Kärnten

Mord an Schwangerer: Lebenslange Haftstrafe für Angeklagten

20.06.2020 • 12:59 Uhr / 18 Minuten Lesezeit
Am Freitag wurde das Urteil verkündet
Am Freitag wurde das Urteil verkündet KLZ/Markus Traussnig

36-Jähriger meldet sofort Rechtsmittel an. Die Entscheidung der Geschworenen war einstimmig. Der Mann sei schuldig, seine schwangere Geliebte umgebracht zu haben. Ein Verteidiger fuhr bereits vor der Urteilsverkündung nach Hause.

15.50 Uhr: Sofortige Berufung

Völlig emotionslos nahm der Angeklagte das Urteil zur Kenntnis. Nur ein leichtes Kopfschütteln war zu vernehmen. Auf den Rat von Richter Liebhauser-Karl, sich mit seiner Verteidigung in Ruhe zu beraten, ging der 36-Jährige nicht ein. „Ich brauche keine Beratung. Sofortige Berufung und Nichtigkeit.“ Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Fall findet nun am Obersten Gerichtshof seine Fortsetzung.

Bemerkung am Rande: Vom Verteidigerteam anwesend war bei der Urteilsverkündung nur noch Anwältin Lanschützer. Arbacher-Stöger hat bereits zuvor seinen Heimweg angetreten.

15.42 Uhr: Schuldig!

Das Urteil ist gefällt. Die Geschworenen sprechen den Angeklagten einstimmig schuldig. Der 36-jährige Kärntner wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

15.00 Uhr: Die Geschworenen beraten weiter

Alle warten auf die Entscheidung. Schuldig oder nicht schuldig? Diese Frage werden die Geschworenen nach ihrer Beratung beantworten. Die acht Laienrichter entscheiden alleine über die Schuldfrage. Dann wird über das Strafausmaß gemeinsam mit den Berufsrichtern entschieden. Anschließend wird das Urteil verkündet werden. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Ein Geschworenengericht setzt sich stets aus drei Berufsrichtern sowie acht Geschworenen zusammen. Laienrichter werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Abstimmung bezüglich der Schuld oder Unschuld des Angeklagten erfordert keine Einstimmigkeit, wenn mindestens fünf der acht Geschworenen dafür stimmen, genügt das.

Geschworenengerichte werden bei der Verhandlung von besonders schweren Straftaten eingesetzt. Dem Angeklagten im heutigen Prozess wird Mord vorgeworfen. Es droht ihm die Höchststrafe, eine lebenslange Haftstrafe.

14.20 Uhr: „Lassen Sie mich zu meinen Kindern“

Das letzte Wort hat der Angeklagte. „Ich habe mit dem Mord an ihr und an meinem Kind nichts zu tun“, sagt er den Tränen nahe. „Bitte lassen Sie mich nach zehn Monaten wieder zu meinen Kindern nach Hause“, bat er die Geschworenen.

Damit endete die Verhandlung. Die Geschworenen ziehen sich jetzt zur Entscheidungsfindung zurück. Wie lange das dauert, lässt sich nicht abschätzen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

14.16 Uhr: Nicht fähig zu morden?

Arbacher-Stöger streicht die möglichen Zweifel an diesem Fall hervor. Es gebe weder Beweis noch Motiv. „Können Sie einwandfrei und ohne Zweifel sagen, dass er schuldig ist?“, fragt er die Geschworenen. Sie sollen sich den Angeklagten ansehen und sein Verhalten bewerten. „Er war jetzt zwei Tage lang komplett ruhig. So sehr kann man sich nicht verstellen.“

14.07 Uhr: Verteidigung schlägt zurück

Anwalt Arbacher-Stöger versucht in seinem Plädoyer die bisher gehörten Ausführungen zu zerlegen. Es gibt zu viele Widersprüche. Keiner der Augenzeugen konnte seinen Mandanten bisher identifizieren. Auch dass sein Telefon zwei Stunden ausgeschaltet war, sei kein Beweis. Zudem habe er von Anfang an zugegeben, in der Nähe des Tatortes gewesen zu sein. „Was er mit den Frauen gemacht hat, ist moralisch das Letzte. Das sind aber noch Riesenschritte zu einem Mörder“, sagt Arbacher-Stöger.

