International

Australien träumt von der Republik

13.03.2021 • 11:17 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In der Metropole Brisbane im Bundesstaat Queensland erlaubt man sich ein Wortspiel: Kein Land der Queen
In der Metropole Brisbane im Bundesstaat Queensland erlaubt man sich ein Wortspiel: Kein Land der Queen imago images/AAP

Interview mit Harry und Meghan weckt Gegner einer Monarchie.

Das Skandal-Interview von Harry und Meghan könnte die britische Krone mehr kosten als ihren Ruf. Im bisher monarchietreuen Australien hat die scharfe Kritik der Herzoge von Sussex der Republik-Debatte Auftrieb verliehen. Laut des „Guardian“ will die Republik-Bewegung noch in der zweiten Jahreshälfte ein Modell für eine Republik Australien vorschlagen.

Bisher hatte die britische Krone einen guten Stand: Vor allem nach dem Besuch von Harry und Meghan 2018 erhielten die Royals hohe Zustimmungswerte. Die vielen jubelnden Fans, die sich damals über die Babynachrichten und die interessanten Outfits von Meghan freuten, ließen die Unterstützung für eine Republik auf den tiefsten Punkt seit 25 Jahren sinken. Und die positive Einstellung gegenüber der Monarchie hielt an: So ergab eine Online-Umfrage von Ipsos im Jänner, dass nur ein Drittel der Australier die Gründung einer Republik befürworten würde.

Wenig Berührungspunkte

Doch während Harry und Meghan die Monarchisten vor drei Jahren noch beflügelten, so hat ihr aktuelles Interview im US-Sender CBS nun genau das Gegenteil bewirkt. Sandy Biar, der Direktor der australischen Republik-Bewegung, sagte dem Online-Medium „The New Daily“, dass die Schilderung von Harry und Meghan zeige, „wie wenige Berührungspunkte die Monarchie mit denm modernen Australie“ habe. Die „schwerwiegenden Vorwürfe“ systemischen Rassismus würden ein Verhalten aufzeigen, das in Australien und vor allem in öffentlichen Ämtern „völlig inakzeptabel“ sei.

Prominente Australier mischten sich in die Debatte mit ein. So warb der frühere Premier Malcolm Turnbull bereits am Dienstag beim Sender ABC dafür, dass das Staatsoberhaupt ein australischer Staatsbürger sein sollte: „Einer von uns“ und „nicht die Königin oder der König des Vereinigten Königreichs“, sagte Turnbull. „Wir sollten so stolz auf unser Land und unsere Landsleute sein, dass wir sagen sollten, nur ein Australier sollte berechtigt sein, unser Staatsoberhaupt zu sein.“ Dass Turnbull als Liberalkonservativer den Republik-Gedanken unterstützt, ist eher ungewöhnlich. Denn traditionell sind die Politiker der Liberal Party eher monarchietreu, während die Kritiker bei den Sozialdemokraten und den Grünen sitzen.

Andere konservative Politiker stellten sich beispielsweise bewusst auf die Seite der Krone: So twitterte Jarrod Bleijie, dass die Herzogin eine „Goldgräberin“ sei, die versuche, „die Institution niederzureißen“, weil sie nicht „die zukünftige Königin“ sein könne. Manche Experten halten ein Umdenken in der Bevölkerung aber tatsächlich für möglich. So sagte Jenny Hocking, Politikwissenschaftlerin der Monash Universität in Melbourne, im Interview mit dem „Guardian“, dass das Interview von Harry und Meghan bereits „einer von mehreren Fällen war, in denen der Schleier der königlichen Geheimhaltung gelüftet wurde und das, was man zu sehen bekam, nicht ganz angenehm ist“. Hocking verwies auf Berichte, nach denen die Queen Gesetze zu ihren Gunsten beeinflusst haben soll, beispielsweise um die Höhe ihres Privatvermögens zu verschleiern. Im Interview sei deutlich geworden, „wie sehr die königliche Familie eine Firma ist“. „Es ist ein Familienunternehmen, das die Dinge im Haus hält.“ Deswegen müsse man hinterfragen, welche Rolle eine vererbte konstitutionelle Monarchie in einer modernen Demokratie noch spiele.

Doch selbst eingefleischte Unterstützer der Republik wollen das Modell erst nach Ende einer Regentschaft der Queen überdenken. „Sie war ein außergewöhnliches Staatsoberhaupt, und ich denke, es gibt in Australien mehr Elisabethaner als Monarchisten“, sagte der Ex-Premier. Die Republik-Bewegung spricht sich für ein Referendum nach dem Rücktritt oder Tod von Königin Elizabeth II. aus. Doch bis dahin könnte sich der „PR-Albtraum“ der Krone nach Aussagen von Luke Mansillo, einem Experten für internationale Beziehungen an der Universität Sydney, aber auch schon wieder abgekühlt haben. In einem Artikel im akademischen Fachmagazin „The Conversation“ wies Mansillo auf den Skandal von 1992 hin, als der texanische Millionär John Bryan beim Saugen der Zehen von Sarah Ferguson, der Herzogin von York, erwischt wurde. Damals hätten auch plötzlich 57 Prozent der Australier eine Republik unterstützt.

Doch beim Referendum sieben Jahre später hielt das Land dann trotzdem an der Monarchie fest. „Wenn Fergie die australische Monarchie nicht stürzen konnte, ist es unwahrscheinlich, dass Oprah dies kann“, schrieb Mansillo. Zwar sei das Interview „weitaus nuancierter“ als die bishergen Skandale. Die Behauptungen, der Palast sei rassistisch und Meghans mentale Gesundheit sei vernachlässigt worden, seien „schrecklich und erschütternd“, schrieb Mansillo. Sie müssten aber „im Kontext eines eskalierenden Krieges zwischen dem Buckinghampalast und den Sussexes gesehen werden“. Dabei spiele mit, dass Meghan und Harry verzweifelt versuchten, „Geld zu verdienen – und eine Marke aufzubauen –, um ihr neues Leben in Kalifornien zu finanzieren“.