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Corona-Krise plagt Airbnb

06.12.2020 • 18:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gründer Brian Chesky bringt Airbnb an die Börse
Gründer Brian Chesky bringt Airbnb an die Börse AP

Die Corona-Zeit macht auch Airbnb zu schaffen.

Lange, lange wurde über den Zeitpunkt spekuliert, am 10. Dezember soll es nun soweit sein: Airbnb geht an die Börse.

Die Reiseplattform strebt dabei eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden Dollar (29,22 Milliarden Euro) an. Ziel sei es, 2,85 Milliarden Dollar bei der Neuemission einzunehmen, geht aus einer veröffentlichten Mitteilung des Unternehmens hervor. 51,9 Millionen Aktien sollen zwischen 44 und 50 Dollar je Papier verkauft werden.

Der US-Konzern will mit seinem Aktienmarktdebüt davon profitieren, dass vor allem Technologiefirmen in der Coronakrise an der Börse sehr gefragt sind. Viele Anleger hoffen, durch Investments in solche Unternehmen am beschleunigten Trend zur Digitalisierung teilzuhaben. Auch der Essenslieferdienst DoorDash strebt an die Wall Street.

Mehr Stornierungen als Buchungen, Jobabbau

Für Airbnb kommt der Börsengang nun inmitten einer jedenfalls turbulenten Zeit. Die Reisebeschränkungen in der Coronakrise treffen auch den Vermittlungsmarktplatz heftig. So gab es im März und April mehr Stornierungen als Buchungen auf der Plattform – Hunderte Millionen Dollar wurden für Rückerstattungen fällig. Im Mai reagierte Airbnb schließlich mit einem drastischen Personalabbau.

Laut einem übereinstimmend von US-Medien zitierten internen Memo von Unternehmensgründer und Vorstandschef Brian Chesky sollte rund ein Viertel der Beschäftigten entlassen werden. Die Krise habe den Tourismus zum Stillstand gebracht und Airbnb sei stark getroffen, erklärte Chesky demnach in dem Schreiben an die Mitarbeiter.

Vier Fakten zu Airbnb

1. Im Laufe der Pandemie gingen die Buchungen des Unternehmens im zweiten Quartal um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. 28 Millionen gebuchte Übernachtungen im zweiten Quartal 2020 stehen 83,9 Millionen Übernachtungen im Jahr 2019 gegenüber.

2. Airbnb stehe in der Krise besser da als die Konkurrenz, betont man beim Onlinebrokerhaus Freedom Finance Germany. Die Einnahmen von Booking.com gingen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent zurück, die Einnahmen von Expedia um 58 Prozent, während die Einnahmen von Airbnb lediglich um 18 Prozent abfielen.

3. Airbnb schätzt seinen potenziellen Markt auf 3,4 Billionen US Dollar, wovon 1,8 Billionen US-Dollar auf kurzfristige Aufenthalte (Miete) entfallen.

4. Airbnb wurde 2007 von Brian Chesky und Joe Gebbia in San Francisco gegründet. Heute bieten auf der Plattform mehr als vier Millionen Eigentümer Unterkünfte an.

Um durch die Krise zu kommen, halfen die Investoren aus. So bekam Airbnb eine zwei Milliarden Dollar schwere Kapitalspritze von Silver Lake und Sixth Street Partners. Dabei wurde Airbnb mit 18 Milliarden Dollar bewertet – vor dem Ausbruch der Pandemie in Amerika hatte die Bewertung mit 26 Milliarden noch deutlich darüber gelegen.

Gewinn im dritten Quartal, Minus nach neun Monaten

Inzwischen hat sich die Lage erholt, auch wenn neue Corona-Wellen den Geschäftsausblick wieder eintrüben. Nachdem es im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben hatte, gingen die Erlöse im jüngsten Vierteljahr nur noch um knapp 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar zurück. Dabei stand sogar ein Quartalsgewinn von 219 Millionen Dollar. In den neun Monaten bis Ende September häufte Airbnb dennoch Verluste von knapp 697 Millionen Dollar an.

Wie bei Firmen mit ungewissen Gewinnaussichten üblich, warnt Airbnb im Börsenprospekt auch: „Wir werden möglicherweise nie in der Lage sein, Profitabilität zu erreichen.“ Solche Risikohinweise sind vor Börsengängen allerdings recht üblich, viele andere Tech-Konzerne wie etwa Twitter, Uber, Lyft, der Snapchat-Betreiber Snap oder die Fotoplattform Pinterest hatten sie ebenfalls in ihren Prospekten.