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Muss New York Mega-Tsunami fürchten?

20.09.2021 • 12:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klar ist: Die gesamte Inselgruppe der Kanaren ist vulkanischen Ursprungs - wie viele andere Inseln weltweit auch
Klar ist: Die gesamte Inselgruppe der Kanaren ist vulkanischen Ursprungs – wie viele andere Inseln weltweit auch (c) AP (Jonathan Rodriguez)

Mögliches Horrorszenario angesichts des Vulkanausbruchs auf La Palma.

Eine mächtige Vulkaneruption auf der Kanareninsel La Palma würde Teile ihrer Westflanke zerbrechen lassen – und der dadurch ausgelöste „Mega-Tsunami“ das 6000 Kilometer entfernte New York sowie andere Teil der US-Ostküste mit bis zu 25 Meter hohen Brechern verwüsten: Diese furchterregende Einschätzung geht nun angesichts des aktuellen und heftigen Ausbruchs auf der 700 km² großen Kanareninsel einmal mehr durch das Netz.

Neu ist sie nicht.

Wir fragten bei einem anerkannten Experten auf dem Gebiet nach: Wolfgang Lenhardt, Leiter der Abteilung Geophysik der, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) geht gegenüber der Kleinen Zeitung auf die Theorie eines „Mega-Tsunamis“ ein: „‚Die Theorie basiert auf dem Artikel von Steven Ward und Simon Day aus dem Jahr 2001 und postuliert, dass die gesamte Westflanke von La Palma mit einem Volumen von bis zu 500 km³ ins Meer gleitet. Das könnte einen über 20 Meter hohen Tsunami an der amerikanischen Ostküste verursachen, so die Annahme dieser beiden Forscher.“

Was von den Autoren damals mit Modellrechnungen ermittelt wurde, ist für Lenhardt vor allem ob seiner Größenordnung „nach wie vor ein Rätsel“. Der Wissenschaftler vermutet, dass die Annahmen mit der außerordentlichen Berechnung des Rauminhalts, der „Kubatur“, die hier angenommen wird, zusammenhängen: Bis zu 500 Milliarden Tonnen Gestein brechen in den theoretischen Berechnungen von der Westflanke der Cumbre Vieja ab. Lenhardt hält die Schlussfolgerungen des Artikels daher insgesamt nicht nur für „extrem spekulativ“ sondern auch für „völlig unrealistisch“.

Cumbre Vieja

Die Cumbre Vieja (deutsch: Alter Gipfel) ist eine knapp 2000 Meter hohe und etwa 14 Kilometer lange Vulkankette im Süden der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Palma. Teile der Cumbre Vieja bilden den gleichnamigen Naturpark.

Lenhardts Ansichten decken sich im Wesentlichen mit jenen von Fachleuten des Instituto Volcanológico de Canarias (INVOLCAN) in Santa Cruz de Tenerife zum Worst-Case-Szenario: Diese Forscher bezeichneten einen Mega-Tsunami mit derart verheerenden Folgen ebenfalls als unwahrscheinlich, denn: „Für einen Abbruch müssten gleichzeitig ein sehr starkes Erdbeben und ein explosiver Vulkanausbruch stattfinden, ausserdem müsste die Cumbre Vieja 1000 Meter höher sein als sie jetzt ist“, hielten sie damals fest.

Klar ist: Die gesamte Inselgruppe der Kanaren ist vulkanischen Ursprungs – wie viele andere Inseln weltweit auch: Japan, Philippinen, Indonesien, Neuseeland, Hawaii, Tahiti, Osterinseln, Island, Azoren oder St. Helena, um nur einige zu nennen.