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Extreme Wetterwarnung in Deutschland

07.02.2021 • 14:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Extreme Wetterwarnung in Deutschland

Tief „Tristan“ sorgt derzeit für heftige Schneefälle.

Bis zu 32 Zentimeter Neuschnee, Windböen von bis zu 80 Kilometern pro Stunde und meterhohe Verwehungen: Ein Schneesturm hat vor allem die Mitte Deutschlands getroffen – und er ist noch nicht ausgestanden. „Hotspots sind der Niederrhein, das Münsterland, Ostwestfalen, das nördliche Thüringen, das südöstliche Niedersachsen und das südliche Sachsen-Anhalt“, sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach Sonntag früh.

In weiten Teilen Deutschlands kommt es aufgrund der starken Schneefälle zu großen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr. Besonders starker Wind und Schneeverwehungen machen den Einsatzkräften zu schaffen. Ein eigener Blog zur aktuellen Wetterlage wurde eingerichtet.

Vorsorglich wurden bereits von Samstag bis Sonntag alle Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Kiel, Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland gestrichen. Ebenfalls von den Anpassungen betroffen war die Verbindung zwischen Hamburg und Rostock/Stralsund/Binz. Auch im Regionalverkehr war mit Beeinträchtigungen zu rechnen. In Niedersachsen gab es in der Nacht auf mehrere Zugausfälle. Schneeräumtrupps wurden in Bereitschaft gesetzt, um Gleise, Weichen und Bahnübergänge schnellstmöglich von Schnee und Eis zu befreien.

Wintereinbruch im Norden

„Der Schneesturm ist noch nicht vorbei.“ Mit fünf bis zehn Zentimetern Schnee, lokal auch bis zu 20 Zentimetern müsse im Laufe des Sonntags noch gerechnet werden. Der Wind halte auch weiterhin an mit Sturmböen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. „Das ist auf keinen Fall durchgestanden. Damit müssen wir bis heute Abend warten.“

Der Norden von Nordrhein-Westfalen, das südliche Niedersachsen, das nördliche Thüringen und Sachsen-Anhalt seien in den nächsten Stunden besonders betroffen. In der Nacht werde es im Norden Bayerns, im Süden Thüringens und in Südwest-Sachsen schneien. Die Meteorologen rechnen mit zehn bis 25 Zentimetern Neuschnee in zwölf Stunden. „Aber ohne dicke Winde.“

Der große Wintereinbruch hat Teile Deutschlands in der Nacht auf Sonntag erfasst. Der erste Eisregen fiel bereits am Samstagabend in Teilen Nordrhein-Westfalens und sorgte für spiegelglatte Straßen. Und in Niedersachsen gab es vereinzelt erste Schneeverwehungen. Heftige Schneefälle führten in Thüringen vielerorts zu Unfällen auf glatten Straßen. Die Polizeidienststellen registrierten zunächst keine größeren Probleme. „Bleiben Sie, wenn es geht, zu Hause – zumindest wenn Sie gerade im Norden oder in der Mitte des Landes sind“, wurde gestern im ZDF-Heute-Journal gewarnt:

In Teilen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Sachsen-Anhalts galt am Samstag die Höchste Warnstufe des DWD. Am Alpenrand gab es Warnungen vor schweren Sturmböen, im Norden und der Mitte vor Sturm-und Windböen. Im Vorfeld hatten Meteorologen von einem „denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert“ – und Vergleiche zum Winter 1978/79 gezogen, als bei einer Schneekatastrophe in Norddeutschland das Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationsnetz zusammenbrach.

Probleme auch in Niederlanden

Wegen des heftigen Schneesturms ist der öffentliche Verkehr auch in den Niederlanden am Sonntag stark beeinträchtigt. Der Zugverkehr wurde am Sonntag bis mindestens 12.00 Uhr eingestellt, wie die Niederländische Bahn in Utrecht mitteilte. Aus dem ganzen Land wurden Störungen vor allem an Weichen gemeldet. Es sei unklar, wann der Zugverkehr wieder aufgenommen werden könne.

Extreme Wetterwarnung in Deutschland
AP

Auch der öffentliche Nahverkehr war in mehreren Gebieten stark eingeschränkt. Busse, Straßenbahnen und Metros fuhren nicht. Am regionalen Flughafen Eindhoven wurde der Flugverkehr vorläufig eingestellt. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol warnte Reisende vor Verspätungen.

Milde Temperaturen im Süden

Ganz anders zeigte sich das Wetter hingegen im Süden, wo die Menschen deutlich mildere Temperaturen erwarten. Der Grund: Während über der Mitte Deutschlands Kaltluft arktischen Ursprungs liegt, lenken Tiefdruckgebiete über Westeuropa laut DWD sehr milde Luft nach Bayern und Baden-Württemberg.

Ein DWD-Sprecher verwies dabei kürzlich auf den sogenannten Polarwirbel-Split. Normalerweise bewegt sich dieser Luftwirbel kreisförmig direkt über der Region des Nordpols – daher auch der Name. Der Wirbel verstärkt sich regelmäßig im Winter, wenn kein Sonnenlicht die Atmosphäre dort erwärmen kann und diese sich zunehmend abkühlt, was zu einem Druckabfall in der Höhe führt. Kommt es zu einem „Ausbruch“, teilt sich der Wirbel und kann sich verlagern. „So einen Ausbruch gibt es immer wieder mal – aber diesmal erwischt es uns voll“, sagte der Experte.

Tief Tristan bringt Saharastaub

Währenddessen bringt eine starke Südströmung Staub aus der Sahara bis weit in den Alpenraum. Im Tagesverlauf breitet sich der Regen auf alle Landesteilen aus, insbesondere in Osttirol und Oberkärnten regnet es mitunter auch länger anhaltend und kräftig. Mit dem Einfließen kontinentaler Kaltluft ist im Mühl- und Waldviertel örtlich auch Glatteisbildung durch gefrierenden Regen möglich. Im Westen sinkt die Schneefallgrenze in den Abendstunden allmählich auf 800 Meter Seehöhe. Der zunächst noch teils kräftige Südföhn lässt immer mehr nach, sonst weht mäßiger Wind aus Ost bis Nordwest. Tageshöchsttemperaturen zwischen 0 Grad im Waldviertel und plus 13 Grad in der Südsteiermark.