13.46 Uhr: „Nichts entlastet den Angeklagten“

Ein Motiv und ein fehlendes Alibi reichen nicht, um einen Angeklagten zu verurteilen. Wohlgemuth kommt daher zu den Beweisen. „Es gibt nichts, was den Angeklagten entlastet. Er redet sich hier um Kopf und Kragen. Es wird ihm aber nichts nützen“, sagt Wohlgemuth. Die Anrufe nach dem Mord – währendessen war das Handy ausgeschaltet – würden genau belegen, wo sich der Mann aufgehalten hat. Zudem gibt es Zeugenbeschreibungen, die auf den Angeklagten zutreffen und T-Shirt und Schuhe würden genau belegen, dass der Mann am Tatort war.

13.40 Uhr: Plädoyer der Anklage

Staatsanwältin Wohlgemuth zeichnet in ihrem letzten Statement vor dem Urteil noch einmal ein Bild des Angeklagten. Er habe sich durch zwei außereheliche Affären selbstverschuldet in eine schwierige Situation gebracht. Die Schwangerschaft des Opfers sei für ihn eine Katastrophe gewesen, die nicht nur seine Ehe, sondern auch seine finanzielle Situation zu gefährden drohte. Zudem hat auch seine zweite Geliebte verkündet, ein Kind von ihm zu erwarten. Auch wenn der Angeklagte ruhig im Gerichtssaal sitzen würde, sei von ihm damals ein hohes Gewaltpotential ausgegangen, sagt Wohlgemuth zu den Geschworenen.

13.05 Uhr: Was die Geschworenen entscheiden müssen

Das Gericht hat nun festgelegt, auf welche Fragen die Geschworenen eine Antwort finden müssen. Es wurden drei Fragen formuliert. Vereinfacht ausgedrückt: Hat der Angeklagte das Opfer unter der Einwirkung von stumpfer Gewalt vorsätzlich getötet? Hat der Angeklagte vorsätzlich den Schwangerschaftsabbruch des Babys herbeigeführt? Hat er seine ehemalige Geliebte mit dem Tod bedroht?

Jetzt wurde eine Pause bis 13.30 Uhr vereinbart. Danach sind die Plädoyers der Anklage und der Verteidigung an der Reihe.

12.35 Uhr: Ansprüche der Hinterbliebenen

Derzeit melden die Privatbeteiligtenvertreter Ansprüche für die Hinterbliebenen des Opfers an. So wird für die drei Kinder der Frau ein Schmerzensgeld von je 25.000 Euro gefordert. Zudem fordert die ehemalige Geliebte des Angeklagten ein Schmerzensgeld von 3000 Euro sowie die Begleichung aller ihrer durch die psychische Belastungen nötig gewordenen Behandlungskosten. Der Vater der Getöteten meldet Forderungen von 10.000 Euro an. Er habe bei Erhalt der Todesnachricht einen schweren Schock erlitten. Die Verteidigung erkennt die Ansprüche nicht an. Nachdem sich der Angeklagte nicht schuldig bekennt, ist das nicht weiter überraschend.

Die endgültigen Entschädigungssummen müssen noch am Zivilrechtsweg oder außergerichtlich festgelegt werden.

12.23 Uhr: Alle Anträge abgewiesen

Das Gericht folgt der Forderung der Staatsanwaltschaft und lehnt alle von der Verteidigung vorgebrachten Beweisanträge ab. Begründung dafür ist „fehlende Relevanz“. Die Verteidigerin lässt nicht locker und will einen weiteren Antrag stellen. Dabei geht es um jenen Zeugen, der gestern wie berichtet vom Angeklagten Täterwissen erfahren haben will. Das sei aus Sicht der Verteidigung nie passiert. Man will als Beweis Belegungspläne der Zellen und Einzelheiten zu möglichen Hofgängen in der Justizanstalt Klagenfurt beschaffen. Auch dieser Antrag wurde nach einer erneuten Beratung des Gerichts abgewiesen.

11.40 Uhr: Verteidigerin kämpft für Angeklagten

Mit ihren zahlreichen Beweisanträgen lässt Verteidigerin Lanschützer keinen Zweifel daran, einen Freispruch für ihren Mandanten erwirken zu wollen. Sie gibt sich kämpferisch und von der Unschuld des Angeklagten überzeugt.

