun Symphonien komponiert hat, hätten Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker demnach noch mindestens sieben Fälle vor sich.