Fahrrad-Boom treibt Sporthandel an

24.06.2021 • 07:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Auswahl an Freizeitangeboten war im Coronajahr 2020 rar. Der Ausfall von Events und Urlaubsreisen sowie über Monate geschlossene Lokale ließen die Menschen mehr sporteln. Trotz Lockdowns verzeichnete Sport 2000 im Vorjahr ein Umsatzplus von rund 2 Prozent auf 590 Mio. Euro. Treiber des Wachstums waren Berg-, Lauf- und Radsport. Im Fahrradbereich übersteigt die Nachfrage längst das Angebot. Explodierende Containerpreise sorgen für Lieferengpässe und höhere Preise.

Heuer dürfte der Fahrrad-Absatz in Österreich die 500.000-Marke knacken. „Wir haben im März bereits die Vororder für 2023 gemacht. Das gab es noch nie“, sagte Sport-2000-Chef Holger Schwarting Mittwochabend bei einem Pressegespräch. Shimano, ein japanischer Hersteller von Fahrradkomponenten und -zubehör, sei bis 2023 ausverkauft. Derzeit würden Probleme beim Transport dazukommen. „Die Containerkosten sind um 300 Prozent gestiegen“, räumte Schwarting ein. Im Fahrradbereich schlägt sich das bereits in im Schnitt 5 Prozent höheren Preisen nieder. Auch bei Fitnessgeräten und Sportschuhen bemerkt die Branche Probleme in den Lieferketten.

Ein Großteil der Teile für Räder kommt aus Asien. Dort standen Fabriken coronabedingt teils für Monate still oder produzierten nicht auf voller Kapazität. Gleichzeitig ist in der Coronakrise die Nachfrage nach Fahrrädern gestiegen – auch als Alternative zu vollgestopften öffentlichen Verkehrsmitteln.

Über weite Teile des vergangenen Jahres war Individualsport die einzige Möglichkeit zur sportlichen Betätigung. Dementsprechend zogen die Umsätze in diesen Bereichen an. Ganz anders sieht es bei Teamsportarten oder im Wintersportbereich aus. Die Sporthändler-Genossenschaft Sport 2000, die vor allem in Westösterreich mit inhabergeführten Fachgeschäften vertreten ist, ist stark von Wintersportlern abhängig. „Die Sportgeschäfte im Westen haben aufgrund der ausbleibenden Touristen zum Teil bis zu 95 Prozent ihres Umsatzes verloren“, sagte Schwarting. Für sie waren die Coronahilfen „weit unterdimensioniert“. Noch so einen Winter würde ein Drittel der Betriebe vermutlich nicht überleben, so der Branchenexperte.

Die Läger der Händler seien voll mit Ski, die Industrie sei angehalten worden, Innovationen zurückzustellen. Skier, die jetzt dort liegen, können so auch heuer noch verkauft werden. Der größte Ski-Verleihmarkt sei im Vorjahr nicht etwa Tirol gewesen, sondern das Skigebiet Mönichkirchen in Niederösterreich, das von Wiener Tagesgästen frequentiert wurde.