Niessl: Nichts von VIP-Saisonkarte gewusst

28.11.2020 • 14:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der ehemalige burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) hat am Samstag betont, dass er von der VIP-Karte des SV Mattersburg für die Saison 2019/20, die in einer Handkasse der Commerzialbank Mattersburg gefunden wurde, nichts gewusst habe. Das zeige auch der Umstand, „dass sie in der Bank gefunden worden ist“, sagte Niessl gegenüber der APA. In seiner Funktion als Landeshauptmann und Landessportreferent habe er den SV Mattersburg circa fünfmal in fünf Jahren besucht.

„Das war nicht nur rechtlich vollkommen unbedenklich, sondern natürlich im Rahmen meiner Aufgaben wichtig und richtig“, betonte Niessl. Zu den Aufgaben eines Landessportreferenten gehöre immerhin auch, mit den Vertretern des Sports Kontakte zu pflegen und Gespräche zu führen. Eine vor Jahren zugeschickte VIP-Karte des SV Mattersburg habe er damals zurückgeschickt. Rechnungen über die Bezahlung der Eintrittskarten würden auch beim Land aufliegen. In der besagten Saison 2019/20 sei er außerdem nicht mehr Landeshauptmann, sondern bereits Privatperson gewesen, so Niessl.

Die SPÖ Burgenland hat in der Causa unterdessen rechtliche Schritte gegen die ÖVP angekündigt. Mit ihrer Forderung nach Konsequenzen für den ehemaligen Landeshauptmann bewege sich die Volkspartei „jenseits von Fakten“ und versuche, Niessl „mit Fake News und Unwahrheiten“ zu diskreditieren, betonte Landesgeschäftsführer Roland Fürst.

Niessl habe die Karte nie abgeholt oder benutzt. ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas schreibe auf seiner Facebook-Seite aber: „Hans Niessl hat offensichtlich jahrelang Geschenke von Commerzialbank-Chef Martin Pucher erhalten. Darunter auch VIP-Jahrestickets des SV Mattersburg im Wert von rund 3.000 Euro pro Jahr.“ Mit dieser Aussage würden die Tatsachen „ungeniert ins Gegenteil“ verdreht, so Fürst.

Die SPÖ habe bereits einen auf Medienrecht spezialisierten Anwalt eingeschaltet. „Es kann nicht sein, dass man als Politiker im Schutz der Immunität alles behaupten kann, auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht“, betonte Fürst.

Im Zuge der behördlichen Auswertung von Datenbeständen der Commerzialbank Mattersburg war laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „profil“ eine Liste an Weihnachtsgeschenken aus dem Jahr 2019 gefunden worden, auf der unter anderem Bürgermeister, Polizeibeamte, Aufsichtsräte, Mitarbeiter des Wirtschaftsprüfers TPA und Vertreter der Einlagensicherung stehen.

Bei den Weihnachtsgeschenken handle es sich etwa um Parmesandosen, Ölkännchen, Organizer und Spirituosen, berichtete das „profil“ am Samstag. Diese sollten nicht nur an Bürgermeister, sondern auch an Vizebürgermeister aus einigen Gemeinden rund um Mattersburg sowie an Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg übergeben werden. Unter den Vertretern des Wirtschaftsprüfers TPA seien sowohl aktive als auch ehemalige Mitarbeiter auf der Liste.

Die VIP-Karte für die Bundesliga-Saison 2019/20, die auf Niessl ausgestellt war, sei unabhängig von der Liste an Weihnachtsgeschenken in einer Handkasse gefunden worden.

Die burgenländischen Grünen wollen unterdessen die Personen, die auf der Weihnachtsgeschenke-Liste der Commerzialbank Mattersburg zu finden sind, in den Untersuchungsausschuss laden. Dort müssten sie unter Wahrheitspflicht antworten und man könne klären, was für Geschenke sie erhalten hätten und ob es „mittelbare und unmittelbare Gegenleistungen nach der Geschenkannahme“ gegeben habe, betonte Klubobfrau Regina Petrik am Samstag.