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Kohle als wichtigste Stromquelle

13.09.2021 • 15:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen
Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen APA/dpa/Julian Stratenschulte

Wegen windarmen Frühlings wurde heuer viel weniger Windkraft erzeugt.

Während die EU ihre Klimaziele weiter verschärft und Kohle wegen des Klimawandels zunehmend umstritten ist, ist in Deutschland eine paradoxe Situation eingetreten: Kohle hat als Energieträger für die Stromproduktion im ersten Halbjahr 2021 die Windkraft wieder vom ersten Platz verdrängt.

Mehr als die Hälfte, konkret 56 Prozent, der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 259 Milliarden Kilowattstunden stammten nach Berechnungen des deutschen Statistischen Bundesamtes in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie. Das war gut ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank dagegen zum Vorjahreszeitraum um fast zwölf Prozent auf 44 Prozent.

12,4 Prozent aus Kernenergie

Wie ist das möglich ist Zeiten wie diesen? Wegen des windarmen Frühjahrs ist der Anteil der Windenergie um 21 Prozent gesunken.

Gefüllt wurde die Lücke vor allem durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken, die politisch umstritten sind. Sie steuerten mit 70 Milliarden Kilowattstunden gut ein Drittel mehr bei als vor Jahresfrist. Kohle machte damit in den ersten sechs Monaten 27 Prozent der eingespeisten Strommenge aus, nach knapp 21 Prozent ein Jahr zuvor.

Nach Kohle und Windkraft war Erdgas im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit einem Anteil von 14,4 Prozent vor der Kernenergie mit 12,4 Prozent der drittwichtigste Energieträger für die Stromproduktion in Deutschland.

Kohle als wichtigste Stromquelle
Diesen Schriftzug haben Umweltaktivisten im September auf den Kohlelturm des RWE- Braunkohlekraftwerks Neurath in Nordrhein-Westfalen projiziert. Sie fordern einen schnelleren Kohleausstieg.APA

Laut Gesetz soll Deutschland spätestens 2038 ganz auf die Kohlekraft verzichten. Klimaschützer fordern ein früheres Auslaufen. 2045 soll Europas größte Volkswirtschaft Klimaneutralität erreichen, also nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie wieder gebunden werden können.