11.29 Uhr: Kontakt zwischen Ehefrau und Affäre

Es werden weitere Beweisanträge vorgelegt. Unter anderem ein Konvolut an Chatnachrichten zwischen der Ehefrau und der Geliebten (dabei handelt es sich um eine Arbeitskollegin). Diese sollen die Glaubwürdigkeit der Zeugin in Zweifel ziehen. Zudem wird ein gynäkologisches Gutachten gefordert. Dieses soll beweisen, dass die Frau entgegen ihrer Angaben nie vom Angeklagten schwanger war.

Neue Gutachten werden auch zu den DNA-Spuren bzw. Signalen gefordert. Diese werden von der Verteidigung massiv in Zweifel gezogen und würden keine ausreichende Belastung des Angeklagten darstellen.

11.23 Uhr: Ein zweiter Verdächtiger?

Die kurze Pause ist beendet. Es folgen Beweisanträge der Verteidigung. Verteidigerin Christine Lanschützer fordert eine Auswertung der Handydaten des Angeklagten vom Abend des 14. Augusts. Eine Zeugin hat ausgesagt, einen Mann beobachtet zu haben, der über den Balkon in die Wohnung des Opfers einsteigen wollte. Der Mann sei dann geflüchtet. Lanschützer will darauf hinaus, dass es einen unbekannten Mann geben muss, der sich wenige Tage vor der Tat Zugang zur Wohnung des Opfers verschaffen wollte. Der Angeklagte habe sich zu diesem Zeitpunkt in seiner Wohnung aufgehalten, was die Handydaten beweisen würden.

10.52 Uhr: Wo war der Angeklagte?

Ähnlich technisch geht es mit der Auswertung der Mobilfunkdaten des Angeklagten in der Tatnacht weiter. Analysiert wurden Anrufe und Aufbauversuche zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau. „Die vom Angeklagten angegebenen Aufenthaltsorte sind auf Basis der Daten des Mobilfunkanbieters nicht möglich“, gibt der Sachverständige zu Protokoll.

Der Angeklagte widerspricht den Ausführungen des Sachverständigen. Sein Verteidiger beantragt eine Pause für weitere Beratungen.

10.41 Uhr: Schwache DNA-Signale

Im Fokus stehen nun DNA-Spuren. Die Ausführungen der Sachverständigen sind hochtechnisch. Es geht um Merkmale, Signale und Wahrscheinlichkeiten. So wurden am mehrmals erwähnten T-Shirt Spuren des Angeklagten und des Opfers festgestellt. Dass Täter und Opfer in Kontakt standen, wurde nie bestritten. An den Schuhen wurde keine verwertbare DNA gefunden.

Allerdings konnten an den darin befindlichen Socken Haare festgestellt werden. „Diese sind rund 1300 Mal wahrscheinlicher dem Angeklagten zuzuordnen als einer zufälligen Person“, sagt die Sachverständige. Rund vier Prozent der westeurasischen Bevölkerung würden ähnliche Merkmale aufweisen. Der Angeklagte schüttelt den Kopf.

10.18 Uhr: In Badewanne noch am Leben

Die Ausführungen des Gerichtsmediziners legen nahe, dass das Opfer noch am Leben war, als es in die Badewanne gelegt wurde. Der Täter habe das Opfer dann mit seinem Körpergewicht unter Wasser gedrückt. „Man muss davon ausgehen, dass ihr Bewusstsein durch die Gewalteinwirkung bereits eingeschränkt war“, sagt der Mediziner.

10.06 Uhr: Schreckliche Bilder

Der Gerichtsmediziner ist am Wort. Seine Ausführungen und die dazu gezeigten Bilder werden zur Belastungsprobe für die Anwesenden. Einige Besucher haben den Saal verlassen. Die Geschworenen haben diese Möglichkeit nicht. Details ersparen wir Ihnen an dieser Stelle. Nur so viel: Das Opfer wurde durch mehrfache, massive und stumpfe Gewalteinwirkung brutal misshandelt. Das ungeborene Kind des Opfers ist ebenfalls sofort verstorben. Abwehrverletzungen konnten keine festgestellt werden.

9.55 Uhr: Fremde Fingerabdrücke

Die Verteidigung bringt am Tatort festgestellte Fingerabdrücke ins Spiel, die nicht mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht werden konnten. Diese haben Ermittler an Wandfliesen und auf einem Türrahmen festgestellt. „Es würde mich wundern, wenn wir in einer Wohnung keine Fingerabdrücke finden“, sagt ein Ermittler.

