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Nordkorea baute staatliches Drogenlabor

11.10.2021 • 18:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit dem Drogengeld wird nicht etwa die Hungersnot im Land gelindert - es hält das Luxusleben von Diktator Kim aufrecht
Mit dem Drogengeld wird nicht etwa die Hungersnot im Land gelindert – es hält das Luxusleben von Diktator Kim aufrecht (c) Gorodenkoff – stock.adobe.com (Gorodenkoff Productions OU)

Eine weitere Einnahmequelle seien illegale Waffenverkäufe.

Er sei der 1990er Jahre mit der Aufgabe betreut worden, „revolutionäre Gelder“ für den damaligen Machthaber Kim Jong-il zu beschaffen, sagte der Mann der BBC. Das bedeute Drogengelder.

Der Mann, der unter dem Pseudonym Kim Kug-song erstmals in der Öffentlichkeit auftrat, soll jahrelang für den nordkoreanischen Geheimdienst gearbeitet haben und nun für den südkoreanischen Geheimdienst tätig sein. „Nachdem ich mit der Aufgabe betreut worden war, habe ich drei Ausländer aus dem Ausland nach Nordkorea geholt, im Ausbildungszentrum des Verbindungsbüros 715 der Arbeiterpartei eine Produktionsbasis aufgebaut und Drogen hergestellt“, sagt der Mann. Dabei habe es sich um Metamphetamine, auch bekannt als Crystal Meth, gehandelt.

Kim Kug-song floh laut eigenen Angaben 2014 aus seinem Heimatland, weil er im Zuge von Säuberungsaktionen des aktuellen Machthabers Kim Jong-un Angst um sein Leben hatte. Seither lebe er in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und arbeite beim dortigen Geheimdienst.

Seine Aussagen über staatlich betriebene Drogenlabors in Nordkorea können nicht unabhängig überprüft werden, doch sie decken sich mit den Angaben anderer nordkoreanischer Überläufer. Auch Thae Yong-ho, der einst in der nordkoreanischen Botschaft in London gedient hatte, sprach 2019 auf der Menschenrechtskonferenz Oslo Freedom Forum von staatlich gefördertem Drogenhandel Nordkoreas.

Illegale Waffenverkäufe

Eine weitere Einnahmequelle, so der Informant, seien illegale Waffenverkäufe an den Iran gewesen. „Es gab spezielle Mini-U-Boote und Halbtauchboote. Nordkorea war sehr gut im Bau solcher Spitzengeräte“, so Kim Kug Song. Laut Andrei Lankov, einem der weltweit führenden Kenner Nordkoreas, waren die Waffengeschäfte Nordkoreas mit dem Iran seit den 1980er Jahren ein offenes Geheimnis und umfassten sogar ballistische Raketen.

Kim Jong Un: Wirtschaftslage „düster“

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ist in einer Rede zum 76. Gründungstag der regierenden Arbeiterpartei auf die prekäre wirtschaftliche Lage seines Landes eingegangen. Nordkorea stehe vor der großen Aufgabe, die Staatswirtschaft anzupassen und zu entwickeln, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA Kim am Montag. „Der einzige Weg, die beispiellose entscheidende Arbeit trotz der düsteren Lage dynamisch voranzutreiben, besteht darin, dass sich die gesamte Partei vereint.“

Nordkorea baute staatliches Drogenlabor
Feierlichkeiten zum 76. Gründungstag der regierenden Arbeiterpartei in PjöngjangAPA

Staatsbedienstete sollten sich keine Privilegien oder bevorzugte Behandlung erhoffen und jederzeit überlegen, „ob ihre Arbeit die Interessen des Volks verletzt oder dem Volk Schwierigkeiten bereitet“. Laut KCNA wurde der Feiertag in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang mit mehreren Kunstaufführungen und einem Feuerwerk begangen. Eine Militärparade soll allerdings nicht abgehalten worden sein.

Internationale Sanktionen, die wegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogrammen verhängt wurden, setzen die Wirtschaft des weitgehend isolierten Landes seit Jahren unter Druck. Hinzu kommen die Folgen schwerer Unwetter und Überschwemmungen. In einem Bericht eines Mitarbeiters der Vereinten Nationen, den die Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche einsehen konnte, heißt es, der schwächste Teil der Bevölkerung sei von Hunger bedroht, nachdem sich das Land während der Corona-Pandemie noch stärker abgeschottet habe. Die sich verschlechternde humanitäre Lage könne zur Krise werden.

Nordkorea beging das Parteijubiläum am Sonntag mit Kunstaufführungen, Gala-Veranstaltungen und einem Feuerwerk. Die staatlichen Medien zeigten am Montag Aufnahmen, auf denen Kim sich in einem Raum an dunkel gekleidete Staatsvertreter wendet.