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Hilfsangebote aus aller Welt für Indien

25.04.2021 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hilfsangebote aus aller Welt für Indien

Aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland kamen konkrete Hilfszusagen.

Angesichts der dramatischen Zuspitzung der Corona-Pandemie hat Indien Hilfsangebote aus aller Welt erhalten. Die USA sagten dem Land am Sonntag die Lieferung von Rohmaterialien für die Produktion des Astrazeneca-Impfstoffs, Medikamente, Schnelltests, Beatmungsgeräte und Schnelltests zu, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Auch aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland und sogar vom Erzfeind Pakistan kamen konkrete Hilfszusagen.

US-Sicherheitsberater Jake Sullivan telefonierte mit seinem indischen Kollegen Ajit Doval, um über die Hilfslieferung zu sprechen. Das Material solle Indien „sofort“ bereitgestellt werden. „Genau wie Indien den Vereinigten Staaten Hilfe schickte, als unsere Krankenhäuser zu Beginn der Pandemie überlastet waren, sind die Vereinigten Staaten entschlossen, Indien in der Zeit der Not zu helfen“, erklärte das Weiße Haus. Die USA arbeiteten „rund um die Uhr“ verfügbare Ressourcen und Vorräte auszusenden.

Auch die EU hilft

Der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, erklärte, Brüssel habe auf indischen Wunsch bereits den Zivilschutzmechanismus aktiviert und werde bei der Versorgung mit Sauerstoff und Medikamenten helfen. Der französische Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel teilten mit, dass ihre Länder vor allem Beatmungsgeräte nach Indien liefern wollen. „Wir stehen Seite an Seite mit Indien als Freund und Partner während einer äußerst besorgniserregenden Zeit im Kampf gegen Covid-19“, erklärte Johnson. Bereits am Samstagabend (Ortszeit) hatte auch das pakistanische Außenministerium Hilfslieferungen als „Geste der Solidarität“ angekündigt.

350.000 Neuinfektionen in 24 Stunden

Indien verbuchte erneut einen Höchstwert an Corona-Neuinfektionen. Binnen 24 Stunden wurden laut Daten des Gesundheitsministeriums vom Sonntag 349.691 Fälle verzeichnet. Dies ist zugleich ein weltweiter Tageshöchstwert. 2.767 Menschen starben an oder mit Covid-19. Dies ist die bisher höchste Todesrate in 24 Stunden in Indien. Damit stieg die Zahl der Covid-Toten auf 192.311. Den vierten Tag in Folge wurden mehr als 300.000 Neuinfektionen und über 2.000 Tote registriert.

Indien hat gut 1,3 Milliarden Einwohner, so dass sich eine vergleichsweise mäßige Sieben-Tage-Inzidenz von rund 132 Fällen pro 100.000 Einwohner ergibt. Das Gesundheitssystem des Schwellenlandes ist aber völlig überlastet. Es fehlt an Betten, antiviralen Medikamenten und medizinischem Sauerstoff.

Sauerstoffmangel in Spitälern

Krankenhäuser wie das Pentamed Hospital in Neu Delhi senden immer wieder SOS-Nachrichten zum Sauerstoffmangel. Premierminister Narendra Modi sagte in einer Radioansprache, die Regierung tue alles, um die Einzelstaaten im Kampf gegen Covid-19 zu unterstützen.

Indien hat bisher 16,9 Millionen Corona-Infektionen registriert und steht damit weltweit an zweiter Stelle hinter den USA. Allerdings hat das Land mehr als viermal so viele Einwohner. Experten führen den raschen Anstieg der Fälle auf eine verbreitete Sorglosigkeit in der Bevölkerung und auf neue, gefährlichere Virusvarianten zurück.

Einreiseverbote

Deutschland und Italien versuchten sich mit Einreiseverboten gegen die Einschleppung der indischen Mutation zu wappnen. Wer sich in den zurückliegenden 14 Tagen in Indien aufgehalten hatte, kann nicht mehr einreisen, teilte Gesundheitsminister Roberto Speranza am Sonntag auf Facebook mit. Deutschland erklärte Indien mit Montag zum Virusvariantengebiet, was Einreisen praktisch unmöglich macht.

Viele Inder versuchten am Wochenende, das Land vor dem Hintergrund der akuten Gesundheitskrise zu verlassen. Wie indische Medien berichteten, sind an den Flughäfen viele Menschen in Richtung Vereinigte Arabische Emirate und USA unterwegs. Da aber die Emirate ab Montag die Flugverbindungen aus Indien und Pakistan bis vorerst 4. Mai streichen, schnellten die Flugticketpreise in die Höhe. Am Sonntag waren sie teilweise elfmal so hoch wie normal.