9.49 Uhr: Die Nadel im Heuhaufen

Immer mehr deutet sich an, dass die Schuhe des Täters zum zentralen Beweisstück werden. Sie wurden wie berichtet in einer Mülltonne nahe des Wohnortes des Angeklagten gefunden. Zuvor hat der Angeklagte den Ermittlern freiwillig Schuhe übergeben, die er in der Tatnacht getragen haben will. „Diese haben aber nicht zu den Spuren am Tatort gepasst. Deshalb haben wir weitergesucht“, sagt ein Ermittler. Es wurde dann veranlasst, dass alle Mülltonnen auf einen Müllplatz gebracht und entleert werden. Dort habe man dann die berühmte Nadel im Heuhaufen entdeckt. Der Angeklagte bestreitet, die Schuhe der Marke Adidas Superstar – ein durchaus gängiges Fabrikat – getragen zu haben.

Mordprozess Badewannenmord Feffernitz Landesgericht Klagenfurt Juni 2020
Diese Schuhe wurden sichergestelltKleine Zeitung

9.42 Uhr: Ermittlungen erhärteten Verdacht

Laut Auskunft der Beamten habe sich der Verdacht gegen den Verdächtigen im Zuge der Ermittlungen immer mehr erhärtet. Die Ermittler sprechen von Widersprüchen in seinen Aussagen. Vor allem was seine Aufenthaltsorte und auch die dementsprechenden Uhrzeiten in der Tatnacht betrifft.

9.29 Uhr: Türkises T-Shirt in der Weißwäsche

Ein Ermittler des Landeskriminalamtes schildert die erste Vernehmung des Angeklagten. Dieser habe ihn wortlos begleitet und nicht gefragt, warum ihn die Polizei jetzt abhole. Der Mann hat auch die Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten vorgenommen. Was ist ihm dabei aufgefallen, will Richter Christian Liebhauser-Karl wissen? „Ein türkises T-Shirt ist auf einem Stapel Weißwäsche gelegen. Ich bin kein perfekter Hausmann, aber ich würde das so nicht waschen“, sagt der Mann. Dabei geht es um jenes T-Shirt, das der Angeklagte in der Tatnacht getragen haben soll. Laut DNA-Sachverständiger sei das T-Shirt nicht gewaschen worden.

Mordprozess Badewannenmord Feffernitz Landesgericht Klagenfurt Juni 2020
Dieses T-Shirt soll der Angeklagte in der Tatnacht getragen habenKleine Zeitung

9.20 Uhr: 1,5 Zentimeter hoch Wasser im Bad

Am Wort ist jener Beamte, der nach dem Notruf der Nachbarn als erster am Tatort war. Er habe im Bad Licht gesehen und fließendes Wasser gehört und ist dann über den Balkon in die Wohnung eingestiegen. In der Badewanne entdeckte er die Leiche der Frau. „Sie war bis zur Stirn unter Wasser und ihre Lippen waren schon verfärbt“, sagt der Mann. Messungen haben ergeben, dass der Wasserstand im Badezimmer schon 1,5 Zentimeter hoch war.

9.13 Uhr: Weiterer Mithäftling am Wort

Als erster im Zeugenstand Platz genommen hat ein weiterer Mithäftling des Angeklagten. Die Befragung wurde von der Verteidigung beantragt. Das soll die gestrige Aussage eines weiteren Mithäftlings in ein anderes Licht rücken. Der Zeuge hatte am ersten Prozesstag behauptet, der Angeklagte hätte Details zum Mord verraten. „Das hat er behauptet, weil er sich Hafterleichterungen erhofft hat. Er hat auch gesagt, dass er Details zum Mord herausfinden und für sich nutzen will. Notfalls auch mit einer Lüge“, sagt der Zeuge.

9.06 Uhr: Anklage legt neue Bilder vor

Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth legt gleich zu Beginn der Verhandlung neue Beweise vor. Es handelt sich dabei um ein Bild des Angeklagten bei seiner Einlieferung in die Justizvollzugsanstalt im August des Vorjahres. Damals soll er hellere Haare als heute gehabt haben. Das kann deshalb von Bedeutung sein, weil laut Zeugen ein Mann mit dunkelblonden Haaren am Tatort gesehen wurde. Aktuell trägt der Angeklagte dunkelbraune Haare.

