International

Coronavirus: Europa macht dicht

01.11.2020 • 14:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Plätze auf den Intensivstationen würden derzeit noch genügen, man müsse jedoch die Zahl der Neuansteckungen senken.
Die Plätze auf den Intensivstationen würden derzeit noch genügen, man müsse jedoch die Zahl der Neuansteckungen senken. AFP

England, Portugal und Griechenland mit Teil-Lockdowns.

Angesichts der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen fahren neben Österreich immer mehr weitere europäische Staaten das öffentliche Leben erneut herunter. Ein Überblick über die Lage in Europa.

Italien

Die italienische Regierung plant wegen der steil ansteigenden Corona-Zahlen eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Die neuen Maßnahmen sollten am Montag nach einer Ansprache von Premier Giuseppe Conte vor dem Parlament angekündigt werden, verlautete aus Regierungskreisen.

Nach Medienberichten sind Lockdowns in Corona-Hotspots wie Mailand und in einigen Regionen im Gespräch. Auch Reisen zwischen Regionen könnten stark eingeschränkt werden. Die Regierung will Gespräche mit dem wissenschaftlichen Komitee weiterführen, das das Kabinett in Sachen Coronavirus berät.

Großbritannien

Der britische Premierminister Boris Johnson verkündete am Samstag einen zweiten Lockdown in England, der vier Wochen dauern soll. Portugal und Griechenland verhängten wie die türkis-grüne Regierung ebenfalls Teil-Lockdowns. Die Slowakei begann inzwischen mit flächendeckenden Corona-Tests der gesamten Bevölkerung.

„Jetzt ist die Zeit um Handeln, weil es keine Alternative gibt“, sagte der britische Premier Johnson. Das Coronavirus verbreite sich „noch schneller als im schlimmsten Szenario der wissenschaftlichen Berater“. Unmittelbar vor der Bekanntgabe des erneuten Lockdowns hatte die Zahl der Corona-Infektionsfälle in Großbritannien die Schwelle von einer Million überschritten, nachdem fast 22.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet worden waren.

Der Lockdown in England beginnt am Donnerstag und ist befristet bis zum 2. Dezember. Die Schulen sollen geöffnet bleiben. Geschäfte der Grundversorgung dürfen öffnen, die Bevölkerung soll abgesehen vom Gang in die Arbeit, in die Schule oder zum Arzt zu Hause bleiben.

Großbritannien hat mit mehr als 46.000 Todesfällen die höchste Zahl an Corona-Toten in Europa zu beklagen. Wie aus Dokumenten der wissenschaftlichen Beratergruppe der Regierung für Notfälle (Sage) hervorgeht, könnte die Zahl der Infizierten und Krankenhauseinweisungen demnächst die Berechnungen für den schlimmsten Fall übertreffen. Das im Juli ausgearbeitete Worst-Case-Szenario ging von weiteren 85.000 Todesfällen in einer zweiten Infektionswelle im Winter aus.

Griechenland

Auch in Griechenland gilt wie in Österreich ab Dienstag ein Teil-Lockdown mit einer Schließung von Restaurants, Cafes, Museen und Kinos.

Portugal

In Portugal tritt am Mittwoch ein Teil-Lockdown in Kraft, der für rund drei Viertel der Bevölkerung gilt. In den betroffenen Kommunen sollen sich die Bürger in ihre Wohnungen zurückziehen, sie dürfen aber in die Arbeit gehen, wenn Heimarbeit nicht möglich ist, und ihre Kinder in die Schule bringen. Geschäfte müssen spätestens um 22.00 Uhr schließen.

Tschechien

Tschechien verlängerte den Corona-bedingten Ausnahmezustand bis zum 20. November.

Slowakei

Einen Sonderweg geht die Slowakei: Dort begannen am Samstag flächendeckende Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung. In etwa 5.000 Testzentren im ganzen Land standen rund 45.000 medizinische Fachkräfte, Soldaten und Polizisten bereit, um alle Bürger ab zehn Jahren kostenlosen Schnelltests zu unterziehen. Ministerpräsident Igor Matovic erklärte, mit den Massentests könnten „Hunderte Menschenleben“ gerettet werden. Bei einem Erfolg sieht er sie zudem als Vorbild für andere Länder: Die ganze Welt werde das Experiment aufmerksam verfolgen.

Die rund 5,4 Millionen Einwohner zählende Slowakei ist das erste Land dieser Größe, das seine gesamte Bevölkerung testet. In Europa haben bisher nur kleinere Länder wie Luxemburg und Monaco flächendeckende Tests angekündigt. In China wurden bereits die Einwohner ganzer Städte getestet.