8.55 Uhr: Keine Neuigkeiten über Nacht

Alle entscheidenden Personen haben ihre Plätze bezogen. In Kürze wird es losgehen. Anwalt Arbacher-Stöger hat bereits angedeutet, dass sich an der Verteidigungsstrategie über Nacht nichts geändert hat. Der Angeklagte bleibt dabei: „Ich bin unschuldig.“

Alle Infos und was bisher passiert ist:

Heute ist Urteilstag in einem hochdramatischen Prozess am Landesgericht Klagenfurt. Es geht um die Ermordung einer schwangeren Frau. Sie wurde am 17. August 2019 tot in der Badewanne in ihrer Wohnung im Bezirk Villach-Land gefunden. Des Mordes angeklagt ist der Geliebte der Frau: ein 36-jähriger Kärntner. Schon gestern, am ersten Prozesstag, hat der Mann alles bestritten und immer wieder gesagt: „Ich bin unschuldig. Ich sitze als völlig unbescholtener Mann hier. Auf mich wird seit Monaten nur eingedroschen.“ Die Ereignisse des ersten Verhandlungstages lesen Sie hier, die Zusammenfassung des Prozessauftakes steht hier.

CSI im Gerichtssaal

Heute um 9 Uhr wird der Prozess mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Unter anderem kommen in den nächsten Stunden Ermittler zu Wort und Gerichtsmediziner sowie Fachleuchte, die über DNA und Rufdatenauswertungen und andere Spuren reden. Vier Sachverständige werden befragt werden. Wir melden uns am Vormittag wieder mit einem Live-Bericht aus dem Gericht.

Für den Angeklagten geht es in diesem Prozess, der von Richter Christian Liebhauser-Karl geleitet wird, um alles. Ihm, einem Akademiker aus einer angesehenen Familie, droht eine lebenslange Haftstrafe. Er ist ein verheirateter Familienvater – laut Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth hatte er während seiner Ehe zeitgleich zwei Affären und beide Geliebte waren von ihm schwanger, sagt die Anklägerin. Die eine Geliebte, eine ehemalige Berufskollegin, hat er laut Staatsanwältin mehrmals bedroht. Die andere Geliebte, die Villacherin, hat er laut Anklage vorsätzlich getötet. Die hochschwangere Frau starb durch eine stumpfe Gewalteinwirkung auf den Kopf und wurde dann in die mit Wasser gefüllte Badewanne gelegt. Auch das Ungeborene überlebte die Tat nicht. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Frau, die getötet wurde, war eine alleinerziehende Mutter. Sie hinterlässt drei Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter. Zeugen beschrieben sie als „als liebevolle, nette Mutter, die sich gut um ihre Kinder gekümmert hat“.

Es droht lebenslänglich

Ein Urteil ist frühestens am Nachmittag zu erwarten. Zuvor wird im Schwurgerichtssaal über Fingerabdrücke, DNA-Spuren, Haar-Abgleiche, Handy-Daten und anderes gesprochen werden. Welche Spuren belasten den Angeklagten, was entlastet ihn? Das sind die zentralen Fragen.

Reichen die Indizien aus?

Die Verteidiger des Mannes – Christine Lanschützer und Manfred Arbacher-Stöger – betonen immer wieder, dass es am Tatort keine DNA-Spuren und Fingerabdrücke gibt. Das würde den Angeklagten entlasten, sagen sie. Doch die Staatsanwaltschaft kann andere, belastende Beweise vorlegen: Die Auswertung der Handydaten ergab, dass der Mann zur Tatzeit im Wohnort der Frau war, obwohl er ganz woanders lebt. Auf dem T-Shirt, dass er laut Anklage in der Tatnacht trug, waren Signale mit DNA-Merkmalen des Opfers. Im Müll nahe seiner Wohnung wurden nasse Schuhe gefunden: Das Schuhprofil würde mit Schuhspurfragmenten korrespondieren, die in der Wohnung des Opfers gefunden wurden, heißt es in der Anklage.

Das alles wird heute noch Thema werden, bevor es ein Urteil gibt. Schuldig oder nicht schuldig? Diese Frage werden die Geschworenen beantworten. Dann wird über das Strafausmaß entschieden. Anschließend wird das Urteil verkündet werden. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.